Avant Window Navigator (kurz AWN) ist mehr als ein Panel: Die Software bringt das Look-and-Feel von Mac OS X auf den Linux-Desktop (Abbildung 1). Sie läuft zwar bevorzugt unter Gnome, lässt sich aber auch unter XFCE und KDE betreiben. Das optisch ansprechende Desktop-Gefährt beherrscht zahlreiche Effekte wie etwa drehende oder sich vergrößernde Icons, lässt sich in der Größe verändern und ersetzt wahlweise das vorhandene Panel.

Abbildung 1: Für die Icons auf dem Panel besorgen Sie sich am besten SVG-Grafiken als Symbole für die verschiedenen Anwendungen.

Avant Window Navigator besteht aus zwei Komponenten – dem eigentlichen Panel namens Avant Window Navigator und dem AWN Manager. Letzterer hilft Ihnen dabei, die Software an Ihre Bedürfnisse anzupassen und beispielsweise die Effekte auszusuchen oder die Anordnung der Icons zu fixieren. Ein Blick ins Wiki [1] oder in die FAQ [2] des Projekts erschließt zahlreiche weitere Tricks und Möglichkeiten, um das Panel nach Gutdünken zu konfigurieren.

3D Kickstart

Das Panel spielt aber nur mit, wenn Sie Ihre Grafikkarte mit 3D-Beschleunigung betreiben und die Desktopeffekte aktivieren. Ubuntu erledigt das automatisch – falls nicht, finden sich im UbuntuUsers.de-Wiki [3] Hinweise zum Einrichten der 3D-Beschleunigung. Als OpenSuse-Nutzer schauen Sie unter [4] nach, um zu erfahren, wie Sie den richtigen Treiber für Ihre Grafikkarte installieren.

Danach müssen Sie unter beiden Distributionen die Desktop-Effekte aktivieren. Unter Ubuntu wählen Sie dazu System | Einstellungen | Erscheinungsbild, wechseln dann zum Reiter Visuelle Effekte und wählen den Punkt Normal, um eine dezente Variante der Effekte ins Leben zu rufen.

Unter OpenSuse 11 schalten Sie die Effekte über das Startmenü und den Aufruf von Anwendungen | Dienstprogramme | Desktop | Desktop-Effekte ein. Setzen Sie ein Häkchen bei Enable desktop effects und klicken Sie auf Schließen (Abbildung 2). Dann öffnen Sie eine Konsole und ergänzen mit Root-Rechten die Section "Extensions" in der Datei /etc/X11/xorg.conf um den Eintrag Option "Composite" "on" beziehungsweise verändern den vorhandenen Eintrag von "off" zu "on".

Abbildung 2: Unter Ubuntu und OpenSuse müssen Sie die Desktop-Effekte aktivieren, damit AWN seinen Dienst antritt.

Speichern Sie die Datei und geben Sie init 3 ein, um den X-Server zu beenden. Als root holen Sie dann über init 5 die grafische Oberfläche zurück.

Den Navigator auf Kurs bringen

Funktionieren die Desktopeffekte, sind Sie fast am Ziel. Sie installieren unter Ubuntu über Synaptic die Pakete avant-window-navigator und awn-manager. OpenSuse-Anwender binden über YaST zusätzlich das Packman-Repository ein und installieren die Pakete avant-window-navigator und awn-extras-applets. Wollen Sie Avant Window Navigator unter KDE oder XFCE betreiben, folgt nun eine Überraschung: Der Paketmanager installiert zusätzlich zum Panel noch zahllose Gnome-Abhängigkeiten – Sie sollten also überlegen, ob Sie genug Platz auf der Festplatte haben.

Um AWN zu starten, drücken Sie unter Ubuntu 8.04 und OpenSuse 11 [Alt]+[F2] und geben avant-window-navigator ein. Nach dem Start erscheinen jeweils die Panels aus Abbildung 3 (Ubuntu 8.04) und Abbildung 4 (OpenSuse 11). Unter Ubuntu startet AWN nach dem ersten Aufruf noch nicht automatisch nach jedem Neustart des Desktops. Um das zu erreichen, wählen Sie im Gnome-Startmenü System | Einstellungen | Sitzungen und im Reiter Startprogramme den Knopf Hinzufügen. Im nächsten Dialogfeld geben Sie den Namen des Programms ein, in die Zeile Befehl schreiben Sie avant-window-navigator.

