Spieluhr-Prinzip

Für Musikstücke, die sich nicht streng an den Takt halten, stellt auch in Rosegarden die Piano-Roll-Ansicht (Abbildung 6) die bessere Wahl dar. Sie sieht in Rosegarden ähnlich aus wie in LMMS. Praktisch ist, dass hier die Balkenfarbe die Anschlagsstärke der Tasten wiedergibt. Dynamische Veränderungen zeichnen Sie wie in LMMS in einem Unterfenster (Abbildung 6, unten) als Kurve mit der Maus. Genau so geht das auch mit einer Reihe weiterer MIDI-Controller, wie Nachhall, Tonhöhe ("Pitch Bend") und Chorus. Die Controller-Fenster hält Rosegarden mit der Piano-Roll respektive der Notenansicht synchron. So sehen Sie, anders als in LMMS, stets genau, welche Stelle im Stück Sie in der Controller-Kurve bearbeiten. Über diese Controller hinaus gibt es in Rosegarden jedoch keine Automation.

Abbildung 6: Die Piano-Roll-Ansicht von Rosegarden steuert Parameter wie die Anschlagstärke. Dazu verwendet es mit der Hauptansicht synchronisierte Unterfenster.

Als auffälligster Unterschied zwischen LMMS und Rosegarden sticht ins Auge, dass LMMS nach einem Klick auf den Menüpunkt Projektexportieren fertige Musikstücke als Wave- oder OGG-Datei ausspuckt. Rosegarden dagegen spielt die Noten eines Stücks nur in Echtzeit über MIDI-Geräte wie Software-Synthesizer (Fluidsynth [12] oder Timidity++ [13]), die MIDI-Soundkarte oder ein an den Rechner angeschlossenes Musikinstrument ab.

Erst neuere Versionen binden DSSI-Synthesizer-Plugins [14] und LADSPA-Effekt-Plugins [15] ein, sodass Rosegarden nach Drücken des Play-Buttons auch ohne Hilfe von außen etwas Hörbares von sich gibt. Rosegarden rendert aber nicht auf Knopfdruck in eine Audiodatei: Dafür müssen Sie das Stück abspielen und aufnehmen.

Automationsexperte

Der leistungsfähigste Linux-Audio-Editor ist zweifelsohne Ardour (Abbildung 7). Seine besondere Stärke liegt in der umfassenden Automationsfunktion: Wirklich jede Veränderung einer Reglerposition, auch die der Plugins, zeichnet das Programm im zeitlichen Verlauf auf. Ardour arbeitet beim Editieren nichtdestruktiv, verändert also das ursprüngliche Audio-Material nicht. Stattdessen wendet das Programm alle Effekte erst beim Abspielen oder Speichern an.

Abbildung 7: Ardour ist ein nichtlineares Soundstudio, mit dem Sie beliebig viele Wave-Tracks abmixen – dank Automation mit im zeitlichen Verlauf wechselnder Intensität.

Der große Vorteil dieses auch nichtlinear genannten Verfahrens: Sie können jeden Bearbeitungsschritt auch dann noch verändern, wenn Sie danach bereits andere ausgeführt haben. Passen Sie etwa nach dem Zufügen von Hall die Lautstärke an, klingt der Hall oft zu opulent. Kein Problem – öffnen Sie einfach den Einstellungsdialog des Hall-Plugins erneut und verändern Sie hier die Einstellung, so dass sie zur erhöhten Lautstärke passt.

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