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Edler Tropfen

Geistreiche Genüsse mit Drupal

22.01.2009 Drupal nicht nur eine schnöde Homepage-Verwaltung, sondern glänzt zusätzlich mit Blogs, Foren, einer ausgeklügelten Benutzerverwaltung sowie ausgefeilten Kollaborations-Tools.

Da Breitbandanschlüsse im Jahre 2000 noch unverschämt teuer waren, beschlossen acht Studenten der Universität Antwerpen, unter ihnen Dries Buytaert, sich einen Zugang zu teilen. Letzterer entwickelte für das neu entstandene Intranet kurzerhand eine Newsseite mit eingebautem schwarzen Brett. Nach dem Studium verpflanzte die Gruppe das System auf einen Server im Internet und entließ es 2001 unter dem Namen Drupal [1] in die Freiheit.

Mittlerweile begeistert Drupal Nutzer in aller Welt:. Die Zeitschriften "Die Zeit" und "Die Welt" befeuern ihre Blogs damit; daneben zählen MTV, Forbes, Second Life und Greenpeace England zu den prominenten Kunden.

TIPP

Drupal ist die englische Lautschrift für das niederländische Wort Drupel, zu deutsch: Tropfen.

Einspieler

Die Installation von Drupal beginnt etwas holperig. So müssen Sie zunächst per Hand eine neue Datenbank anlegen, ein paar Dateien an die richtige Stelle verschieben und Schreibrechte korrigieren. Darüber hinaus verlangt Drupal von seiner PHP-Umgebung üppige 16 MByte RAM und für wiederkehrende Wartungsarbeiten den Dienst Cron. Unterbinden billige Webhosting-Pakete dessen Einsatz, müssen Sie Aktualisierungen regelmäßig per Hand anstoßen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, erscheint im Browser der grafische Installationsassistent, der die restliche Einrichtung mit wenigen Mausklicks ermöglicht.

Kommandobrücke

Drupal bietet keine gesonderte Steuerzentrale ("Backend"). Sie nehmen alle Einstellungen und Änderungen direkt auf der Homepage vor, weshalb die Navigationsleiste links etwas unaufgeräumt wirkt (Abbildung 1). Bis Ein- und Umsteiger damit zurecht kommen, bedarf es einiger Blicke in die ausführliche Dokumentation.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das riesige Hauptmenü auf der linken Seite ist etwas chaotisch strukturiert.

Drupal unterstützt von Haus aus mehrsprachige Seiten. Um die Übersetzung der Oberflächenelemente kümmern sich passende Sprachpakete. Welche Sprache ein Besucher spricht, ermittelt Drupal automatisch anhand der Browsereinstellungen. Gelingt das nicht, schalten die Anwender über Links auf der Homepage zwischen den verfügbaren Sprachen hin und her.

Fütterungszeit

Drupal verwaltet von Haus aus einfache Internetseiten, Artikel und Bücher. Internetseiten bestehen nur aus reinem Text, Artikel dürfen einen Vorspann enthalten, der auf den Inhalt neugierig macht. Bücher verteilen große Textmengen auf mehrere Unterseiten und gliedern diese hierarchisch.

Die vorbildliche Versionsverwaltung protokolliert alle Änderungen und nimmt sie auf Wunsch wieder zurück. Unverständlicherweise müssen Sie auf einen komfortablen WYSIWYG-Editor ebenso verzichten wie auf eine Medienverwaltung: Bilder und andere Dateien laden Sie über ein puristisches Eingabefeld auf den Server. Vermisste Funktionen wie diese lassen sich aber schnell über Zusatzmodule nachrüsten.

Modenschau

Das Aussehen der Inhalte auf der Homepage regelt eine Vorlage, das so genannte Theme. Bei der Auswahl hilft die integrierte Vorschau, in der Sie über ein pfiffiges Farbrad die Stimmung anpassen. Zusätzlich dürfen Sie noch das Logo gegen ein eigenes austauschen und an ein paar kleineren Einstellungen drehen. Das war's auch schon: Wollen Sie mehr Einfluss nehmen, müssen Sie sich mit HTML- und CSS-Kenntnissen bewaffnen und ein eigenes Theme stricken.

Beschränkt

Die Benutzerverwaltung arbeitet flexibel und leistungsfähig. Auf Wunsch sehen Sie neu beantragte Konten vor der Freischaltung. Zudem dürfen Sie vom Antragsteller eine Bestätigung per E-Mail verlangen und sogar Nutzungsrichtlinien vorgeben, die ein neuer Anwender beim Registrieren absegnen muss – ein wichtiges Detail, das andere CMS gern vergessen. Die Benutzerdaten erweitern Sie um eigene Informationsfelder. Ergänzen Sie etwa die Adressdaten, entsteht so schnell eine Alumni-Liste.

