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Akademisch

Fedora 10 "Cambridge"

02.12.2008
Red Hats Basis, das Fedora-Projekt, veröffentlicht die zehnte Version des auf Aktualität und neueste Technologien zielenden Betriebssystems. Wir haben für Sie getestet, ob sich ein Umstieg lohnt.

Ähnlich wie andere große Distributionen folgt seit geraumer Zeit auch das Fedora-Projekt [1] einem halbjährlichen Release-Zyklus, dessen Freigabedatum etwa in der Mitte zwischen jenem von Canonical und Suse liegt. So erschien Fedora 10 Ende November mittig umrahmt von Ubuntu 8.10 (Oktober) und Opensuse 11.1 (Dezember).

Traditionell erwarten die Fedora-Anhänger aktuellste Softwarereleases und wegweisende technologische Neuerungen von der neuesten Version ihrer Distribution – so auch von der "Cambridge" getauften Release 10. In Anbetracht von ursprünglich vorgeschlagenen Kriegsnamen wie "Whiskey Run" oder "Terror" beruhigt die eher akademische Namenswahl. Nach dem letzten Namensgeber "Sulphur" (Schwefel), konnten sich (gottlob) auch die Chemiker unter den Fedorianern nicht mit "Salpetre" oder "Nitrat" durchsetzen.

Neben den Aktualisierungen, die Gnome 2.24.1, der Kernel 2.6.27.5, Firefox 3.0.4 und das gerade frisch gebackene Openoffice 3.0 umfassen, bindet Fedora 10 "Cambridge" aber auch eigene Entwickungen in die Distribution ein. Eine Verbindung von KMS ("Kernel-Based Mode-Setting") und dem Programm Plymouth sorgt auf Radeon-Hardware und Framebuffer-Konsolen für einen animierten Startbildschirm mit weichen und vor allem schnellen Übergängen zum X-Server und retour. Dabei kümmert sich der Kernel selbst von Anfang an für den richtigen Grafikmodus, sodass man als Anwender nicht mehr mit einem grobpixeligen Bild aus dem Bootmanager Grub in einer VGA-Konsole vorlieb nehmen oder auf die Einstellungen des X-Servers warten muss.

Das Programm Plymouth nutzt die auf diese Weise bereitgestellten Hardware-Optionen und bietet eine hübsch animierte Grafik in Fedoras neuem "Solar"-Kleid. Besser als ein Screenshot zeigt das vom Fedoraprojekt bereitgestellte Video unter [2] dieses Grafik-Schmankerl. Benutzer ohne KMS-Unterstützung sehen allerdings nur einen schwarzen Bildschirm mit dreifarbigen Fortschritts-Balken, der die Ausgaben des Bootvorgangs verdeckt. Die damit angeblich verbundene Beschleunigung des Bootprozesses konnten wir im Test aber nicht feststellen – wenn es hier überhaupt Verbesserungen gibt, so fallen diese wohl eher marginal aus. Doch vor einer solch netten Bootansicht steht bekanntlich die Installation.

Wie auch schon in den letzten Versionen bietet das Fedora-Projekt nicht nur Installationsmedien an (DVD, 3,5 GByte; sieben CDs; Net-Install-CD, 131 MB), sondern auch Live-CDS für den schnellen Test. Die gibt es in Geschmacksrichtungen mit Gnome 2.24 und KDE 4.1.2. Für in Deutschland ansässige Fedora-Nutzern empfiehlt sich als Doenloadquelle der FTP-Server der Uni Kaiserslautern [3]. Alle Darreichungsformen bietet Fedora auch für 64-Bit-Architekturen und Power-PC an. Sogenannte Spins[4] erlauben auch die Verwendung spezieller Distributionszusammenstellungen – wie Fedora-10-XFCE oder Fedora-Edu (mit dem Fokus Bildungssoftware) – die sich auch auf USB-Sticks installieren lassen.

Anaconda

Wie gewohnt befördert das Installationsprogramm Anaconda in Version 11.4.1.62 mit kleinen Verbesserungen das System auf die heimische Festplatte. Der spartanische Bootmanager bietet nur wenige Optionen. Mittels [Tab] öffnet sich eine Zeile, in der Sie dem Kernel Boot-Parameter mit auf den Weg geben. So fand sich beispielsweise das Dateisystem ext4 bereits experimentell in Fedora 9. Zwar noch immer nicht finalisiert, steht ext4 nun kurz vor seiner festen Implementierung im Kernel. Zurzeit müssen Sie aber noch ein ext4 in der Bootzeile eingeben, damit Sie in Anaconda später dieses neue Dateisystem auch nützen können.

