Groß und klein

Einen Wave-Editor, der nicht auf den High-End-Bereich abzielt, dafür aber auch bei der Bedienung weniger sperrig ausfällt, gibt es unter Linux ebenfalls: Audacity (Abbildung 9) ist ein alltagstaugliches Komplettpaket, wenn auch ohne Profi-Studioqualitäten.

Abbildung 9: Kein virtuelle Studioumgebung, sondern ein handlicher Wave-Editor: Mit Audacity kommen sie beim Schnitt und kleineren Audioretuschen schneller ans Ziel als mit dem komplexen Ardour.

Die Oberfläche von Audacity kommt allen bekannt vor, die bereits andere Wave-Editoren benutzt haben. Im wesentlichen besteht sie aus einer Track-Anzeige, in der Sie Teilbereiche auswählen und Effekte darauf anwenden. Die wichtigsten bringt die Software, anders als Ardour, gleich eingebaut mit. Dazu zählen unter anderem Echo, Equalizer, Kompressor, Verstärken, Rauschentfernung und Normalisieren.

Dieses Effektrepertoire zeigt die Zielsetzung von Audacity: Es eignet sich gut, um Audiomaterial aufzupolieren. Systemweit installierte LADSPA-Plugins stehen für Ambiente-Effekte wie Hall oder Flanger ebenfalls zu Verfügung. Es stört allerdings, dass die Software sie alphabetisch sortiert in Fünfzehner-Gruppen in unübersichtliche Untermenüs packt. Erst Version 1.3.6 Beta wertet die in den Plugins enthaltene Funktionsgruppen aus und sortiert sie thematisch. Für diese Version ist jedoch im Moment händisches Kompilieren angesagt.

Audacity eignet sich weniger für künstlerische Arbeit, sondern eher für handfeste Aufgaben wie das Optimieren von digitalisierten Schallplattenaufnahmen. Das liegt an seinem linearen Arbeitsprinzip, das jeden Effekt gleich, nicht erst in einem abschließendem Rendering-Schritt auf das Audiomaterial anwendet. Zwar gibt es eine Undo-Funktion; sie kann früher angewandte Effekte nicht aus der Verarbeitungspipeline herausnehmen, ohne die später angewandten zu beeinflussen.

Linux-Konzert

In Sachen Musiksoftware kann Linux heute mit einigen guten Spielern aufwarten: Das übersichtliche LMMS stellt eine kleine, aber voll funktionsfähige Studio-Umgebung mit einheitlicher Oberfläche zur Verfügung. Software-Synthesizer sorgen für den guten Ton. Seit Version 0.4.0 mit SF2-Plugin kommen auch Klassik-Fans damit auf ihre Kosten. LADSPA- und VST-Plugins sorgen für das klangliche Ambiente. Der automatisierbare Mixer erspart das Nachbearbeiten in einem Wave-Editor: Die Software rendert Wave- oder OGG-Dateien, die sich direkt für CD- oder MP3-Player eignen.

Rosegarden wirkt im Vergleich dazu etwas unvollständig: Nach dem Komponieren steht hier noch das Abmischen an – am besten mit Ardour. Im Vergleich zu LMMS entdeckt der ambitionierte Anwender in Rosegarden jedoch viele leistungsfähigere Funktionen, wie intelligente Quantizer oder einen guten Notensatz, die Rosegardens ursprüngliche Herkunft aus dem akademischen Bereich unterstreichen.

Das Wave-Studio Ardour kommt wohl Profi-Programmen am nächsten. Allerdings stehen und fallen seine Fähigkeiten mit den als Plugins zur Verfügung stehenden Effekten. Wer die VST-Plugins aus der Windows-Welt, die Eintrittskarte in den Profi-Bereich, nutzen möchte, muss selbst Hand an den Compiler legen.

Wesentlich handlicher, wenn auch kaum zum Abmischen umfangreicher Kompositionen geeignet, ist der Wave-Editor Audacity. Er eignet sich gut als Recording-Software, solange die Zahl der Tracks begrenzt bleibt. Wer bloß ein paar Aufnahme-Schnipsel schneiden, zusammenfügen oder mit Effekten aufpeppen will, dem erspart Audacity das aufwändige Einarbeiten in Ardour.

[1] Cubase: https://shop.steinberg.net/cgi-bin/pp?lst=L101001

[2] LMMS: http://lmms.sourceforge.net

[3] LMMS-Workshop: Tobias Doerffel, "Heimstudio", LinuxUser 12/2007, S. 72, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/12/072-lmms/

[4] Rosegarden: http://www.rosegardenmusic.com

[5] Rosegarden-Workshop: Eckhard Jokisch, "Virtuelles Studio", LinuxUser 07/2006, S. 58, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/07/058-rosegarden/

[6] Audacity: http://audacity.sourceforge.net

[9] Musik digitalisieren mit Audacity: Erik Bärwaldt, "Von der Platte, los: Fertig!", LinuxUser 09/2007, S. 58, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/09/058-digitalisieren/

[8] Ardour: http://www.ardour.org

[7] Workshop Ardour: David Dasenbrook, "B-Moll in Ardour", LinuxUser 07/2007, S. 55, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/07/054-ardour/

[10] Soundfonts: http://www.hammersound.net

[11] Lillypond: http://lilypond.org

[12] Fluidsynth: http://www.fluidsynth.org

[13] Timidity++: http://timidity.sourceforge.net

[14] DSSI-Synthesizer-Plugins: http://dssi.sourceforge.net

[15] LADSPA-Plugins: http://www.ladspa.org

[16] VST für Ardour: http://ardour.org/building_vst_support

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