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Rausch-Gift

Bilder unter Linux entrauschen

29.11.2008
Wirken die Bilder Ihres letzten Urlaubs matschig und unstrukturiert? Wahrscheinlich hat Ihre Kamera bei der Rauschentfernung etwas übertrieben. Besser, Sie erledigen das zukünftig selbst.

Als Rauschen bezeichnet man allgemein die Überlagerung des Nutzsignals mit einer unerwünschten Störung. Das betrifft alle Arten von Signalträgern, wie Musik und Video oder eben Bildaufnahmen. Bei Digitalbildern gibt es prinzipbedingt mehrere Quellen des Rauschens, der Kasten "Rauschen von Bildsensoren" gibt darüber Auskunft.

Das Rauschen steigt speziell bei hoher Empfindlichkeit und großer Pixeldichte dramatisch an, also bei kleineren Sensorelementen. Dementsprechend steuern Sie hier schon bei der Aufnahme entgegen, indem Sie eine möglichst niedrige ISO-Einstellung verwenden. Reicht das Licht dafür nicht aus, verwenden Sie ein Stativ oder eine Unterlage, um längere Belichtungszeiten zu ermöglichen.

Sinnvoller ist es natürlich, bereits beim Kamerakauf diese Problematik zu berücksichtigen. Die billige Lösung: Ersteigern Sie bei eBay eine 3- bis 5-Megapixel-Kamera. Die tatsächlich notwendige Pixelanzahl überschätzen viele Hobbyfotografen maßlos, denn selbst für Bilder im Format 30 x 40 cm genügen im Grunde drei Megapixel: Man betrachtet diese Bilder üblicherweise nicht aus nächster Nähe, beim Ausdruck genügt eine vergleichsweise niedrigere Auflösung. Außerdem lösen auch die Objektive, etwa von 12-Megapixel-Kompaktkameras, nicht höher auf als die von 5-Megapixel-Kameras.

Die teurere Lösung sind digitale Spiegelreflexkameras, die im Vergleich zu Kompakt- und Bridge-Kameras einen um den Faktor 10-12 größeren Bildsensor besitzen, womit sich das Rauschen erst bei wesentlich höheren höheren Empfindlichkeitseinstellungen störend auswirkt.

Rauschen von Bildsensoren

Sensoren auf Basis von CCDs (Charge coupled device) und CMOS (Complementary metal oxide semiconductor) wandeln Licht in elektrische Signale um. Wegen der geringen Größe der Sensorelemente muss dabei ein Verstärker die sehr kleinen elektrischen Ladungen erhöhen, die das auftreffende Licht in den Elementen erzeugt. Je kleiner das Sensorelement, desto schwieriger geringer fällt der Unterschied zwischen einer echten Ladung – also einem Signal – und zufälligen Ladungen etwa durch thermische Prozesse aus. Verwendet der Fotograf darüber hinaus hohe Bildempfindlichkeiten, fällt noch weniger Licht auf die Sensoren.

Letztlich führt das Verfahren dazu, dass die ausgelesenen Pixelwerte "zufällige" Wertverschiebungen enthalten. In digitalen Bildern erscheinen diese Fehler insbesondere als Farbrauschen. Ein anderes Rauschmuster erzeugen defekte Sensorelemente: Sie liefern konstant schwarze oder weiße Pixel, weshalb diese Störung auch Salt-and-Pepper-Rauschen heißt.

Software oder Kamera?

Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, müssen Sie sich zwischen zwei Alternativen entscheiden: Entweder Sie überlassen die Rauschreduzierung der Kamera, oder Sie steuern sie selbst. Da die Kameras teilweise sehr aggressiv entrauschen und dabei fast aquarellartige Bilder produzieren, fahren Sie ohne die Rauschreduzierung der Kamera in der Regel besser. Allerdings ermöglichen nicht alle Digicams das völlige Abschalten der Rauschreduzierung, die meisten aber immerhin eine Verminderung dieser Funktion.

Ob Kamera oder PC-Software: Wie der Kasten "Techniken zum Entrauschen" erläutert, funktioniert alle Verfahren praktisch nur per Weichzeichnung. Jeder Algorithmus führt also zu unschärferen Bildern und dem Verlust feiner Details. Wenn allerdings feine Strukturen wegen des Rauschens gar nicht vorhanden sind, lohnt sich die Mühe auf alle Fälle.

Die folgenden Abschnitte stellen eine Reihe von Programmen zur Rauschreduzierung vor. Hier finden Sie einerseits alte Bekannte wie Gimp und Imagemagick, andererseits aber auch auch professionelle Tools, die nicht einer Open-Source-Lizenz unterliegen.