Während des Einrichtungsvorgangs fragt Anaconda wie gewohnt die gewünschte Sprache, den Rechnername, die Systemzeit und das Root-Passwort ab. Das Partitionierungstool bietet vorgefertigte Layouts an, bei denen jeweiles Beschreibungen in ganzen Sätzen dem Anwender helfen, die richtigen Einstellungen zu treffen. Dabei bietet das Festplatten-Werkzeug auch die Möglichkeit, NTFS-Partitionen zu verkleinern und Linux-Partitionen zu verschlüsseln.

TIPP

Bevor Sie FAT- oder NTFS-Festplatten verkleinern, sollten Sie unbedingt das Windows-Systemtool Scandisk nach Fehlern suchen lassen und die fragliche Partition defragmentieren: Ansonsten kann es beim Verkleinern zu Fehlern kommen.

Die Softwareverwaltung unterteilt ihre Bestände zuerst recht grob: Zur Auswahl stehen Büro und Produktivität, Softwareentwicklung und Web-Server. Als Repository dient lediglich die DVD. Wollen Sie auch bereits die Online-Quellen Fedora 10 i386 und Fedora 10 i386 - Updates während der Installation nutzen, müssen Sie erst Ihre Netzwerkdaten eingeben. Wer sich nicht auf die Programmzusammenstellung der Distribution verlassen möchte, wählt weiter unten im gleichen Fenster Jetzt anpassen und klickt dann erst auf Weiter.

Nun geht es an die Fedora-typische, schrittweise Feingliederung der Softwarebereiche. Im linken Fenster wählen Sie grobe Kategorien aus, wie etwa Desktopumgebungen; rechts sehen Sie die zur Auswahl stehenden Unterkategorien. Bot die letzte Beta-Version Fedora 10 Preview an dieser Stelle noch die Umgebungen Xfce und Sugar (für Netbooks) an, so beschränkt sich die Release-Version nun auf die beiden Platzhirsche KDE 4.1.2 und Gnome 2.24.1 (Abbildung 1). Wer das voreingestellte Gnome nicht mag, wählt es hier bereits ab und setzt sein Häkchen bei KDE. Über die Online-Repositories laden Sie aber nach vollendeter Installation auch Desktop-Alternativen nach.

Abbildung 1: Während der Installation lässt Fedora Ihnen die Wahl zwischen Gnome und KDE und bietet die Möglichkeit, einzelne Pakete ab- oder anzuschalten.

Der Schalter Optionale Pakete verbirgt nicht etwa Alternativen, sondern lässt die eigentliche Paketauswahl zu. Eine Suchfunktion spendierten die Entwickler dem Tool noch nicht, was eine Feinabstimmung in der Auswahl deutlich erschwert.

Nach der Installation der gewählten Pakete startet das System neu und führt Sie durch den zweiten Teil der Einrichtung. Dabei gilt es einen Benutzer einzurichten und die Uhrzeit (gegebenenfalls nebst NTP-Server) anzugeben. Das Analysewerkzeug SMOLT, schon aus der letzten Version bekannt, will anschließend die gesammelten Hardware-Daten anonymisiert ans Fedora-Projekt übersenden. Dies dient nach Aussage der Entwickler dazu, die Hardware-Unterstützung der Distribution zu verbessern.

Angetestet

Der aufgeräumte Gnome-Desktop präsentiert das neue, in blau gehaltene "Solar"-Theme und unterscheidet sich nicht wesentlich von den Oberflächen bei der Konkurrenz. Die voreingestellten Ordner im Home-Verzeichnis verlinkten die Entwickler nur zum Teil auf die entsprechende Software. Während Downloads aus dem aktuellen Firefox 3.0.4 nach ~/Downloads gelenkt werden, schreibt Openoffice 3.0 seine Datein per Standard in das jeweilige Benutzerverzeichnis, statt in den dafür vorgesehenen Ordner Dokumente.

