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Schau und fühle

Plasma und KDE-4-Effekte optimal nutzen

01.12.2008
KDE 4 kann die Vorgängerversion noch nicht in allen Belangen komplett ersetzen. In einem Bereich hat die alte Desktop-Umgebung aber klar das Nachsehen: Beim Look & Feel.

Arbeit und Spaß müssen sich nicht zwingend ausschließen. Wer seine Desktop-Umgebung komplett selbst gestalten und damit spielerisch umgehen kann, dem fällt das Arbeiten leichter und der Fun-Faktor steigt. KDE 4 hat die dazu nötigen Mittel bereits mit an Bord.

Desktop-Effekte

Die beliebtesten von Compiz-Fusion bekannten Effekte haben die KDE-Entwickler gleich in KDE 4 selbst eingebaut. Wer auf einem Würfel zur nächsten Arbeitsfläche wechseln (Abbildung 1) oder den von iTunes bekannten Effekt zum Blättern zwischen den einzelnen Fenstern benutzen will (Abbildung 2), braucht dazu lediglich 3D-Unterstützung – Compiz-Fusion zu installieren, kann man sich sparen.

Abbildung 1: Seit Version 4.1 bringt KDE von Haus aus einen Würfel-Effekt mit, Compiz benötigen Sie dazu nicht.
Abbildung 2: Bei Apple abgeschaut: Einer von drei Fensterwechsel-Effekten für Alt+ Tab .

Die Desktop-Effekte sind in der Grundeinstellung ausgeschaltet, Sie müssen sie zunächst in den KDE-Systemeinstellungen aktivieren. Dazu öffnen Sie das neue KDE-Kontrollzentrum über [Alt]+[F2] und die Eingabe des Befehls systemsettings. Hier wählen Sie Erscheinungsbild & Verhalten | Arbeitsfläche. Im neuen Dialog (Abbildung 3) markieren Sie auf dem Reiter Allgemein die Checkbox Arbeitsflächeneffekte aktivieren.

Abbildung 3: Die meisten KDE-4-Effekte sind sofort aktiv, wenn Sie ganz oben die Checkbox aktivieren.

Im Unterschied zum Compiz Config Settings Manager bietet das KDE-Kontrollzentrum zwei Reiter mit unterschiedlichen Einstellungsmöglichkeiten an. Die meisten Nutzer sind vermutlich schon zufrieden, wenn sie unter Allgemeine Effekte den gewünschten Effekt für den Fensterwechsel und den Arbeitsflächenumschalter auswählen. Über die Einstellungen 3D-Fenstergalerie und Desktop Cube erhält man bereits einen sehr effektiven KDE-4-Desktop.

Genügt Ihnen aber das Drehen und Flippen noch nicht, dann wechseln Sie auf den Reiter Alle Effekte und schaltet hier nach Belieben einzelne Eye-Candies ein oder aus, wie etwa die schwabbelnden Fenster (Wabernde Fenster). Achten Sie dabei darauf, dass sich einzelne Effekte gegenseitig ausschließen: So können Sie zwar unter Fensterverwaltung die Einträge für 3D-Fenstergalerie und 3D-Fensterstapel ankreuzen, aktiv ist aber jeweils nur der zuletzt ausgewählte Effekt. Die Punkte unter Fensterverwaltung überschneiden sich zudem mit den Einstellungen auf dem Reiter Allgemein. Haben Sie dort als Effect for desktop switching den Würfel ausgewählt, können Sie zwar hier den Desktop Cylinder oder die Desktop Sphere auswählen – aktiv bleibt aber der Cube, bis Sie diesen abwählen.

Die von Mac OS X bekannte Exposé-Funktion ist bei eingeschalteten Desktopeffekten bereits aktiv. Sie starten den Effekt Fenster zeigen, indem Sie den Mauszeiger in die obere linke Bildschirmecke bewegen. Über die Tastatur schalten Sie den Effekt mit [Strg]+[F9] (aktuelle Arbeitsfläche) oder [Strg]+[F10] (alle Desktops) ein. Um eine Übersicht über sämtliche Arbeitsflächen zu erhalten, aktivieren Sie den Effekt Arbeitsflächen-Raster und drücken [Strg]+[F8] (Abbildung 4). Zurück zum aktiven Fenster respektive zur aktiven Arbeitsfläche bringt Sie jeweils die Eingabetaste.

Abbildung 4: Über Strg+ F8 behalten Sie alle Arbeitsflächen im Blick.

