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Lernbausteine

Das Jclic-Autorensystem

22.01.2009
Lernsoftware muss nicht immer von Programmierern entwickelt werden: Mit Jclic entwerfen Pädagogen kinderleicht eigene Übungen für ihre Schüler.

Lern- und Übungsprogramme gibt es mittlerweile für alle Altersgruppen und viele Lehrinhalte – in geradezu unüberschaubarer Anzahl. Nur selten jedoch orientiert sich diese generalistisch ausgerichtete Software an Lehrplänen. Pädagogen, die beispielsweise für Projekte spezielle Übungen mithilfe des Computers bewältigen wollen, können Software "von der Stange" deshalb nicht immer sinnvoll einsetzen.

Um diesem Manko durch individuell zusammengestellte Inhalte abzuhelfen, wurden in jüngerer Zeit so genannte Autorensysteme entwickelt, die es auch dem Programmierlaien ermöglichen sollen, die für ihn relevanten Lehrinhalte softwareseitig umzusetzen. Unter Linux sticht dabei ein System ins Auge, das sich durch eine wirklich einfache Bedienung, ausgefeilte Möglichkeiten zum Entwurf von verschiedensten Lehrmitteln und freie Verfügbarkeit unter der GPL auszeichnet: Jclic.

Jclic

Die Java-Applikation wurde ursprünglich vom Bildungsministerium der katalonischen Regierung entwickelt und bringt neben einem Autorensystem auch ein netzwerkfähiges Statistikmodul zur Überprüfung des Lernerfolgs mit. Für Nutzer im deutschsprachigen Raum entwickelt das Innovationszentrum für Schule und Neue Technologie in Linz (es betreibt auch den größten Bildungsserver Österreichs) Jclic weiter. Vom Webserver des Zentrums [1] laden Sie nicht nur die eigentliche Programmsuite herunter, sondern aus einem bereits mehrere hundert Module umfassenden Beispielpool an Übungseinheiten auch die für Ihre Bedürfnisse passenden Lektionen. Der Fundus an Lernmodulen wächst ständig und speist sich dabei aus Übungen, die Lehrkräfte für ihren eigenen Unterricht entworfen haben und nun der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.

Installation

Jclic setzt zum Betrieb die Sun-Java-Laufzeitumgebung voraus (siehe Kasten "Das 'richtige' Java"). Nach dem Herunterladen des Jclic-Programmarchivs entpacken Sie es. Dabei entsteht automatisch ein neuer Ordner mit dem Namen jclic-0.2.0.5, in dem sich die Dateien der Programmsuite befinden.

Zum Starten der Software geben Sie in einem Schnellstart-Fenster ([Alt]+[F2]) das Kommando java -jar /PfadzuJclic/jclic.jar ein. Alternativ legen Sie in den entsprechenden Menüs von KDE, Gnome oder XFCE einen Starter an. Unter Gnome erledigen Sie das beispielsweise durch den Aufruf von System | Einstellungen | Hauptmenü | Neuer Eintrag (Abbildung 1). Beabsichtigen Sie, auch selbst Übungen zu entwerfen, sollten Sie zusätzlich für das Jclic-Autorenprogramm einen eigenen Starter anlegen: Diese Komponente arbeitet eigenständig und lässt sich aus dem Jclic-Player heraus nicht aufrufen.

Abbildung 1: Mit wenigen Angaben richten Sie unter Gnome einen Starter für Jclic ein.

Das 'richtige' Java

Da es unter Linux verschiedene Java-Implementationen gibt, prüfen Sie zunächst mittels des Befehls java -version im Terminal, ob und welche Java-Variante auf Ihrem System installiert ist. Meldet der Befehl statt Java (TM) ... so etwas wie OpenJDK ..., so arbeitet auf Ihrem PC die Java-Variante der Free Software Foundation. Diese müssen Sie deinstallieren, weil Jclic ausschließlich mit dem Original-Java von Sun Microsystems funktioniert. Arbeiten Sie mit einer Distribution mit RPM-Paketmanagement, so laden Sie von der Java-Website [2] ein entsprechendes RPM-Paket herunter. Auf Debian-basierten Distributionen installieren die aktuelle Java-Laufzeitumgebung mithilfe des Befehls apt-get install sun-java6-jre java-common.

Nach einem für Java-Programme erstaunlich zügigen Start fragt Jclic zunächst nach der verwendeten Sprache und dem Pfad zu den Übungsdateien. Sofern Sie keinen eigenen Ordner dazu definiert haben, legt die Software ein Unterverzeichnis in Ihrem Home-Ordner an. Dort richtet sie einen weiterer Ordner namens projects ein, in dem sich die eigentlichen Übungsbibliotheken befinden. An diese Stelle kopieren Sie die vorgefertigten, auf der Website von Jclic bereitgestellten Übungseinheiten, die Sie im Unterricht verwenden möchten. Dann wählen Sie die Lektionen im Hauptmenü des Players mit Datei | Datei öffnen aus. Sofern sich Übungen auch online bearbeiten lassen, rufen Sie diese über die Menübefehle Datei | URL öffnen auf.

Die Bedienung der einzelnen Übungen folgt einem durchdachten Schema mit lediglich sechs Symbolen, die sich links unten im Programmfenster gruppieren (Abbildung 2). Durch zwei nach links und rechts zeigende Pfeile schalten Sie vorwärts oder zur letzten Übung zurück. Ein Fragezeichen symbolisiert die Hilfefunktion, eine kleine Fahne oder – je nach gewähltem Artwork-Schema – eine offene Spirale startet die Übung neu. Ein Klick auf den Schalter mit dem Buchstabensymbol JClic zeigt die Übungsstatistiken an, mit denen Sie den Lernerfolg Ihrer Schüler verfolgen. Über den Schalter mit dem i-Symbol erhalten Sie Zusatzinformationen zur jeweiligen Übungseinheit. Erscheinen eines oder mehrere dieser Symbole grau, so sind dazu keine Informationen verfügbar.

Abbildung 2: Die Bedienung von Jclic erfolgt ausschließlich über die sechs Schalter in der linken unteren Ecke des Programmfensters.

Die Reportfunktion integriert Jclic bei jeder Übung sowohl im Einzelplatzbetrieb als auch bei der Nutzung in Computerkabinetten. Sofern Sie das Programm nur auf einem einzigen Rechner betreiben, erhalten Sie im Menü Übung | Übungsberichte nach Lehreinheiten aufgeschlüsselte Erfolgsberichte (Abbildung 3). Im Netzwerkbetrieb müssen Sie mittels des Befehls java -jar /PfadzuJclic/jclicreports.jar zunächst eine Datenbank anlegen. Dies geschieht bequem über ein grafisches Menü, das Sie per Passwort gegen etwaige Manipulationen schützen. Die Datenbank speichert sodann die Erfolgsquoten und zeigt sie bei Bedarf übersichtlich aufbereitet an.

Abbildung 3: Die ausführliche Berichtsfunktion von Jclic gibt Auskunft über den erzielten Lernerfolg.

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