In Sachen KDE setzen die Fedorianer bereits voll auf Version 4 (Abbildung 2) des K-Desktops. Weil aber auch die enthaltene Version 4.1.2 noch nicht über die volle Funktionalität von KDE 3.5.9 verfügt und obendrein einige Instabilitäten aufweist, verbietet sich eigentlich der Einsatz des Eyecandy-Desktops auf Produktivsystemen.

Abbildung 2: Eyecandy, aber buggy: Der hübsche Desktop von KDE 4 kann noch nicht für eine produktive Arbeit empfohlen werden.

Das früher durch irreführende deutsche Übersetzungen miserable Programm zur Druckerkonfiguration haben die Entwickler grundlegend überarbeitet. Auf die neusten Treiberpakete der verbreiteten HP-Drucker (hplip) verzichteten die Entwickler aber. Sie müssen diese selbst nachinstallieren, wenn Sie gerade ein sehr aktuelles Gerät dieser Marke erstanden haben.

Das dafür vorgesehene Paketmanagment RPM (in Version 4.6) arbeitet dabei zwar langsamer als das von Debian/Ubuntu bekannte APT, aber immer noch schneller als Zypper in OpenSuse. Das einstige grafischen Frontend Pirut ersetzt hierbei die Software Packagekit [5]. Hier lassen sich dann auch ganze Paketgruppen, wie neue Desktop-Umgebungen (Abbildung 3) nachinstallieren.

Abbildung 3: In der Softwareverwaltung Packagekit holen Sie problemlos vergessene Pakete auf die Festplatte.

Als reine Open-Source-Distribution verzichtet Fedora dabei schon traditionell auf alle unfreien Teile wie Codecs oder Sun Java. Teilweise bietet das Projekt dafür freien Ersatz, wie die Java-Umgebung OpenJDK. Andere Bestandteile fehlen und müssen über externe Online-Quellen außerhalb des Fedora-Projektes nachgerüstet werden. Zum Glück schlossen sich gerade erst die dafür bekannten Kandidaten Livna.org, Freshrpms und Dribble zusammen und bilden die neue Anlaufstelle RPM Fusion[6]. Deren Repository holen Sie sich mittels des in Listing 1 aufgeführten Monster-Befehls in Ihr Softwareverzeichnis. Bei RPM Fusion finden Sie auch proprietäre Treiber, zum Beispiel für die Grafikkarten von ATI und Nvidia.

Listing 1
$ su -c 'rpm -Uvh http://download1.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-stable.noarch.rpm http://download1.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-stable.noarch.rpm'<C>

Administratoren und sicherheitsbewusste Anwender dürften sich für das neue grafische Werkzeug SecTool interessieren, das ihnen einige komplizierte Kommandozeilenarbeiten abnimmt. Weniger augenscheinlich – dafür umso erfreulicher für die Ohren – zeigen sich die Verbesserungen am PulseAudio-Server. Einen vollständigen Überblick zu den zahlreichen Neuerungen gibt eine Feature-Liste unter [7].

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Kommentare
Der Vergleich mit Fedora 10 Preview / Namenswahl
Michael Schwendt, Donnerstag, 04. Dezember 2008 10:44:44
Ein/Ausklappen

Im Fedora 10 DVD Preview war ein Fehler dafür verantwortlich, daß Xfce und Sugar angeboten wurden, anstatt nur GNOME und KDE.

Die Fedora Package Collection inklusiver mehrere Desktop Umgebungen ist bereits viel zu voluminös, um noch auf eine einzige DVD zu passen. Alternative Installationsmedien für eine andere Paketvorauswahl sind in Form der sogenannten "custom spins" zu erhalten, sofern diese zum jeweiligen Erscheinungsdatum bereits fertiggestellt waren: http://spins.fedoraproject.org/

Die Namenswahl bei Fedora, mit abschließender Abstimmung nach Bekanntgabe der vorausgewählten und rechtlich abgesegneten Namenskandidaten, dient der Unterhaltung eines nur kleinen Teils der Community. Ein vorgeschlagener Name muß einen Bezug zum Vorgänger- und Nachfolgernamen herstellen, selbst wenn dieser nicht offensichtlich ist, sondern nur nach tiefergehender Recherche ersichtlich wird.



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