Die Aktionen der Anwender zügeln Benutzergruppen, die so genannten Rollen. Haben Sie einen passenden Satz davon angelegt, haken Sie einfach in der Checkliste aus Abbildung 2 alle Aktionen ab, welche die zugehörigen Mitglieder auslösen dürfen. Sobald Sie einem Benutzer eine Rolle zuweisen, bleibt dieser an die entsprechenden Restriktionen gebunden.

Ergänzende Zugriffsregeln verwehren schließlich noch einzelnen Benutzern die Einsicht in vertrauliche Inhalte oder sperren auffällig gewordene IP-Adressen. Diese Regeln legen Sie allerdings etwas umständlich in einem kryptischen, Drupal eigenen, Format fest.

Abbildung 2

Abbildung 2: Eine Rolle erlaubt Aktionen, die Sie einfach in dieser Liste abhaken.

Jedem sein Tagebuch

Auf Wunsch weisen Sie jedem Benutzer sein persönliches Blog zu. Obendrauf gibt es eine Blogger-API, automatisch erzeugte RSS-Feeds, einen News-Aggregator, Permalinks sowie Pinging. Sogar eigene Stichwörter ("Tags") heften Sie an beliebige Inhalte und nehmen somit gleich eine Kategorisierung vor.

Drupal reagiert auf bestimmte Ereignisse mit einer ausgewählten Aktion. So erhält der Administrator auf Wunsch automatisch eine E-Mail, sobald ein neuer Text auf die Veröffentlichung wartet. Zusammen mit einer umfangreichen Statistik über die internen Aktivitäten des Systems behalten Sie das Geschehen auf dem Server im Blick und spüren Angriffsversuche schneller auf. Ob Sie allerdings per Trackermodul alle Aktivitäten Ihrer Nutzer penibel protokollieren wollen, müssen Sie selbst entscheiden.

Fazit

Drupal versteckt viele pfiffige Funktionen unter einer etwas gruselig strukturierten Benutzeroberfläche. Dafür stellt der auf Communitys und Blogger ausgerichtete Funktionsumfang so manch anderes CMS in den Schatten. Vermisste Funktionen, wie beispielsweise ein Wiki, rüsten Sie über Module schnell nach. Die flexible Rechteverwaltung über Rollen macht Drupal für Vereine und Unternehmen interessant. Und wer gar kommerzielle Unterstützung braucht, wendet sich an Acquia [2], das eigens zu diesem Zweck von Dries Buytaert gegründete Unternehmen.

Datenblatt Drupal

Aktuelle Version 6.5
Homepage http://www.drupal.org
Lizenz GNU GPL
Umgebung/Voraussetzungen MySQL ab 4.1 oder PostgreSQL ab 7.4, Webserver (z.B. Apache ab 1.3), PHP 4.3.5
Verwaltung mehrerer Auftritte/Homepages Ja
Barrierefreiheit Abhängig von eingesetztem Themes und Modulen
Enthaltene Zusatzfunktionen Blog (mit API), Umfrage, Kommentare, Kontaktformular, Forum, RSS-Feeds, Suche
Erweiterung des Funktionsumfang möglich Ja (über Modul-System)
Templates Ja, HTML-Kenntnisse erforderlich
Template-Editor Keiner
Benutzer-/Rechteverwaltung Ja (Rollenbasiert)
Authentifizierung über externe Dienste Ja (OpenID, weitere über Module)
Moderation der Inhalte Ja
Mehrsprachige Oberfläche/Homepage Ja/Ja
Medienmanager Nein
WYSIWYG-Editor Nein (nachrüstbar über entsprechende Module)
Vorschau möglich Ja
Versionierung der Inhalte Ja
Benutzerfreundlichkeit der Oberfläche Unübersichtlich, längere Einarbeitungszeit
Drag and Drop-Unterstützung Nein
Bildmanipulation Keine
Assistent beim Anlegen neuer Inhalte Ja
Rechtschreibprüfung Nein
Zugriffs- und weitere Statistiken Ja (mit guter Aufbereitung)
Geschwindigkeit Flott, bei vielen aktivierten Funktionen langsamer
Sicherheit Entwickler reagieren schnell
Sandbox Nein
SSL-Unterstützung Nein (nachrüstbar über ein Modul)
Dokumentation Umfangreiche Online-Hilfe, Internetseiten Dritter, zahlreiche Bücher im Handel
Support Nur über Forum, zahlreiche Unternehmen bieten Leistungen an
Automatische Updates Nein, aber Meldung bei neuen Versionen
Suchmaschinenoptimierung (SEO) Ja (per mod_rewrite)
Backup der verwalteten Inhalte Nein (Manuell)

Glossar

API

das Application Programming Interface ist eine Schnittstelle, über die Programmierer auf Funktionen einer Anwendung zugreifen.

News-Aggregator

Drupal speichert und integriert auch News über die RSS-Feeds externer Seiten.

Pinging

die Funktion verschickt automatisch eine Nachricht an einen Webserver, sobald es einen neuen Blog-Beitrag gibt.

Infos

[1] Drupal-Homepage: http://drupal.org

[2] Kommerzieller Support für Drupal: http://acquia.com

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