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Kompaktanlage

Musikverwaltungssoftware Exaile im Test

18.12.2008
Mit Exaile geht ein neuer Kandidat als Alternative zu schwergewichtigen Audioplayern an den Start. Eine clevere Plugin-Architektur rüstet gezielt Funktionen nach und hält die eigentliche Applikation schlank.

Neben dem allseits beliebten, aber Qt-basierten Amarok [1] etablieren sich seit geraumer Zeit auch Musikverwaltungsprogramme für die Gnome/XFCE-Umgebung. Ein besonders schönes Beispiel für Open-Source-Entwicklung finden Sie in der Software Exaile [2], die in einem kleinen Team um den hauptberuflichen Systemadministrator Adam Olson aus Salt Lake City entsteht.

Optisch wie in der Funktionsweise lehnt sich Exaile sehr stark an den Aufbau von Amarok an, setzt aber dabei auf das Gimp-Toolkit Gtk+ für die Oberfläche. Als Programmiersprache dient Python. Diese Konstellation macht es der Community einfacher, die Software mittels Plugins zu bereichern. Als Audio-Backend dient Gstreamer.

Laut Wikipedia-Eintrag [3] existiert neben der aktuellen Version 0.2.14 respektive dem Entwicklermodell 0.3.0a eine fast fertige Windows-Variante. Ein Port auf Nokias Internettablett N800 befindet sich laut Wikipedia-Eintrag in Arbeit. Der Kasten "Installation" hilft Ihnen beim Setup der Software.

Installation

Den Entwicklern merkt man ihre Vorliebe für die Debian-basierten Ubuntu-Derivate an. So präsentieren sie auf Ihrer Webseite neben dem obligatorischen Quellcode lediglich Binärpakete der letzten beiden Ubuntu-Versionen "Hardy Heron" (8.04) und "Intrepid Ibex" (8.10). Ersteres hat zwar eine ältere Version mit an Bord, doch fällt es leicht, über ein neues Repository auf die aktuelle Version zu aktualisieren.

Entweder laden Sie einfach das Paket von der Seite – auf einen Klick öffnet sich unter Ubuntu der Paket-Installer, der den Rest erledigt – oder Sie integrieren gleich das Repository. Öffnen Sie hierfür mit Root-Rechten die Datei /etc/apt/sources.lst in einem Texteditor Ihrer Wahl und fügen die Zeile deb http://ppa.launchpad.net/exaile-devel/ubuntu hardy main ein.

Nutzen Sie nicht "Hardy Heron", dann setzen Sie bitte anstelle von hardy das Attribut aus dem Codenamen der von Ihnen verwendeten Ubuntu-Version ein (gutsy oder intrepid). Ob Sie Xubuntu oder eine andere Distributionsvariante nutzen, spielt dabei keine Rolle. Nun bringen Sie noch mittels apt-get update die Quellen auf den neuesten Stand, und ein apt-get install exaile bringt Exaile auf Ihre Platte.

Ähnlich einfach verhält es sich unter OpenSuse: Der Paketebauer Packman [4] hält passendes Material für die Versionen 10.2, 10.3 und 11.0 bereit, das Sie per One-Click-Install in Ihr System einbinden. Alternativ dazu nutzen Sie die entsprechende, in YaST anwählbare, Paketquelle.

Bekanntes Bild

Verwenden Sie bereits eine ähnliche Software, wie Amarok oder Apple iTunes, dann finden Sie sich auch in Exaile schnell zurecht. Die Software nutzt den klassischen dreiteiligen Aufbau (Abbildung 1): Die linke Spalte dient dem Überblick. Über Kartenreiter springen Sie zur Dateiansicht, den Wiedergabelisten und der Bibliothek. Das rechte Fenster enthält die Abspiellisten in der üblichen Tabellenform. Welche Information zum jeweiligen Titel Sie anzeigen möchten, bestimmen Sie über eine Rechtsklick auf die Kopfzeile der Liste.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick fügt sich Exaile dem üblichen Aufbaumuster der Konkurrenz.

Über und unter diesem Bereich finden Sie die Bedienelemente des Players, die Zeitangabe, sowie Schalter für das integrierte Bewertungssystem. Die beliebten Cover-Arts zeigt Exaile mit Hilfe der englischsprachigen Amazon-Seite nicht nur in dem dafür vorgesehenen Feld an, sondern auch als Icon in der Albenliste der Bibliothek. Die Liste in der Bibliotheksansicht bietet Sortiermöglichkeiten nach den Kriterien "Interpret", "Album" oder "Künstler" an.

TIPP

Um die Coverbildchen zu den Alben anzuzeigen, bedarf es der aktuellen Version 0.2.14. Außerdem darf in den Einstellungen Bearbeiten | Einstellungen | Erweitert unter Amazon-Sprachauswahl nicht de stehen. Geben Sie hier us an. Dünnen Sie bei der Suche die langen Dateinamen, die zur Suche verwendet werden, lieber aus, und zappen Sie dann durch das gefundene Material.

Verfügen Sie bereits über eine Musiksammlung, so sollte Exaile diese nun initialisieren. Unter Bearbeiten | Bibliothek-Verwaltung teilen Sie dem Programm mit, in welchen Ordnern sich Ihre Musik befindet. Ein Klick auf Werkzeuge | Bibliothek neu scannen liest dann die Audiodateien der angegebenen Ordner ein.