Maus oder Keyboard

Für die meisten Effekte existieren in den Systemeinstellungen bereits voreingestellte Tastenkombinationen. Welche das sind, verrät ein Klick auf das Icon mit dem Schraubenschlüssel. Hier passen Sie den Hotkey nach Bedarf an. Einige Effekte lassen sich auch über den Mauszeiger aktivieren. Dazu bietet die Plasma-Oberfläche acht Punkte an: die vier Bildschirmecken und jeweils die Mitte des Bildschirms an allen vier Rändern.

Soll KDE 4 zum Beispiel den Desktop-Cube aktivieren, sobald Sie den Mauszeiger in die obere Bildschirmmitte bewegen, klicken Sie hinter dem Effekt Desktop Cube auf das Schraubenschlüssel-Symbol und wählen unter Activation | Screen edge den Eintrag oben. Nach Klicks auf OK und Anwenden schieben Sie den Mauszeiger ganz nach oben, und KDE startet den Würfel.

KDE 4 hat aber noch mehr zu bieten als bloßen Augenschmaus. Je nach gewählten Farbeinstellungen und Beleuchtung fällt es manchmal schwer, den Mauszeiger auf dem Bildschirm zu finden. Bei aktivierten Desktopeffekten drücken Sie hier einfach [Strg]+[Win], und schon zeigt Ihnen ein Ring von rotierenden Sternen die aktuelle Mauszeigerposition an.

Plasmoiden

Das Herzstück des neuen KDE-Desktops heißt Plasma [1]. Es offeriert außer den Desktopeffekten einen besonderen Layer (das Dashboard) für Miniprogramme (die so genannten Plasmoiden oder Widgets). Je nach Distribution, KDE-Version und Setup zeigt der Standard-Desktop von KDE 4 einfach einen leeren Desktop an. Um die Leere zu füllen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich der Arbeitsfläche und wählen Miniprogramme hinzufügen. Wer lieber mit der Tastatur arbeitet, drückt [Strg]+[A].

Um eines der Miniprogramme auf dem Desktop abzulegen, klicken Sie entweder doppelt auf den gewünschten Eintrag oder markieren das Widget und klicken auf Miniprogramm hinzufügen. Das neue Plasmoid erscheint in der Grundeinstellung im oberen linken Bildschirmbereich. Haben Sie mehrere Widgets auf einmal hinzugefügt, liegen diese zunächst übereinander, und Sie müssen die Miniprogramme aussortieren. Hier wäre eine gezielte Anordnung wie bei den Programmfenstern hilfreich. Genügt Ihnen die Auswahl der vorhandenen Miniprogramme nicht, finden Sie im Internet weitere.

Zur Installation eines Miniprogramms bietet KDE 4 zwei verschiedene Wege an. Klicken Sie unten links auf den Button Neue Miniprogramme installieren, dann haben Sie die Auswahl zwischen Installation aus Datei und Aus dem Internet herunterladen. In den Tests mit KDE 4.1.2 stand über das Internet ein einziges Plasmoid zur Auswahl.

Die Informationen holt sich KDE von der KDE-Look-Seite [2]. Hier finden Sie über 50 Plasma-Applets zum Download. Die meisten Miniprogramme liegen allerdings nur im Quellcode vor, für die Installation benötigen Sie deshalb die KDE-Entwicklungspakete. Unter OpenSuse installieren Sie dazu das Schema KDE-Entwicklung in YaST, Ubuntu-Benutzer benötigen neben build-essential die Pakete libplasma-dev und libkde4-dev. Je nach Plasmoid entstehen noch weitere Abhängigkeiten zu Devel-Paketen.

Im Quellcode rufen Sie dann cmake -DCMAKE_INSTALL_PREFIX=`$KDEDIR` gefolgt von make und sudo make install auf. Je nach Distribution müssen sie das Miniprogramm von Hand an die passende Stelle kopieren. Unter OpenSuse liegen die Plasmoiden unter /usr/lib/kde4, die Beschreibungsdateien finden Sie unter /usr/share/kde4/services. Wie Sie eigene Plasmoiden programmieren, lesen Sie in einem Artikel in LinuxUser 10/2008 [3].

In Zukunft sollen möglichst viele Applets als Plasma-Paket vorliegen. Diese fügen Sie per Neue Miniprogramme installieren | Aus Datei installieren hinzu. Im Import-Dialog haben Sie die Auswahl zwischen Plasmoid:Echtes Plasma-Miniprogramm und Dashboard: MacOS X Dashboard-Miniprogramm . Bevor Sie sich nun auf die Suche nach Mac-OS-X-Miniprogrammen machen, hier der obligate Hinweis, dass mit KDE 4.1.2 eigentlich keine Dashboard-Applets wirklich funktionieren: In den meisten Fällen zeigt KDE 4 zwar eine Grafik an, die mit dem Applet verknüpfte Funktionalität fehlt hingegen. Mangels passender Plasmoid-Paketen bietet dieser Menüpunkt deshalb vorläufig nur eine Vorschau auf kommende Funktionen.