Abbildung 3: Avant Window Navigator direkt nach dem Start unter Ubuntu.
Abbildung 4: Noch segelt der Navigator recht schmucklos auf dem Desktop von OpenSuse 11, also schreiten Sie zur Konfiguration.

AWN managen

Nach dem ersten Start ist vom Navigator noch nicht viel zu sehen, höchstens die Icons laufender Anwendungen tauchen auf. Sie aber wollen eine vollständige Taskleiste, über die Sie die üblichen Programme aufrufen. Kein Problem: Dazu öffnen Sie den Konfigurationsdialog über [Alt]+[F2] und geben awn-manager ein.

Sie sehen nun im rechten Bereich mehrere waagerechte Reiter, links ordnet der Manager übergeordnete Register an. Momentan befinden Sie sich im Register General im Reiter Allgemein. Wechseln Sie zu Launchers und klicken Sie auf Hinzufügen (Abbildung 5). Unter OpenSuse 11 geben Sie zunächst einen Namen und eine Beschreibung (Description) für das Programm an. In die letzte Zeile gehört das Kommando, über das Sie die Software aus der Kommandozeile aufrufen würden, zum Beispiel firefox.

Über den Button links suchen Sie ein Icon für den Starter aus: Hier sollten Sie, wenn möglich, eine Vektorgrafik im SVG-Format wählen. Der Vorteil: Während herkömmliche Icons beim Vergrößern der Fußleiste pixelig und unscharf wirken, wachsen Vektorgrafiken mit ihrer Umgebung. OpenSuse und Ubuntu bringen im Verzeichnis /usr/share/icons bereits einige SVG-Bildchen mit (unter OpenSuse im Ordner Tango), aber nicht für alle Anwendungen finden Sie passende Motive. In diesem Fall suchen Sie im Internet nach SVG-Dateien, entpacken diese in einen lokalen Ordner und klicken dann im Auswahldialog für Bilder auf das Drop-Down-Menü Directory – zumindest in OpenSuse. Unter Ubuntu wählen Sie über einen Klick auf Auswählen einen alternativen Icon-Ordner.

Abbildung 5: Um neue Anwendungen auf dem Panel zu platzieren, rufen Sie den AWN Manager auf und wechseln zum Register "Launchers".

Im nächsten Schritt bestimmen Sie das Aussehen des Panels. Erste Frage: Wollen Sie die Fußleiste permanent im Auge behalten oder soll sie verschwinden, solange Sie sie nicht nutzen? Im zweiten Fall setzen Sie ein Häkchen bei Taskleiste automatisch verstecken: Dann macht sich die Taskleiste unsichtbar, sobald Sie ein Fenster maximieren. Setzen Sie ein Häkchen bei der Option Keep below maximized windows when not in use, verschwindet die Leiste ebenfalls hinter maximierten Fenstern, es sei denn, Sie bewegen die Maus in deren Fußbereich.

Generell gibt es in beiden Fällen ein Problem: AWN ragt in das Vollbild-Fenster hinein, sobald Sie zum Beispiel versehentlich mit dem Mauszeiger zu weit nach unten wandern. Deshalb existiert die Option Maximierte Fenster überlappen die Leiste nicht, die das tut, was sie verspricht – allerdings nur halb. Die Versionen von Ubuntu und OpenSuse zeigen die Icons mitunter frei schwebend an (Abbildung 6). Entweder installieren Sie also eine ganz aktuelle Version von AWN (siehe Abschnitt "Applets und Themes"), oder Sie verzichten auf diese Option.

Abbildung 6: Ein Bug in der mitgelieferten AWN-Version der Distributionen: Die Icons schweben oberhalb des Panels "in der Luft".

Effektvoll

Der AWN Manager verwaltet aber auch das Aussehen der Taskleiste. Über das Dropdownmenü Icon Effects zaubern Sie verschiedene Effekte für die Präsentation der Icons aus dem Hut: Wählen Sie classic, hüpfen diese langsam auf und ab. Fällt die Wahl auf 3D Spotlight Turn, drehen sich die Icons im Licht eines virtuellen Scheinwerfers – fast schon zu viel des Guten. Im Reiter Beschriftung bestimmen Sie die Schrift, die erscheint, sobald Sie ein Icon mit der Maus berühren. Sie ändern zudem die Farbe des Schattens, die Größe der Schrift und so weiter.

