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Laues Lüftchen

AIR bringt Webanwendungen auf den Desktop

Mangelware

AIR-Anwendungen sind derzeit noch ziemlich rar gesät. Die wenigen Anbieter verstecken ihre Angebote förmlich auf ihren Homepages. Daher eröffnete Adobe Anfang des Jahres den "Adobe AIR Marketplace" [5]. Das Verzeichnis sammelt eifrig existierende AIR-Anwendungen (Abbildung 1) und bietet neben Beschreibungen auch die passenden Download-Links an. Zusätzlich dürfen Nutzer die Anwendungen mit bis zu fünf Sternen bewerten und einen Kommentar hinterlassen.

Abbildung 1: Die beliebtesten und am besten bewerteten AIR-Anwendungen prangen im Adobe AIR Marketplace an prominenter Stelle auf der Einstiegsseite.

TIPP

Im Internet führt eine Google-Suche zu weiteren Hitlisten mit AIR-Anwendungen.

Das Stöbern im Angebot enttäuscht aber: Größere Anwendungen suchen Sie vergebens, meist stolpern Sie über kleinere, spezielle Werkzeuge – und gefühlte zwanzig Mal über den Adobe Media Player (Abbildung 2). Der spielt gestreamte Filmschnipsel, Internet-TV und Video-Podcasts ab – durchweg auf Englisch. Einige Inhalte laufen zudem nur auf Computern, die sich mit einer IP-Adresse aus dem amerikanischen Adressraum empfehlen.

Abbildung 2: Der Adobe Media Player sieht schick aus, spielt aber nur die Videos einiger vorgegebener, englischsprachiger Stationen.

Zu den AIR-Anwendungen der ersten Stunde zählt auch die Desktop-Fassung des Farbmischers und Palettenjongleurs Kuler [6]. Der Dienst hat es mittlerweile sogar bis in Photoshop CS4 geschafft. Allerdings dürfen Sie ausschließlich die Farbpaletten von anderen Kuler-Nutzern durchsuchen und die eigenen nicht mischen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Fehlen Ihnen irgendwann einmal Farben, hilft Kuler schnell aus. Über das Suchfeld am oberen Rand finden Sie schnell eine passende Palette.

Zu den beliebtesten Programmen, die nicht von Adobe kommen, gehört Twhirl, ein Desktop-Client für Microblogging-Dienste wie Twitter, Seesmic, Friendgeed und Identic.ca (Abbildung 4). Er erlaubt es sogar, die Dienste simultan mit Kurzmeldungen zu füttern. Generell scheint Microblogging ein beliebtes Thema für AIR-Entwickler zu sein, was zahlreiche weitere Konkurrenzprodukte belegen.

Abbildung 4: Twhirl bedient gleich mehrere Microblogging-Dienste und stammt nicht von Adobe.

Der kommerzielle Earthbrowser zeigt in Echtzeit einen dreidimensionalen Globus mit den aktuellen Wetterverhältnissen sowie anderen mehr oder weniger nützlichen Daten (Abbildung 5). Die vorbeiziehenden Satelliten befinden sich tatsächlich an den eingezeichneten Orten, die Vollversion mit Upgrades für zwei Jahre kann man käuflich erwerben.

Abbildung 5: Der kommerzielle Earthbrowser zeigt aktuelle Wetterdaten auf einem Globus. Die roten Streifen hier im Bild sind die Flugbahnen von Satelliten.

Kostenpflichtig ist Agile Agenda, mit dem Sie Projekte über Gantt-Diagramme planen. Der Planer Klok jongliert gratis nur mit den eigenen Terminen. Der Komfort und Leistungsumfang der beiden Probanden reicht allerdings noch nicht ganz an korrespondierende, native Linux-Anwendungen heran.

Den meisten Raum im Marketplace nehmen kleine Helfer ein, die sich mit einer Internet-Seite oder einem Portal verbinden: So holt Snackr RSS-Newsfeeds ab, während die Google Analytics Reporting Suite die vom gleichnamigen Dienst erstellten Auswertungen auf den Desktop zaubert.

Einspieler

Um AIR-Anwendungen auf Ihren PC zu holen, benötigen Sie zunächst die AIR-Umgebung selbst. Sie steht kostenlos auf den Downloadseiten von Adobe bereit [1]. Offiziell unterstützt die momentan aktuelle Version 1.5 lediglich die 32-Bit-Versionen der Distributionen Ubuntu, Fedora und Opensuse. Nutzen Sie ein 64-Bit-System, müssen Sie sich entweder noch etwas gedulden oder das vorhandene Paket mit viel Handarbeit und einigen Tricks in Ihre Distribution fummeln [7]. Maßgeblich Schuld an der Misere trägt übrigens ein noch nicht portierter Flashplayer 10 – proprietärem Code sei Dank.

TIPP

Einige AIR-Anwendungen prüfen vor dem Download, ob die passende Umgebung auf dem Zielcomputer vorhanden ist, und stoßen falls nötig deren Installation automatisch an ("Badge Install").

Sobald das AIR-Paket auf der Festplatte liegt, verwandeln Sie es in eine ausführbare Datei. Dazu klicken Sie es mit der rechten Maustaste an, wählen im Kontextmenü Eigenschaften und setzen dann die Zugriffsrechte beziehungsweise Berechtigungen auf ausführbar. Anschließend genügt ein Doppelklick auf das Paket, um einen grafischen Installationsassistenten zu starten. Verweigert er den Start, streichen Sie die Endung .bin aus dem Dateinamen, indem Sie die Datei umbenennen.

Der Lizenz stimmen Sie einfach zu und geben auf Nachfrage das Passwort eines User mit administrativen Rechten preis, beispielsweise des Benutzers root. Dann warten Sie einen Moment ab. Bricht der Installationsassistent mit einer Fehlermeldung ab, prüfen Sie, ob im Hintergrund der Paketmanager läuft. Bei einigen Distributionen nimmt er gern mal die Gestalt des Aktualisierungs- beziehungsweise Update-Assistenten an.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 03/2012

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