Techniken zum Entrauschen

Das Rezept für die Rauschreduzierung ist im Grunde einfach: Man ersetzt die falschen Pixel durch die richtigen, also etwa störende rote und grüne Pixel in einem blauen Himmel durch entsprechende blaue. Entrauschungsalgorithmen betrachten dazu die Umgebung eines Pixels und gleichen den Wert des gerade bearbeiteten Pixels an die "richtigen" Werte der Umgebungspixel an.

Eine Technik hierzu heißt Median-Filter. Er ordnet die Werte der Nachbarpixel der Größe nach und pickt sich den Bildpunkt heraus, der in der Mitte der Rangskala liegt. Dieses Verfahren arbeitet sehr effizient beim sogenannten Salt-and-Pepper-Noise, also einzelnen extrem aus der Reihe fallenden Pixeln.

Beim vorherrschendem Rauschen in digitalen Bildern hilft allerdings der Median-Filter nicht weiter. Hier muss ein Algorithmus die Pixelwerte mitteln, um nützliche Ergebnisse zu erhalten. Auch hier heißen die mathematischen Funktionen Filter. Ein bekannter Vertreter ist der Gaußsche Weichzeichnungsfilter, der die Gewichtung vom Zentrum ausgehend verringert.

Eine Alternative heißt Binning (von englisch "bin", Tonne). Dieser spezielle Verkleinerungsfilter mittelt jeweils vier Pixel und macht eines daraus. Bei Aufnahmen mit den heutigen 10-Megapixel-Kameras bleiben trotzdem noch genug Pixel für einen ordentlichen Ausdruck übrig.

Ohne Pixelverlust arbeitet dagegen die Weichzeichnung. Sie ersetzt ein Pixel durch einen gewichteten Durchschnitt seiner Umgebung. Da der blaue Himmel des Beispiels überwiegend blaue Pixel enthält, ergibt das Weichzeichnen als Ergebnis einen deutlich homogeneren blauen Himmel – die roten und grünen Pixel, die das Rauschen ausmachten, sind verschwunden.

Betrachter empfinden allerdings Glattheit und Unregelmäßigkeit je nach Oberfläche unterschiedlich. Ein Himmel mit Struktur wirkt künstlich, ein gleichbleibend einfarbig blauer Himmel allerdings ebenso. Glatte und unstrukturierte menschliche Haut wirkt wächsern. Bei Stoffen nimmt der Betrachter aus der Ferne einen Verzicht auf Struktur in Kauf; aus der Nähe gesehen weiß er aber, das Stoffe eine solche besitzen. Aus diesen Gründen müssen Sie abhängig vom Motiv beim Weichzeichnen immer die Balance zwischen Glattheit auf der einen Seite und Strukturverlust auf der anderen halten. Um hier feiner zu dosieren, gibt es eine Reihe von Tricks.

Ein Verfahren mischt dabei das Originalbild mit dem weichgezeichneten Bild, bei Gimp zum Beispiel über den Ebenendialog. Der Vorteil dabei: Sie dürfen beim Entrauschen übertreiben, da die Struktur auf der anderen Ebene vorhanden bleibt und wieder hinzugemischt wird. Eine Verfeinerung dieser Methode verwendet Masken. Hierbei legt ein Graustufenbild als Maske fest, wie das Mischungsverhältnis aussieht. Schwarze Stellen der Maske verwenden nur das Originalbild, weiße Stellen die entrauschte Variante. Bei Grauwerten liegt das Mischungsverhältnis dazwischen. Dieses Verfahren führt deshalb oft zu einem besseren Ergebnis, da das Rauschen in den dunkleren Bildpartien meist stärker und störender erscheint als in den hellen Bereichen. Mit dieser Maske entrauschen Sie dann gezielt diese dunkleren Bildteile.

Manche Techniken gehen noch einen Schritt weiter und versuchen durch intelligente Bildanalyse beziehungsweise durch Informationen über typische Rauschstrukturen die echten Strukturen in den Bildern von den verrauschten Flächen zu trennen. Diese Tools wenden die Weichzeichnungsalgorithmen nur selektiv auf einzelne Flächen an. Ein anderer Ansatz beschränkt das Entrauschen auf einen bestimmten Farbraum. Statt die Pixel in Rot-Grün-Blau-Tripeln zu kodieren, trennt der so genannte Lab-Farbraum die Helligkeit (L-Kanal, von Luminanz) vollständig von der Farbinformation in den A- und B-Kanälen. Zeichnet ein Algorithmus daher nur diese Kanäle weich, sollte er die Schärfe aus dem L-Kanal erhalten.

Im normalen Bearbeitungsablauf von Digitalbildern steht am Ende vor dem Druck das Schärfen der Bilder. Das Schärfen kann allerdings den Effekt der Weichzeichnung wieder aufheben. Bei stark verrauschten Bildern müssen Sie also nicht nur fein dosiert weichzeichnen, sondern auch noch vorsichtig nachschärfen.