Spannender wird's im Reiter Taskleisten Design: Setzen Sie den Look auf 3D look, verändert sich nach dem Neustart des Navigators das Aussehen der Leiste, ihre Farbe und der Rahmen. Weiterhin bestimmen Sie über ein Häkchen, ob AWN Trennstriche zwischen Startern und Fenstern anzeigt. Wahlweise verändern Sie auch die Höhe des Panels und den Schrägheitsgrad der Seitenlinien. Zwei Reiter bleiben übrig: Über Glass Engine bestimmen Sie die Färbung des AWN-Menüs sowie dessen Deckkraft, über Muster Engine verzieren Sie das Panel mit einem Bild.

Applets und Themes

Applets und Themes machen die Software noch attraktiver. Zu den Icons, über die Sie Programme aufrufen, gesellen sich Applets, die – wie im Gnome-Panel auch – spezifische Aufgaben erledigen. Über einen Knopf verbinden Sie sich etwa per Mausklick mit Last.fm, ein weiterer bringt eine transparente Konsole auf den Bildschirm und ein dritter erweckt ein optisch ansprechendes Startmenü zum Leben, um nur einige zu nennen.

Um diese Erweiterungen von Avant Window Navigator zu nutzen, benötigen Sie ein zusätzliches Paket namens avant-window-navigator-extras. Das hat es erst mit Ubuntu 8.10 in das offizielle Software-Repository geschafft. OpenSuse bringt das Paket zwar mit, die Applets versagten im Test allerdings.

Um eine aktuelle Version mit Applets und weniger Fehlern zu verwenden, binden Ubuntu-Nutzer über die Extra-Repositories eine zusätzliche externe Paketquelle [5] ein und installieren die neueste Entwicklerversion (trunk) des Avant Window Navigator. Die alten Pakete müssen Sie dazu allerdings entfernen und die Konfiguration löschen (siehe Kasten "Konfiguration wieder löschen"). Über das Register Applets im AWN Manager bringen Sie die kleinen Helfer auf Trab.

Nutzer von OpenSuse 11 übersetzen den Quellcode, um an eine aktuelle Version zu kommen. Instruktionen zum Kompilieren und Informationen zu Abhängigkeiten liefert die AWN-Extras-Webseite [6]. Sie müssen dabei zwischen der etwas stabileren Release- und der aktuelleren Development-Variante wählen.

Konfiguration wieder löschen

Um eine aktuelle Panel-Version zu installieren, müssen Sie die alte AWN-Konfiguration löschen, sonst gibt es ein Kuddelmuddel. Dazu rufen Sie eine Konsole auf und geben zunächst rm -fdR ~/.config/awn ein. Anschließend entfernen Sie die Gnome-Konfigurationseinstellungen über den Befehl gconftool-2 --recursive-unset /apps/avant-window-navigator. Die neue AWN-Version startet nun ohne Altlasten.

Schöner wohnen

Unter [7] finden Sie zudem verschiedene Themes von AWN. Speichern Sie diese als TGZ-Archive in einem lokalen Ordner und rufen Sie dann den AWN Manager auf. Im Register Themes klicken Sie auf Hinzufügen, wählen im Dateisystem das TGZ-Archiv und klicken auf OK. AWN meldet die erfolgreiche Installation des Themes und zeigt es im Themes-Register (Abbildung 7). Wählen Sie das gewünschte Gewand per Mausklick, über Anwenden probieren Sie es an.

Abbildung 7: Die Themes lassen sich als Archive herunterladen und dann direkt in AWN anwenden.

Fazit

AWN bringt neuen Glanz auf den alten Desktop. Die Software hat zwar noch Macken, aber mit denen lässt sich leben. Ubuntu-Anwender können aber auch ohne große Umstände die ausgefeiltere Variante mit Applets aus dem externen Repository nutzen. OpenSuse-Anwender müssen sich etwas Zeit nehmen und die aktuelle Version selbst übersetzen.

Infos

[1] AWN Wiki: http://wiki.awn-project.org/

[2] AWN FAQ: http://wiki.awn-project.org/FAQ

[3] 3D-Beschleunigung unter Ubuntu: http://wiki.ubuntuusers.de/Grafikkarten

[4] 3D-Grafikkartentreiber unter OpenSuse: http://de.opensuse.org/Kategorie:Treiber

[5] Extras-Repository für Ubuntu: https://launchpad.net/~awn-testing/+archive

[6] AWN aus den Quellen übersetzen: http://wiki.awn-project.org/Awn_Extras:Installation#Building_From_Source

[7] Themes für AWN: http://wiki.awn-project.org/Themes

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