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Bunter Exot

Tux International (7): Maryan Linux aus Costa Rica

18.12.2008
Die meisten Distributionen setzen auf KDE oder Gnome als Standard-Fenstermanager. Maryan Linux aus Costa Rica bringt stattdessen vier weniger bekannte GUIs mit, läuft dafür aber auch auf alter Hardware zügig.

Ubuntu-Derivate gibt es inzwischen wie Sand in der Karibik. Dieser Umstand konnte Marvin Ortega aus San José (Costa Rica) aber nicht davon abhalten, mit Maryan Linux 1 (http://en.maryanlinux.com) die Ubuntu-Familie um ein weiteres Mitglied zu erweitern. Dabei bleibt Maryan Linux 1 vorerst ein Einzelstück: Die nächste Version, Maryan 2, soll auf Debian 5 "Lenny" basieren.

Maryan Linux 1 "Avicennia" zeichnet sich weniger durch eine außergewöhnliche Software-Auswahl aus als vielmehr durch die Integration von gleich vier exotisch anmutenden Windowmanagern. Als Standard-Desktop verrichtet der legendäre Enlightenment E17 sein Werk, während als weitere Arbeitsoberflächen der als besonders ressourcenschonend bekannte Fluxbox-Manager sowie Openbox und der nahezu unbekannte Pekwm auf der Maryan-1-CD zur Auswahl stehen. Alle vier begnügen sich auch mit weniger leistungsfähiger Hardware, was die Distribution für den Einsatz auf älteren Rechnern geradezu prädestiniert. Tatsächlich arbeitet Maryan Linux 1 auch auf bereits recht betagten Rechnern mit Pentium-II-Prozessor noch flotter als ein Standard-Ubuntu mit KDE oder Gnome auf manchem Pentium-4-System.

Steckbrief Maryan Linux 1

Name Maryan Linux
Aktuelle Version/Codename 1 / Avicennia ("Mangrove")
Land Costa Rica
Basiert auf Ubuntu 8.04
Medien Installierbare Live-CD
Paketmanager DEB
Primärer Desktop Enlightenment E17
Alternative Desktops Fluxbox, Openbox, Pekwm
Kernel 2.6.24
Entwicklerteam 5 (Costa Rica, Australien, Spanien, USA)
Release-Zyklus unregelmäßig
Stärken ideal für ältere Hardware, Ubuntu-Repositories nutzbar
Schwächen keine Folgeversionen auf Ubuntu-Basis geplant

Erster Eindruck

Die als installierbare Live-CD ausgelegte Distribution startet nach dem Booten von CD genauso behäbig und annähernd mit dem gleichen Splashscreen wie das Original-Ubuntu. Dass man es bei Maryan 1 nicht mit einem reinrassigen Ubuntu zu tun hat, macht sich vorerst nur durch das Maryan-Logo bemerkbar. Weitere Unterschiede zum großen Bruder stechen erst nach dem Aufruf des Fenstermanagers ins Auge: Enlightenment E17 präsentiert sich nach kurzer Startzeit in dezenten graublauen Tönen.

Bereits die Live-Version bietet eine ganze Reihe nützlicher Applets, die sich am rechten Bildschirmrand tummeln. Diese so genannten Gadgets informieren den Anwender über den Systemzustand sowie Uhrzeit und Datum. Ansonsten findet sich auf dem Bildschirm nur noch eine untere Panelleiste mit einem Softwaremenü und Schnellstartern für verschiedene Programme: E17 nennt diese Leiste "Modulablage". Der von KDE und Gnome her bekannte typische Desktop als Ablagemöglichkeit fehlt unter E17: Sie sehen somit auch die Symbole für Examples und Install nicht.

Maryan nutzen

Entschließen Sie sich nach dem ersten Blick auf das System dazu, es dauerhaft auf die Festplatte zu packen, müssen Sie einen Warmstart ausführen und dann im Bootmenü den Eintrag zur Installation wählen. Die übrigen Schritte verlaufen wie von Ubuntu her bekannt.

Programmfenster präsentieren sich bei Maryan Linux 1 nicht wie üblich mit weißem Hintergrund und schwarzer Schrift, sondern mit heller Schrift auf schwarzem Hintergrund (Abbildung 1). Diese ungewöhnliche Farbkombination sieht zwar elegant aus, trägt aber nicht unbedingt zur guten Lesbarkeit bei. Dies trifft insbesondere bei Büroapplikationen zu. So sind längere Dokumente mit dem bei Maryan Linux 1 als Standard-Textverarbeitung mitgelieferten Abiword nur mit erhöhter Konzentration zu bearbeiten. Da sich jedoch die Farbkombinationen vom Nutzer frei definieren lassen, muss man nicht mit diesem Handicap leben.

Abbildung 1: Elegant, aber schlecht lesbar – der Enlightenment-Desktop mit schwarzem Fensterhintergrund bei Maryan Linux 1.

Die Software-Ausstattung von Maryan Linux zeigt sich durchgängig aktuell: Neben dem von Ubuntu 8.04.1 LTS übernommenen Kernel 2.6.24-19 sind der GCC in der Version 4.2.3 sowie auf der Applikationsseite Firefox 3.0, Abiword 2.4.6 und Gnumeric in Version 1.8.2 als wichtigste Vertreter zu nennen. Die Maryan-Entwickler verzichteten in allen Softwaregruppen konsequent auf ressourcenfressende Applikationen. So sucht man OpenOffice, Thunderbird oder Gimp vergeblich. Stattdessen besteht die Software-Auswahl überwiegend aus einem gelungenen Mix von kleineren Gnome- und XFCE-Programmen. Gnome steuert beispielsweise neben den bereits erwähnten Office-Programmen auch den Multimedia-Player Totem bei, aus dem XFCE-Fundus stammt der schlanke und rasante Dateimanager Thunar. Für jene Nutzer, denen Firefox auch in der entschlackten und beschleunigten Version 3.0 noch zu langsam erscheint, hat Maryan Linux als zweiten Browser auch den pfeilschnellen Dillo an Bord.

