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Wo steht KDE 4.2?

KDE 4.2 im Detail: Plasma, Nepomuk und Strigi

23.02.2009
Das frisch erschienene KDE 4.2 sieht nicht nur toll aus, sondern bringt auch die von KDE 3 bekannten und geschätzten Fähigkeiten des K-Desktops wieder voll mit. Obendrein bietet KDE 4.2 aber noch viel mehr.

KDE 4 revolutioniert den Desktop, so versprachen uns die Entwickler zu Beginn der Entwicklung: Neue Frameworks mit tollen Namen wie Plasma, Akonadi, Phonon, Nepomuk, Solid und Strigi sollten modernste Technologien auch Otto Normalnutzer schmackhaft machen. Doch beim Release von Version 4.0 war von den neuen Fähigkeiten nicht viel zu merken – höchstens, dass nichts davon funktionierte. Dieser Artikel stellt die KDE-Komponenten Plasma-Desktop, Nepomuk und Strigi vor und zeigt, was davon in KDE 4.2 bereit verwirklicht ist.

Plasma

Der Desktop ist die Visitenkarte jedes Linux-Systems. Unter KDE 4.2 arbeitet dieser komplett unter der Regie von Plasma: Es stellt das KDE-Panel bereit und bietet Platz für diverse Widget auf dem Desktop. Plasma wurde eigens für KDE 4 geschrieben und entwickelt – ohne Plasma kein KDE 4. Entsprechend viel Arbeit floss in das Projekt ein, und Version 4.2 bringt nun fast alle geplanten Features mit. Einzig das Nachinstallieren von Applets über das Internet funktioniert noch nicht ganz wie gewünscht und Dashboard-Widgets von Mac OS X lassen sich nur in Ausnahmefällen einbinden.

Einige Widgets zeigen nach dem Start eine Fehlermeldung an (Abbildung 1) – meist fehlt dem Widget dann die nötige KDE-4-Verbindung. Ein in Ruby programmiertes Widget benötigt zum Beispiel das Paket kde4-ruby, die Google-Gadgets das Paket kdebase4-workspace-google-gadgets.

Abbildung 1: Dieses Applet benötigt noch die entsprechenden KDE-Ruby-Pakete.

Unabhängig von Plasma zeichnet der Fenstermanager KWin weiterhin für die Anordnung der Programmfenster verantwortlich. Er lässt sich zwar gegen einen beliebigen anderen Windowmanager auswechseln, was man aber nur tun sollte, wenn man auf Desktopeffekte verzichten möchte. KWin bringt diese von Haus aus mit und unterstützt neben dem allgemein bekannten Desktop-Cube auch ein paar sehr nette Features wie etwa die Anzeige des Mauszeigers (Abbildung 2) über [Strg]+[Win] oder des Exposé über [Strg]+[F10] beziehungsweise [Strg]+[F11]. Für die Desktop-Effekte muss allerdings die 3D-Beschleunigung aktiviert sein.

Abbildung 2: Wo ist die Maus? Ein passendes Tastenkürzel zeigt es unter KDE 4 an.

Nepomuk

KDE-4-Nutzer sollen ihre Dateien nicht suchen müssen, sondern einfach finden. Für dieses hoch gesteckte Ziel setzt KDE 4 auf Strigi und Nepomuk. Während sich die Suchmaschine Strigi um die Indizierung sämtlicher Daten kümmert, knüpft das Informationsframework Nepomuk [1] im Hintergrund die Fäden.

Starten Sie das KDE-Kontrollzentrum über [Alt]+[F2] und den Befehl systemsettings, finden Sie auf dem Reiter Erweitert den Eintrag Desktopsuche mit dem Nepomuk-Logo (Abbildung 3). Hier schalten Sie den Dienst ein, sofern er nicht bereits aktiviert ist. Die Checkbox für die Aktivierung von Strigi zeigte in den Tests keine Wirkung, wir starteten die Suchmaschine jeweils von Hand auf der Konsole.

Abbildung 3: Die beiden Menüpunkte Desktopsuche und Akonadi-Einrichtung sind zwei zentrale Komponenten des neuen KDE-Desktops.

