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Füllstandsanzeige

Dateileichen intelligent finden

19.03.2009
Wer intensiv am PC arbeitet, sammelt bald viele überflüssige Daten an. Agedu hilft beim Plattenputz, indem es Obsoletes schnell aufspürt.

Im Zeitalter von Multimedia und umfangreichen Dokumenten fällt die Festplatte des heimischen Rechners grundsätzlich zu klein aus. Schnell füllen riesige Dateien den Datenträger, deren Nutzwert oft aber zeitlich begrenzt bleibt. Die Folge: Regelmäßig steht ein mehr oder minder umfangreicher Plattenputz ins Haus. Unter Linux zeigen – je nach verwendetem Windowmanager – verschiedene grafische Tools die Belegung des Datenträgers und der einzelnen Verzeichnisse an. Fast alle basierten auf dem Kommandozeilenbefehl du, der die Auslastung der einzelnen Verzeichnisse auflistet. Dabei lässt sich aber nur schwer erkennen, in welchen Unterverzeichnissen sich besonders viele nicht mehr benötigte Dateien verstecken.

Dieses Mankos hat sich der englische Entwickler Simon Tatham angenommen und ein kleines Programm namens Agedu (sprich: "äidsch-di-ju") entwickelt, das überflüssigen Dateiballast zuverlässig aufspürt. Dazu liest das Tool die in den Linux-Dateisystemen integrierten Zeitstempel nach dem letzten Zugriffsdatum für jede Datei aus und stellt die Ergebnisse in einer übersichtlichen Balkengrafik im Webbrowser dar. Auf diese Weise erkennt man auf einen Blick ersichtlich, in welchem Verzeichnis sich besonders viele seit langer Zeit nicht mehr aufgerufene Dateien befinden. Da Agedu die Zeitstempel-Funktion zusätzlich mit dem vom Befehl du ermittelten Platzbedarf der Dateien in den einzelnen Verzeichnissen kombiniert, macht die Balkengrafik auch sichtbar, wo sich extreme Speicherplatzfresser verbergen. Das bietet die Möglichkeit, gezielt in einzelnen Verzeichnissen aufräumen, ohne mühselig den gesamten Verzeichnisbaum durchstreifen zu müssen.

Installation

Agedu gibt es bislang nur auf der Website des Entwicklers und in Form eines Quellpakets [1], das zum Zeitpunkt unseres Tests die Versionsnummer 8442 trug. Nach dem Herunterladen des neuesten Tarballs entpacken Sie diesen mittels des Befehls tar -xzvf agedu-rVersion.tar.gz in ein temporäres Verzeichnis. Von dort übersetzen und installieren Sie das Tool über die Befehlssequenz ./configure && make && make install, wobei Sie für den letzten Schritt administrative Befugnisse benötigen. Anschließend löschen Sie den nun nicht mehr benötigten Tarball ebenso wie das temporäre Verzeichnis agedu-rVersion.

Um von Agedu aussagekräftige Informationen zu erhalten, müssen Sie das Programm zwei Mal aufrufen: In der ersten Runde ermittelt die Software im Rahmen eines Plattenscans die Verzeichnisbelegung. Dazu überprüft der Befehl agedu --scan /Verzeichnis den angegebenen Ordner sowie dessen Unterverzeichnisse und baut eine Indexdatei auf. Diese fällt je nach Lage des Verzeichnisses in der Ordnerhierarchie und der Anzahl der enthaltenen Dateien mehr oder minder umfangreich aus. Im zweiten Durchlauf wertet Agedu die erstellte Indexdatei aus und stellt anschließend die Ergebnisse als farbige Balkengrafik im Webbrowser dar. Als Clou bringt Agedu dazu einen eigenen, schlanken Webserver mit, der sogar über Mechanismen zur Authentifizierung verfügt. Um die Indexdatei auszuwerten und anschließend den Webserver zu starten, rufen Sie Agedu mit dem Befehl agedu --web auf (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit zwei Aufrufen generiert Agedu den Index und aktiviert den Webserver.

Die Software aktiviert dabei den internen Webserver und nutzt eine IP-Adresse aus dem Localhost-Adressraum (für gewöhnlich 127.164.152.163), wobei das Programm bei jedem Start einen anderen Port verwendet. Das soll fremde Rechner im lokalen Netz davon abhalten, auf den Webserver zuzugreifen. Bei eingeschalteter Authentifizierung (Abbildung 2) generiert Agedu zusätzlich bei jedem Aufruf des Webservers ein entsprechendes Passwort und zeigt es ebenfalls im Terminal an.

Abbildung 2: Unbefugte bleiben draußen, dank Authentifizierung.

Die komplette URL erscheint im Terminal, und ein Rechtsklick mit der Maus sowie ein anschließender Linksklick auf den Menüpunkt Link öffnen startet den Standard-Webbrowser des Systems, der die Balkengrafiken dann darstellt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Übersichtliche Darstellung der Verzeichnisse und Zugriffsdaten in Firefox.

Variationen

Agedu kennt zahlreiche optionale Parameter, die den Funktionsumfang des Programms widerspiegeln. So können Sie über Schwellwerte festlegen, Dateien welchen Alters Agedu als überholt betrachtet, anstelle des letzten Zugriffs definieren Sie alternativ die letzte Modifikation einer Datei als Erhebungskriterium. Auf Anforderung nimmt das Tool auch einen Scan über verschiedene Dateisysteme hinweg vor.

Sie dürfen IP-Adresse und Portnummer für die Kommunikation mit dem Webbrowser ebenso individuell festlegen wie die Authentifizierungsmethode am integrierten Webserver, Benutzername und Passwort lassen sich per Parametereingabe fest definieren. Auf Wunsch stellt Agedu die Scanergebnisse statt als Grafik im Browser auch als spartanische Textversion im Terminal dar.

Da die Software das Kombinieren von Parametern zulässt, fassen Sie außerdem zeitsparend mehrere Arbeitsschritte in einen einzigen Befehl zusammen und lassen sie Agedu hintereinander abarbeiten.

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