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Trennkost

Neue Version von OpenSuse

22.01.2009
OpenSuse 11.1 bietet erstmals freie und proprietäre Programme streng getrennt an. Was bedeutet das – und was bringt die Distribution sonst an Neuem?

README

Abgesehen von augenfälligen Neuigkeiten an YaST und KDE 4 liegen die Änderungen an OpenSuse 11.1 weitgehend unter der Haube versteckt.

Nach dem großen Auftritt von OpenSuse 11.0 machte der Nachfolger zunächst erstmal durch Verzögerungen auf sich aufmerksam, ansonsten hörte man nicht viel. Tatsächlich erinnert OpenSuse 11.1 optisch stark an OpenSuse 11.0 – das liegt wohl auch an dem hübsch gemachten Installer, den man schon von OpenSuse 11.0 kennt. Er weicht in einigen Punkten von seinem Vorgänger ab, die bereits ein wenig verraten, wohin die Reise für die neue Version der Distribution geht.

Zunächst stehen als Desktops nur noch KDE 4.1 und Gnome zur Auswahl. Erst wer auf Weitere klickt, findet neben XFCE auch KDE 3.5 auf der Auswahlliste (Abbildung 1). Der Schritt erscheint sinnvoll: KDE 4.1 läuft inzwischen ziemlich stabil, beherrscht die meisten Features von KDE 3 und zeigt nur noch gelegentlich Schwächen. Wer Überraschungen partout nicht mag, kann aber weiterhin KDE 3.5 einsetzen.

Abbildung 1: Da OpenSuse 11.1 auf KDE 4.1 setzt, verschwindet die Auswahloption für KDE 3.5 nun in einem Untermenü.

Neu ist auch, dass Sie als Installateur keine EULA mehr abnicken müssen. OpenSuse 11.1 zeigt zwar noch einen vom Fedora-Projekt übernommenen Lizenztext an (Abbildung 2), aber die Distribution hat standardmäßig keine proprietäre Software mehr an Bord. Software wie Skype, Adobes Flashplayer und Acrobat Reader befindet sich im Repository Non-free der Distribution. Wer OpenSuse 11.1 in einer Box kauft, findet diese Software auf einer Addon-CD.

Abbildung 2: Da OpenSuse 11.1 nur noch freie Software auf der DVD ausliefert, müssen Sie bei der Installation keine EULA mehr bestätigen.

Beim Einstellen der Zeit müssen Sie merkwürdigerweise nach wie vor das Häkchen bei Rechneruhr ist auf UTC gestellt entfernen. Bei UTC handelt es sich um die so genannte koordinierte Weltzeit – diese für die Hardware-Uhr des Rechners zu nutzen, ergibt bestenfalls dann Sinn, wenn Sie sich ständig mit Menschen in anderen Zeitzonen verabreden. Den deutschen Durchschnittsanwender, der in der mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ) mit Sommer- und Winterzeit lebt, verwirrt diese Angabe eher, erfordert sie doch ständiges Umrechnen.

Beim Partitionieren stört, dass OpenSuse Windows-Nutzern die Chance lässt, ihre Windows-Partitionen zu verkleinern, um OpenSuse daneben zu installieren. Bei konkurrierenden Linuxen schlägt der Installer der Distribution hingegen lediglich vor, die gesamte Festplatte zu verwenden – kein feiner Zug. Abgesehen davon wartet der Installer mit vernünftigen Voreinstellungen auf und macht gerade Neueinsteigern das Leben so einfach wie möglich.

YaST und KDE 4

Nehmen Sie nach Abschluss der Installation über den kleinen orangefarbenen Button in der Fußleiste von KDE 4 ein Update des Systems vor, will OpenSuse eine MP3-Erweiterung von Fluendo sowie Smolt einspielen. Ersteres ist OpenSuses Spagat zwischen den Interessen der User, die MP3-Support erwarten, und den rechtlichen Erwägungen beim Umgang mit proprietärer Software. Bei Smolt handelt es sich hingegen um eine Initiative des Fedora-Projekts, das in anonymisierter Form Hardwaredaten von Linux-Rechnern weltweit sammelt. Damit wollen die Initiatoren die Hardwarehersteller unter Druck setzen, damit diese den Quellcode ihrer Treiber veröffentlichen. Das Versenden dieser Angaben bleibt jedoch freiwillig.