Die Integration einer CD-Kollektion erweist sich aber als problematisch: Über Datei | Disc öffnen spielen Sie eingelegte Audio-CDs zwar ab. Ein Import der Musik als Ogg-Vorbis- oder MP3-Datei schlug aber im Test auf unterschiedlichen Systemen stets fehl. Selbst Modifikationen in den Einstellungen (Bearbeiten | Einstellungen | Importieren) zum Beispiel bei der Auswahl eines anderen Codecs, führten zu keinem positiven Ergebnis. So bleibt nur der Umweg über einen externen Ripper. Über den Menüpunkt Datei | Verzeichnis importieren lesen Sie das entstandene Verzeichnis ein.

Goodies

Zahlreiche Zusatzfunktionen, zum Teil über Plugins implementiert, verwandeln Exaile dennoch in eine alltagstaugliche Musikverwaltungssoftware. So laden Sie über das Kontextmenü die einzelnen Titelinformationen (Information) zu Interpret oder Stück aus dem Online-Almanach Wikipedia herunter. Dabei entsteht ein weiterer Kartenreiter, der gleich die komplette Internetseite anzeigt. Auf die selbe Weise ordnen Sie Liedtexte und Statistiken zu (Abbildung 2).

Abbildung 2: Rufen Sie Informationen zu einem Künstler ab, bindet Exaile gleich den gesamten Wikipedia-Eintrag ganzseitig ein.

Ein beliebtes Mittel, um die eigene Musikgeschmack mit anderen zu teilen, finden Sie in dem Social Network Last.fm [5]. Die Webseite bietet zwar ein eigenes Programm, um seinen Musikgeschmack der Welt kundzutun. Exaile stellt bei Bedarf aber ebenfalls abgespielte Titel ins Online-Profil. Dafür geben Sie lediglich unter Bearbeiten | Einstellungen | Last.fm Ihren Benutzernamen und das Passwort ein. Wollen Sie auch die aus Last.fm bekannten Nachbarschaften abhören, benötigen Sie das passende Plugin.

Der Menüpunkt Bearbeiten | Erweiterungen ermöglicht über drei Kartenreiter das Verwalten der Plugins. Dabei zeigt der mittlere Reiter alle verfügbaren Erweiterungen an. Klicken Sie hier zum Beispiel auf das leere Kästchen neben dem Eintrag Last.fm-Radio und danach auf den Schalter Installieren, so erscheint im ersten Reiter ein entsprechender Eintrag. Unter Umständen finden Sie dort weitere Möglichkeiten zum Konfigurieren des Plugins. Für Last.fm-Radio brauchen Sie aber nur den Port anzugeben, wobei die Vorgabe 1881 in der Regel passt.

Ein sehr interessantes Plugin entpuppt sich Shoutcast-Radio. Exaile bietet zwar bereits die Verwaltungsliste Radio in der linken Fensterleister, beinhaltet aber noch keine Radiostationen. Eine der beliebtesten Sammelstellen für Internet-Radio-Streams ist Shoutcast.com [6]. Dessen Repertoire lässt sich über das gleichnamige Plugin integrieren und erscheint dann in den Radio-Wiedergabelisten (Abbildung 3). Mit dem Plugin iPod Device Driver binden Sie das beliebte Gerät in Exaile zum Befüllen mit Musik aus Ihrer Sammlung ein.

Abbildung 3: Über ein Plugin integrieren Sie das gesammelte Repertoire an Internetradio-Sendern der Shoutcast-Webseite.

Exaile speichert nicht nur alle Musikstücke in einer Datenbank ab, sondern registriert auch Ihr Hörverhalten. So entstehen mit der Zeit unter Wiedergabelisten Listen, die besonders oft respektive selten gehörte Titel umfassen. Auf Wunsch stellt das Programm eine Liste von Musikstücken mit hohen Bewertungen zusammen. Zudem bauen Sie im Order Benutzerdefiniert nach dem Muster einer Datenbankabfrage intelligente Listen nach eigenen Vorgaben zusammen.

Fazit

Dass es sich bei Exaile noch um eine frühe Version (0.2) handelt, ist dem Programm durchaus anzumerken: Viele mittlerweile selbstverständlich gewordene Funktionen wie das Brennen aus dem Programm heraus oder das Einlesen und Umwandeln von Audio-CDs fehlen noch. Das Brennen aus Exaile heraus deuten die Entwickler zwar in den Einstellungen unter Bearbeiten | Einstellungen | Erweitert | Brennprogramm an. Die Funktionalität folgt aber erst in einer kommenden Version – möglicherweise bereits in 0.3.0.

Im Alltag schlägt sich das Programm beim Verwalten einer bereits vorhandenen Musiksammlung dennoch bereits ganz gut. Dabei verschlingt es weniger Ressourcen und reagiert auch merklich schneller als die etablierte Konkurrenz.

Infos

[1] Amarok: http://amarok.kde.org/

[2] Exaile: http://www.exaile.org

[3] Wikipedia-Eintrag zu Exaile: http://de.wikipedia.org/wiki/Exaile

[4] Exaile bei Packman: http://packman.links2linux.de/package/exaile

[5] Last.fm: http://www.lastfm.de

[6] Shoutcast: http://www.shoutcast.com

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