Der Schwerpunkt der Applikationsauswahl liegt bei Maryan eindeutig auf multimedialen Anwendungen sowie Online-spezifischen Programmen. So finden sich neben dem bereits erwähnten Totem auch der Multimedia-Player Banshee, das intuitive Brennprogramm Brasero sowie für die Audiobearbeitung unter anderem Soundconverter im Fundus. Im Bereich der Kommunikationsprogramme integriert die Distribution neben Webbrowsern auch entsprechende E-Mail-Clients, RSS-Feedreader und Remote-Desktop-Applikationen.

Desktop wechsel dich!

Während vielen Distributionen eine Desktopoberfläche fest als Standard vorgeben und man andere extra nachinstallieren und teilweise manuell eingerichten muss, packen die Entwickler von Maryan Linux 1 ihre vier Arbeitsoberflächen fertig konfiguriert zusammen mit der kompletten Distribution auf eine einzige CD. Um den Desktop zu wechseln, melden Sie sich aus Enlightenment ab und wählen im Anmeldemenü anschließend unter Sitzung per Radiobutton die gewünschte Oberfläche. Noch einfacher gestaltet sich der Wechsel bei Fluxbox (Abbildung 2): Hier markieren Sie einfach den gewünschte Eintrag im Menü Fenstermanager.

Abbildung 2: Mit Fluxbox lässt es sich unter Maryan Linux 1 ebenfalls vortrefflich arbeiten.

Ein einziger Klick auf eine der angebotenen Optionen, und schon startet die gewünschte Arbeitsoberfläche. Bis der neue Desktop arbeitsbereit zur Verfügung steht, vergehen nur Sekundenbruchteile. Auch beim rasanten Fenstermanager Pekwm (Abbildung 3) erfolgt der Desktopwechsel per Neuanmeldung: Klicken Sie mit der rechten Maustaste in den Desktop und wählen Sie im sich darauf öffnenden Menü den Eintrag Pekwm | Exit.

Abbildung 3: Vor allem für schwache Rechner eignet sich Maryan Linux 1 mit dem superschlanken Pekwm.

Zusatzsoftware

Obwohl die Bandbreite der von Maryan Linux 1 mitgelieferten Programme für die meisten gängigen Anwendungsfälle ausreicht, kommt man in der Praxis oft um OpenOffice oder Gimp nicht herum. Durch das von Ubuntu mit übernommene Paketmanagementsystem und die Kompatibilität zu dessen Repositories stehen dem Maryan-1-Anwender derzeit sämtliche Ubuntu-"Hardy"-Programme zur Verfügung – insgesamt mehr als 24 000 Pakete. Für Abwechslung ist also gesorgt, und dank des integrierten grafischen Paketmanagers Synaptic stellt das Nachinstallieren von Programmen kein wirkliches Hindernis dar.

Fazit

Maryan Linux präsentiert sich durch die vielen schlanken Fenstermanager als sehr abwechslungsreiche Distribution, die auch auf wirklich alten Rechnern eine gute Figur abgibt. Die Arbeitsoberflächen bieten die meisten nötigen und sinnvollen Funktionen und verzichten auf ressourcenfressenden Gimmicks. Lediglich Enlightenment E17 sticht durch optische Effekte ins Auge, ohne dabei jedoch an Schnelligkeit zu verlieren.

Als Ubuntu-Derivat profitiert Maryan Linux von einer herausragenden Stabilität des gesamten Systems bei gleichzeitig exzellenter Hardware-Unterstützung und einer sehr reichlichen Softwareauswahl. Bislang nicht völlig fertiggestellt sind die Arbeiten am Artwork: An vielen Stellen meldet sich noch Ubuntu, was der Funktionalität von Maryan Linux 1 aber keinen Abbruch tut. Für Anwender, die auf alter Hardware zeitgemäße Programme einsetzen wollen und dabei keinen Wert auf 3D-Spielereien legen, stellt Maryan Linux auf jeden Fall eine gute Wahl dar.

Glossar

E17

Seit einigen Jahren in Entwicklung befindlicher und wegen einiger sehr innovativer Konzepte beliebter Nachfolger des Enlightenment-Fenstermangagers E16. E16 stammt aus dem Jahr 2000 und diente eine Zeit lang als Standard-Fenstermanager von Gnome.

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Kommentare
Wo Maryan Linux downloaden?
Uwe Koch, Dienstag, 23. Dezember 2008 14:36:27
Ein/Ausklappen

Gerne würde ich das Maryan Linux ausprobieren.
Leider finde ich nirgends einen Download Link.

Unter
http://en.maryanlinux.com/content/blogsection/3/18/

bekommt man nur ein
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ohne eine Möglichkeit, sich zu registrieren.

Kann jemand sagen, wie man die Distribution runterladen kann?

Gruß
asys3


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Re: Wo Maryan Linux downloaden?
Irmgard Günther, Donnerstag, 25. Dezember 2008 20:07:10
Ein/Ausklappen

Ich kann unter dem von dir angegebenen Link von jedem Mirror ohne irgendeine Anmeldung runterladen.

mfg Gert


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