KDE 4 nutzt Nepomuk zurzeit für Bewertungen, Kommentare und so genannte Tags. Dieses Feature steht aber für sämtliche Dateien zur Verfügung, nicht nur für Musikstücke wie etwa in Amarok. Um eine Datei zu bewerten, wechseln Sie in Dolphin ins entsprechende Verzeichnis und drücken [F11] um die Informationsbox einzuschalten. Hier klicken Sie auf die gewünschte Anzahl Sterne. Möchten Sie Dateien mit einem Stichwort versehen, wählen Sie Schlagwort ändern und fügen dann ein neues Schlagwort hinzu oder wählen eines aus der angezeigten Tag Cloud aus (Abbildung 4). Die Kommentarfunktion arbeitet auf die gleiche Weise.

Abbildung 4: Seit KDE 4.2 zeigt Dolphin die Schlüsselwörter in einer Tag-Cloud geordnet an.

Die auf diese Art erhaltenen Informationen speichert Nepomuk in einer RDF-Datenbank. KDE nutzt dazu die Qt-RDF-Schnittstelle Soprano [2], wofür es wiederum zwei Backends gibt: Redland und Sesame. OpenSuse installiert per Vorgabe das Redland-Backend (Paket soprano-backend-redland), in den Repositories finden Sie aber auch soprano-backend-sesame. Das arbeitet laut Nepomuk-Entwickler Sebastian Trüg deutlich schneller und minimiert zudem auch den Umfang der Metadaten [3]. Da es allerdings auf Java basiert, benötigt Sesame auch eine entsprechende Laufzeitumgebung. Sind beide Pakete installiert, wählt Nepomuk laut Trüg automatisch das Sesame-Backend. In unseren Tests mit OpenSuse 11.0 und 11.1 klappte das jedoch nicht. Selbst nachdem wir das Sesame-Backend von Hand in die Datei .kde4/share/config/nepomukserverrc eintrugen, setzte KDE es beim Start immer wieder auf Redland zurück. Kubuntu 8.10 bietet nur das Redland-Backend an.

Die indizierten Inhalte landen in ~/.kde4/share/apps/nepomuk/repository/main/data/. Hier gibt es einzelne Datenbanken für die Keywords und ein File mit dem Namen soprano-contexts.db. Sie speichert die Verknüpfungen der einzelnen Dateien. So merkt sich KDE 4 zum Beispiel, ob eine Datei als Anhang einer E-Mail auf der Festplatte landete oder von welcher Internetadresse man sie heruntergeladen hat (Abbildung 5). Diese Features finden sich allerdings erst in der Entwicklerversion von KDE 4.3 und sind in KDE 4.2 noch nicht komplett vorhanden.

Abbildung 5: Dank Nepomuk behalten Sie den Überblick, welche Datei aus welcher Quelle stammt.

Finden statt suchen

Zurzeit fehlen KDE 4.2 noch grafische Tools für die Suche. Zugriff auf die von Nepomuk indizierten Daten erhalten Sie über die URL nepomuksearch:/ in Dolphin oder Konqueror. Nepomuk zeigt in der Grundeinstellung vier Ordner für sämtliche Musikdateien, Dateien vom aktuellen Datum und vom Vortag sowie die zuletzt benutzte Dokumente an (Abbildung 6). Dabei handelt es sich um virtuelle Verzeichnisse, die einfach sämtliche Dateien anzeigen, die einem vorher festgelegten Suchkriterium entsprechen. Möchten Sie zum Beispiel alle Dokumente anschauen, denen Sie das Tag "cool" vergeben haben, geben Sie folgende URL ein:

nepomuksearch:/hastag:cool

Leider existiert dieses Feature bei KDE 4.2 vorerst nur auf dem Papier. In unseren Tests mit Kubuntu 8.10 und OpenSuse 11.1 verabschiedete sich der Prozess nepomukservices jeweils mit einem Segfault-Error.

Abbildung 6: "Zeig mir alle Dokumente an, die ich gestern neu angelegt habe.": Mit Nepomuk klappt das in Zukunft ohne komplizierte Suche.

Für eine noch bequemere Suche in der Nepomuk-Datenbank hat Sebastian Kügler ein Plasma-Applet programmiert. Das Widget Crystal Desktop Search[4] befindet sich allerdings erst im KDE-Entwicklerzweig Plasma-Playground und dürfte erst mit KDE 4.3 Einzug in den Plasma-Desktop halten.

Strigi

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Datei zu finden: Man lässt entweder find die komplette Platte oder eine bestimmte Partition durchsuchen oder setzt ein besonderes Werkzeug ein, das in einer eigens dazu angelegten Datenbank nach den gewünschten Inhalten sucht. Traditionellerweise nutzt man für den zweiten Weg das Paar locate und updatedb.