Möchten Sie ein Plasmoid auf dem Panel ablegen, klicken Sie auf das Plasma-Symbol am rechten Ende der KDE-Kontrollleiste und wählen Miniprogramme hinzufügen. Wer mit Plasma nicht glücklich ist und lieber mit dem von KDE 3 her gewohnten Desktop arbeitet, findet im Kasten "Weniger Plasma, bitte!" nützliche Tipps.

Weniger Plasma, bitte!

Die KDE-Entwickler haben in Version 4.1 auch an die Nutzer gedacht, die sich so an die KDE-3-Oberfläche gewöhnt habe, dass sie Plasma am liebsten gar nicht nutzen möchten. Soll sich der KDE-4-Desktop wie bei KDE 3 verhalten, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Desktop und wählen Arbeitsflächen-Einstellungen. Im neuen Dialog stellen Sie ganz zu oberst unter Desktop Activity den Typ auf Ordner-Ansicht und bestätigen mit OK.

Klicken Sie bei dieser Einstellung mit der rechten Maustaste auf den Desktop, erscheint ein Kontextmenü zum Desktop, um zum Beispiel neue Ordner zu erstellen oder die Symbole anzuordnen. Neue Widgets richten Sie in diesem Modus nur über das Plasma-Menü in der rechten oberen Bildschirmecke ein. Über das Plasma-Menü kehren Sie auch zur Standardoberfläche zurück, falls Sie es sich doch anders überlegt haben. Wählen Sie dazu den Eintrag Ordner-Ansicht einrichten.

Stört Sie lediglich das Plasma-Symbol in der rechten oberen Bildschirmecke, weil Sie dort zum Beispiel ein Applet ablegen möchten, wählen Sie als Desktop-Typ den Eintrag Arbeitsfläche (desktop without toolbox).

Kleider wechseln

Black ist bekanntlich beautiful, ein zu dunkler Desktop erhöht jedoch die Bedienfreundlichkeit nicht unbedingt. Behagt Ihnen das Standard-Oxygen-Theme von KDE 4 nicht (Abbildung 5), wählen Sie einfach ein anderes.

Abbildung 5: Das Standard-Plasma-Theme Oxygen sieht zwar sehr edel aus, die Elemente sind aber etwas dunkel.

Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich des Desktops und wählen Sie Arbeitsflächen-Einstellungen. Im neuen Dialog wählen Sie über die Ausklappliste unter Arbeitsflächen-Design ein neues Theme aus. Die Vorschau hilft Ihnen bei der Auswahl. Findet sich in der Liste der vorhandenen Themes kein passendes Design, klicken Sie auf Neues Design. KDE 4 lädt dann eine Liste der auf KDE-Look.org vorhandenen Plasma Themes herunter, und Sie können diese per Knopfdruck installieren. Im Unterschied zu den Plasmoids klappt dieser Vorgang bei den Themes ausgezeichnet. Hellere Themes sind zum Beispiel Ozon Grey, White Glass oder Glassified (Abbildung 6).

Abbildung 6: Im Kontrast zum dunklen Hintergrundbild bringt das Plasma-Theme Glassified helle Elemente mit.

Die meisten Plasma-Elemente sind transparent. Erscheint Ihnen der Desktop zu hell oder zu dunkel, ändern Sie am einfachsten das Hintergrundbild. Auch diese Einstellung finden Sie per Rechtsklick auf den Plasma-Desktop unter Arbeitsflächen-Einstellungen | Hintergrundbild. Die Farben für Programmfenster und Menüeinträge ändern Sie nach wie vor im KDE-Kontrollzentrum unter Erscheinungsbild.

Fazit

Über Themes, Plasmoiden und Desktop-Effekte bietet die KDE-4-Arbeitsumgebung dem Nutzer zahlreiche Möglichkeiten, seinen Desktop individuell und spannend zu gestalten. Die Vorteile gegenüber dem klassischen Setup mit KDE 3 und Compiz liegen auf der Hand: KDE 4 braucht kein Compiz. Auch wenn die Installation von Plasmoiden unter der aktuellen Version 4.1.2 noch diverse Probleme bereitet, macht der Desktop deutlich mehr Spaß als noch unter KDE 3.

Infos

[1] Plasma und die Plasmoiden: Sebastian Kügler, "Plasmische Chirurgie", LinuxUser 09/2008, S. 82, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/09/082/

[2] KDE-Look: http://www.kde-look.org

[3] Plasmoiden programmieren: Sebastian Kügler, "Bastelstunde für Fortgeschrittene", LinuxUser 10/2008, S. 74, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/10/074/

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