Schlanke Geexbox

Im Gegensatz zu Elisa und Freevo tritt Geexbox [9] als eigene kleine Linux-Distribution an, die Sie wahlweise von CD, USB-Stick oder der Festplatte starten. Das schlanke System begnügt sich mit einer 32 MByte großen Installationspartition. Auch in anderen Bereichen erweist sich der Ressourcenhunger als gering: Selbst mit einer älteren CPU (ab Pentium-II mit 400 MHz) und Grafikkarte steht dem Videovergnügen nichts im Weg.

Dabei lässt das genügsame Media-Center kaum etwas vermissen: Geexbox unterstützt direkten Fernsehempfang ebenso wie das Abspielen von Audio/Videodateien von der Platte, von CD/DVD und Samba-, NFS-, Shoutcast- und UPnP-Servern. Eine Möglichkeit zum Aufzeichnen von Videos besteht allerdings derzeit noch nicht. Um Geexbox auszuprobieren, brennen Sie das auf der Homepage erhältliche CD-Image auf ein Medium und starten von diesem das System.

Das Projekt hat vor kurzem eine Beta der Version 1.2 herausgebracht; das mit 18 MByte geradezu verschwindend kleine CD-Image ist schnell heruntergeladen. Die Beta unterstützt durch aktuelle Versionen von Kernel und DVB-Subsystem ohne Nacharbeit eine große Palette an Hardware. Die Technotrend-1501-Karte erkannte Geexbox 1.2 beispielsweise ohne manuelles Konfigurieren und lud die korrekte Firmware automatisch. Die letzte stabile Version mit der Nummer 1.1 basiert noch auf älteren Treibern und kam mit der Hardware nicht zurecht.

Das Startmenü bietet die Optionen GeeXboX, GeeXbox mit HDTV oder Festplatteninstallation an. Die Auswahl von HDTV erlaubt dabei größere Auflösungen. Nach kurzer Ladezeit erscheint ein grafisches Menü (Abbildung 5), das auf den ersten Blick dem von Freevo ähnelt. Auch hier gibt es die Auswahl zwischen TV, Video- und Audio-Genuss. Nach dem Start entfernen Sie die Boot-CD aus dem Laufwerk und schaffen so Platz für andere Datenträger.

Abbildung 5: Geexbox erweckt nicht den Eindruck eines 18 MByte kleinen Linux. Die Ähnlichkeit zu Freevo sticht ins Auge.

In der Liste der Installationsziele finden sich auch USB-Speichermedien. Die Installation auf Festplatte reicht in Sachen Komfort nicht an eine aktuelle Ubuntu- oder OpenSuse heran. Planen Sie im Vorfeld etwas freien Plattenplatz ein, denn das Setup bietet keine Möglichkeit, Partitionen zu verkleinern. Gegebenenfalls macht es Sinn, vorher die Live-CD GParted [10] zu starten und eine vorhandene Linux- oder Windows-Partition zu schrumpfen. In der aktuellen Beta klappt zudem die Installation auf Festplatte nicht immer – das Problem wurde im Entwicklungszweig bereits behoben.

Multimedia maßgeschneidert

Auch die Art der Konfiguration unterscheidet sich merklich von der Konkurrenz. Um eine CD mit einer individuellen Konfiguration zu erstellen, laden Sie den Geexbox-Generator (Abbildung 6, [11]) herunter, der unter Linux, Mac OS und Windows funktioniert. Er stellt eine grafische Oberfläche bereit, in dem Sie vom verwendeten Theme über die unterstützte Hardware bis hin zum automatischen Abspielen von beigelegten Video-Dateien alles einstellen.

Abbildung 6: Der Geexbox-Generator erlaubt das Erstellen eines komplett individuellen Images inklusive Netzwerkkonfiguration und Integration von Netzlaufwerken.

Auch Netzwerkparameter legen Sie hier fest. Für ein dezentes Wohnzimmerambiente macht WLAN statt Strippenziehen durchaus Sinn. Der Generator bietet hierfür die Möglichkeit, von ESSID bis WPA2-Schlüssel alles vorab einzugeben. Außerdem erlaubt das Tool die Konfiguration von Samba- und NFS-Netzlaufwerken, die das fertige System später automatisch mountet.

Möchten Sie einen im System befindlichen TV-Adapter verwenden, brennen Sie auch die Datei channels.conf mit auf das Image (siehe Kasten "Kanalliste") . Dafür gibt es keinen eigenen Reiter im Generator-Interface; es genügt, die Datei in den Unterordner iso/GEEXBOX/etc/mplayer abzulegen, bevor Sie das Image erstellen.

Dass die Geexbox- und Freevo-Teams ihre Projekte zusammenlegen wollen, macht durchaus Sinn: Geexbox bedient sich wie ein kleineres Freevo. Die Basisfunktionen für den Multimedia-Genuss funktionierten im Test solide. Dank des leistungsfähigen Generators verhilft das System so nicht nur festplattenlosen Notebooks zu einem zweiten Frühling als stromsparendes Videoterminal, sondern ermöglicht es auch, (fast) hardwareunabhängig Filme oder Musikstücke auf einen Datenträger zu brennen, die nach dem Einlegen automatisch starten.

Kanalliste

Die Konfigurationsdatei channels.conf sagt dem System, welche TV-Kanäle bereitstehen und wie diese heißen. Das MythTV-Setup und auch die VDR-Werkzeuge legen eine solche Datei an. Findet sich in Ihrem System keine, erstellen Sie sie leicht selbst. Für DVB-C und DVB-T geht das am einfachsten mit dem Werkzeug w_scan[12].

Um es zu nutzen, müssen Sie das Archiv nach dem Download lediglich entpacken, brauchen es aber nicht zu übersetzen. Haben Sie die DVB-Treiber geladen, erstellen Sie durch den Aufruf von w_scan -X -E 0 > channels.conf die Kanalliste. Für DVB-C stellen Sie vor das -X noch ein -fc für das richtige Frontend. Ein Sendersuchlauf dauert etwa eine halbe Stunde.

Für DVB-S braucht es etwas mehr Aufwand, da eine Transponder-Tabelle als Basis dient. Diese steht bei Linuxtv.org [13] für den jeweils passenden Satelliten zum Download bereit. Klicken Sie dazu auf die Zahl in der Spalte Rev. und dann auf den Link download. Anschließend übergeben Sie die Liste als Parameter an das Programm Dvbscan. Informationen zum Erstellen und Warten der Datei finden Sie bei VDR-Wiki.de [14].

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