Die traditionellen Unix-Tools haben den Nachteil, dass sie entweder ziemlich lange für eine Suche brauchen (find) oder nur nach Dateinamen suchen, aber nicht nach Inhalten (locate). Ein Werkzeug, das beide Probleme löst, nennt man im Neuhochdeutschen "Desktopsuchmaschine". Zu den bekanntesten Vertreter dieser Gattung zählen die Desktop-Suche von Google, Spotlight unter Mac OS X und Beagle von Novell.

Die KDE-4-eigene Suchmaschine Strigi [5] nutzt ihrerseits wiederum das Backend Clucene [6]. Strigi durchsucht in der Grundeinstellung die Meta-Informationen von OpenOffice- und PDF-Dokumenten, MP3-Dateien und diversen Bildformaten sowie Dateien im Textformat, RPM- und Debian-Archive. Die Informationen dazu sammelt das Tool in mehreren Indexdateien unter ~/.strigi/clucene. Je nach Anzahl der Dateien und der Menge an Meta-Informationen wächst dieses Verzeichnis schnell auf mehrere hundert Megabyte Größe an. Der Nachteil einer Desktopsuchmaschine besteht somit in den relativ großen Indexdateien; zudem braucht der Rechner zum Erstellen des ersten Indexes relativ lange und belegt dabei Festplatte und CPU intensiv mit Beschlag.

Strigi nutzen

Um die Desktopsuchmaschine zu nutzen, müssen Sie zunächst den Strigi-Daemon starten. Er durchsucht in der Grundeinstellung sämtliche Dateien in Ihrem Home-Verzeichnis. Sie starten den Daemon über strigidaemon & auf der Kommandozeile. Root-Rechte braucht er dazu nicht, solange er keine Dateien außerhalb Ihres Home-Verzeichnisses indizieren soll. Den ersten Durchlauf starten Sie am besten am späten Abend nach der täglichen Arbeit und lassen den PC über Nacht werkeln. Nach dieser Erstindizierung macht sich der Strigi-Daemon normalerweise nicht mehr negativ bemerkbar.

Für die Suche gibt es unter KDE 4 noch keine eingebetteten Tools, die sind erst für Version 4.3 geplant. Bis dahin nutzen Sie das Qt-Programm Strigiclient. Sie starten es über [Alt]+[F2] und den Befehl strigiclient. Strigiclient startet unter OpenSuse auch automatisch den Daemon. Im neuen Fenster tippen Sie den gesuchten Dateinamen oder zum Beispiel den Interpreten eines Musikstücks in das Suchfeld am unteren Fensterrand ein (Abbildung 7). Da Strigi zum Aktualisieren des Indexes nicht auf Inotify setzt, benötigt das Tool ein paar Sekunden, bis Inhalte neuer Dateien im Suchindex auftauchen. Der Inotify-Support ist laut FAQ zwar integriert, aber in der Grundeinstellung nicht aktiv [7].

Abbildung 7: Nicht besonders hübsch, aber sehr mächtig: Der Strigi-Client.

Strigiclient sortiert die Treffer automatisch nach bestimmten Kriterien, der Reiter all zeigt jeweils sämtliche Treffer an. Um von der Suche wieder zurück zum Einstellungsdialog zu wechseln, muss das Suchfeld leer sein. Sie starten dann entweder explizit die Indizierung oder ändern die Auswahl der Verzeichnisse. Bei unseren Tests unter OpenSuse 11.0 mit KDE 4.2 funktionierte dies jedoch nur nach dem direkten Editieren der Konfigurationsdatei ~/.strigi/daemon.conf.

Fazit

Während die KDE-Entwickler beim Desktop bereits alle geplanten Features verwirklicht haben und der Benutzer ein für den täglichen Gebrauch geeignetes System bekommt, gibt es bei der Integration von Strigi und Nepomuk noch ein paar Baustellen. Sobald die Entwickler diese noch beheben (geplant ist das für KDE 4.3), gehört KDE 4 aber definitiv zu den innovativsten Desktops überhaupt.

Glossar

RDF

Resource Description Framework. Vom WWW-Konsortium verabschiedeter Standard für das Speichern semantischer Informationen.

Inotify

Funktion des Kernels, die Programme über neue und veränderte Dateien informiert.

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