Fazit

Trotz der starken Präsenz und des professionellen Anspruchs der zwei großen Media-Center-Projekte MythTV und VDR finden sich praxistaugliche und ansprechende Alternativen. Elisa überzeugt sowohl optisch und technisch als auch durch die einfache Konfiguration. Das Fehlen jeglicher Fernsehtechnik und die prägnante, an Apple-Produkte angelehnte Optik erschweren allerdings den Einsatz in manchen Bereichen.

Freevo ist fast schon zu leistungsfähig und fordert durch die vielen Möglichkeiten dem Anwender eine gewisse Einarbeitungszeit ab. Dafür belohnt das System durch eine Vielfalt an Online-Videoquellen, Möglichkeiten zur Fernwarten, ein ausgefeiltes Client-Server-Konzept und viele Erweiterungen.

Geexbox bleibt da deutlich schlichter, lässt sich dafür aber einfacher konfigurieren. Der Ansatz einer individuellen Live-CD haucht nicht nur schwächerer Hardware wieder Leben ein, sondern eröffnet neue Einsatzgebiete wie Embedded-Player oder autarke, selbststartende Videomedien.

Multimedia und die Patente

Zahlreiche Dateien mit Inhalten für den Wohnzimmer-PC liegen in proprietären Formaten vor. Diese Audio- und Video-Formate entstanden meist als Ergebnis von Forschungen von privaten oder halböffentlichen Institutionen, die den Einsatz der Formate eingeschränkt haben.

So setzt zum Beispiel der Gebrauch des MPEG4/H.264-Codecs in den USA das Zahlen einer Lizenzabgabe an den Patentinhaber voraus. Eine freie Implementation des Codecs steht also in einem rechtlich ungewissen Rahmen, wobei glücklicherweise die Rechteinhaber bisher wenig bis kein Interesse hatten, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen. Eine genauere Diskussion zu diesem Thema findet sich im Web [15].

Wegen dieser juristischen Unsicherheit liefern nur wenige Distributoren patentierte Codecs aus. Um sie trotzdem zu nutzen, gilt es, zusätzliche Softwarequellen einzubinden. Im Falle von Ubuntu nutzen Sie das Medibuntu-Repository [16]. Durch die Eingabe von sudo wget http://www.medibuntu.org/sources.list.d/Version.list -output-document=/etc/apt/sources.list.d/medibuntu.list binden Sie es ein, wobei Sie Version durch intrepid respektive für andere Varianten von Ubuntu durch hardy, gutsy oder feisty ersetzen.

Den Befehl quittieren Sie mit der Eingabe des Kennworts. Im Anschluss teilen Sie dem System durch Eingabe von sudo apt-get update && sudo apt-get install medibuntu-keyring && sudo apt-get update mit, dass es Paketen von Medibuntu vertrauen darf. Eventuelle Nachfragen beantworten Sie mit [J]. Nun stehen die freien Multimedia-Codecs zum Einsatz bereit. OpenSuse-Anwender laden einfach den One-Click-Installer herunter, um an diese Codecs zu gelangen [17].

Eine rechtlich sichere Alternative bieten die kommerziellen Codecs von Fluendo ([2],[18]), die zum GStreamer-Framework gehören. Von den hier vorgestellten Anwendungen versteht sich allerdings nur Elisa direkt auf die Software, Freevo ließe sich immerhin daran anpassen. Anwendungen, die auf andere Frameworks setzen, bleiben außen vor. Eine nette Geste Fluendos an die Linux-Community das Bereitstellen eines kostenlosen MP3-Codecs.

Freevo-Konfiguration

Die zu bearbeitende Datei liegt in .freevo/local_conf.py im Ihrem Heimatordner. Sie bearbeiten Sie mit einem beliebigen Texteditor. Falls sie nicht vorhanden ist, legen Sie sie einfach an. Wegen ihres großen Umfangs zeigt dieses Beispiel nur Auszüge. Die Datei sollte zumindest die beiden folgenden Anweisungen enthalten:

§§nonumber
CONFIG_VERSION = 5.24
START_FULLSCREEN_X = 1

Ein einfaches Exempel zeigt, wie Sie Ordner einstellen, die Freevo als Quellen für Filme anbietet. Dazu fügen Sie den folgenden Block an die Datei an, wobei ab der ersten Zeile die anführenden Leerzeichen zu beachten sind:

§§nonumber
VIDEO_ITEMS = [
    ('Kurzfilme', '/daten/kurzfilme'),
    ('Serien', '/daten/serien'), ]

Beim nächsten Start bietet Freevo unter Watch movies die neuen Menüpunkte an.

Übersicht

Feature MythTV Elisa Freevo Geexbox
TV-Programm x - x x
Time-Shift x - x -
TV live aufzeichnen x - x -
TV zeitgesteuert aufzeichnen x - x -
EPG x - x x
Lokale Videos betrachten x x x x
Youtube-Videos x x x -
Audio-Funktionen
Lokale Musik anhören x x x x
iPod-Support - x - -
Webradio-Support x x x x
DAAP-Support - x - -
UPnP-Support - x x x
Weitere Funktionen
Bildbetrachter x x x -
Flickr-Betrachter - x x -
Spiele-Integration x - x -

Glossar

Codecs

Codec steht für Encoder/Decoder und bezeichnet eine Software oder die dazu nötigen Verfahren, um ein bestimmtes Audio- oder Videoformat abzuspielen oder zu schreiben.

UPnP

Ein Standard von Microsoft, der unter anderem das Verwalten von Medien regelt. Wird vom Windows Media Player 11 oder manchen Netzwerkgeräten angeboten.

DAAP

Apples Gegenentwurf zu UPnP, beispielsweise in iTunes angeboten.

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