Als zentrales Installations- und Verwaltungstool dient ein leicht überarbeitetes YaST: Momentan diskutieren die OpenSuse-Entwickler bereits darüber, das Tool auch anderen Distributionen zur Verfügung zu stellen [1]. Im Vergleich zu den 10er-Versionen von OpenSuse arbeitet YaST inzwischen deutlich effizienter und schneller.

Wer das Paketsystem von Debian mag und seine Software am liebsten über die Kommandozeile installiert, dürfte Zypper lieben, das jetzt in Version 1.0.1 vorliegt. Der Paketmanager arbeitet sehr zügig und ähnelt in der Syntax und sonstigen Arbeitsweise Apt. Mit sudo zypper install Paket installieren Sie ein spezifisches Programm, wobei Sie Paket durch den Namen der Software ohne RPM-Erweiterung und Versionsnummer ersetzen. Im Zweifelsfall finden Sie über sudo zypper search Paket zuvor heraus, ob sich die Software überhaupt in einem OpenSuse-Repository befindet.

Apropos Repositories: Das YaST-Modul, das sich um externe Paketquellen kümmert, haben die Entwickler überarbeitet. Es listet sämtliche verwendeten Paketquellen auf und informiert über den Aktivierungsstatus sowie die Möglichkeit, die jeweilige Paketliste automatisch zu aktualisieren (Abbildung 3). Ändern Sie die Prioritäten, lädt YaST Software bevorzugt aus einer bestimmten Quelle herunter.

Mit OpenSuse 11.1 einher geht der Aufbau des neuen Contrib-Repositories [2]: Es dient als Bindeglied zwischen den von Novell offiziell betreuten Factory- und den Community-Paketquellen, die von normalen OpenSuse-Usern stammen. Pakete für Contrib brauchen einen festen Maintainer, der auch Sicherheitspatches einspielt, und müssen zu den Factory-Paketen von Novell kompatibel sein. In Debian und Ubuntu gibt es solche Community-Repositories schon länger.

Abbildung 3: YaSTs Modul zum Bearbeiten von Paketquellen sieht nun anders aus. Eine Übersicht präsentiert den Status eingebundener Repositories.

Auch am Drucker- und am Partitionierungsmodul haben die OpenSuse-Macher gefeilt: Das Verwalten und Freigeben von Druckern funktioniert nun mit weniger Klicks. Gewöhnlich richtet OpenSuse Drucker bereits während der Installation ein, weshalb Sie dieses Konfigurationsmenü vermutlich ignorieren können. Verweigert der Drucker die Arbeit, bietet seit einiger Zeit die Linux Foundation eine sehr umfangreiche Druckerdatenbank an [3], die für jedes Modell zeigt, welchen Treiber es benötigt.

Auch das Partitionierungsmodul in YaST wirkt nun übersichtlicher. Da der Installer aber automatisch Partitionierungsvorschläge unterbreitet, bekommen Sie dieses Modul möglicherweise nie zu Gesicht. Allerdings können Sie von hier aus auch verschlüsselte Dateien anlegen, die OpenSuse 11.1 per Loop-Mount einbindet.

Rocking Amarok

Das mitgelieferte KDE 4.1.3 läuft deutlich stabiler als der Vorgänger und bringt ein paar neue Features und Programme mit, darunter Amarok 2 für KDE 4 (Abbildung 4). Das müssen Sie allerdings gezielt nachinstallieren, an Bord ist zunächst Amarok 1.4.

Abbildung 4: Das neue Amarok 2 bringt noch nicht alle Features von Amarok 1.4 mit, unterstützt aber bereits jetzt deutlich mehr Webdienste.

Amarok 2 ist gerade erst erschienen und bringt einige neue Features mit. Es unterstützt deutlich mehr Webdienste und -radios als die Vorgängerversion, darunter Jamendo, Librivox und OpmlDirectory. Auf diese Weise nutzen Sie den Player auch dann, wenn Sie keine Musik auf der Festplatte aufbewahren. Einige bekannte Funktionen von Amarok 1.4 fehlen hingegen. So unterstützt Amarok 2 noch keine portablen Mediaplayer, zudem kennt es nur noch eine Datenbank: MySQL. Aus Gründen der Wartbarkeit verzichten die Entwickler zukünftig darauf, mehrere Datenbanken parallel zu pflegen.

Beim mitgelieferten OpenOffice 3 handelt es sich um eine Novell-Spezialanfertigung. Diese öffnet auch MS-Works- und SVG-Dateien und verfügt über eine Gstreamer-Anbindung. Mit deren Hilfe betten Sie Multimedia-Inhalte in Dokumente ein und spielen diese ab.

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