Gimp

Gimp bietet nativ verschiedene Methoden, um Bilder weichzuzeichnen und damit zu entrauschen. Sie sollten alle Methoden nur auf einer Ebenenkopie anwenden. Dazu öffnen Sie über Dialoge | Ebenen oder [Strg]+ [L] den Ebenendialog und duplizieren darin die Ebene mit [Umschalt]+ [Strg]+ [D] . Die Beschriftung der Ebene ändern Sie durch einen Doppelklick darauf.

Der Trick mit der Ebenenkopie erlaubt es, über den Regler Deckkraft das Original mit dem entrauschten Bild zu mischen. Außerdem besitzen Sie nach wie vor das unveränderte Original. Eine Alternative zum Rauschentfernen erreichen Sie im Menü unter Filter | Verbessern | Flecken entfernen.... (Abbildung 1). Der Filter dient eigentlich zum Entfernen einzelner Fehler wie Staubkörner oder Moiré-Muster im Bild, eignet sich aber auch recht gut zum Entrauschen. Die Schwellwerte sollten Sie allerdings nahe Null beziehungsweise 256 belassen.

Abbildung 1: Der eigentliche Einsatzzweck des Gimp-Filters Flecken entfernen ist zwar, einzelne Bildfehler zu korrigieren, er eignet sich aber auch zum Vermindern des Bildrauschens.

Eine bessere Alternative bietet der gaußsche Weichzeichner, den Sie über Filter | Weichzeichnen | Selektiver Gaußscher Weichzeichner... öffnen (Abbildung 2). Damit Strukturen erhalten bleiben, versucht dieser Filter, Kanten zu erkennen und diese nicht weichzuzeichnen.

Abbildung 2: Der Gaußsche Weichzeichner versucht durch eine Kantendetektion die Strukturen des Bildes beim Entfernen des Bildrauschens zu erhalten.

Mit der Einstellung des Radius sollten Sie jedoch vorsichtig umgehen. Bereits die Grundeinstellung von 5 erweist sich oft schon als zu hoch. Die Feinabstimmung bei diesem Filter erledigen Sie wie oben beschrieben über die Ebenendeckkraft.

Gimp-Plugins

Die Plugins Wavelet-Denoise sowie Greystoration erweisen sich als nützliche Helfer beim Entrauschen von Bildern. Beide erhalten Sie über die Gimp-Registry [1] , das Wavelet-Denoise-Plugin allerdings nur im Quellcode. Für die Installation müssen Sie das Gimp-Entwicklerpaket (zum Beispiel gim24-devel bei OpenSuse) installieren. Danach entpacken Sie das heruntergeladene Quellpaket und starten die Installation mit der Eingabe von gimptool-2.0 --install wavelet-denoise.c im Quellverzeichnis. Der Befehl kompiliert den Quellcode und kopiert das Plugin in den Ordner ~/.gimp-2.4/plug-ins. Zum Installieren des Greycstoration-Plugins genügt es, dieses ins oben genannte Verzeichnis zu kopieren.

Das Wavelet-Plugin zeichnet die einzelnen Kanäle getrennt weich und lässt Ihnen dabei die Wahl zwischen den Farbmodellen RGB oder YCbCr. Die CbCr-Kanäle enthalten die Farbinformation und damit auch das Farbrauschen. Hier dürfen Sie vergleichsweise aggressiv weichzeichnen, indem Sie den Regler Amount auf einen hohen und den Regler Detail auf einen niedrigen Wert einstellen. Das Modul arbeitet ausreichend schnell und führt zu ansprechenden Ergebnissen. Allerdings fallen diese im Vergleich mit dem selektiven Weichzeichner nicht unbedingt so viel besser aus, dass sich die Mühe der Installation tatsächlich lohnt.

Greycstoration

Das Tool Greycstoration [2] entstand als Ergebnis einer Forschungsarbeit zum Thema Rauschbereinigungsverfahren. Es nutzt sehr ausgefeilte Algorithmen, steht unter einer freien Lizenz und ist sowohl als Kommandozeilentool als auch als Gimp-Plugin erhältlich. Auch der Fotoeditor aus dem Digikam-Paket nutzt es.

Trotz seiner vielen Optionen haben die Entwickler Greycstoration (Abbildung 3) nur mangelhaft dokumentiert. Darüber hinaus arbeitet es extrem langsam, weshalb das Ausprobieren verschiedener Varianten zur Geduldsprobe ausartet. Am besten eignet sich noch das Gimp-Plugin, da es in einem kleinen Vorschaufenster den Effekt vor dem zeitraubenden Anwenden anzeigt.

Abbildung 3: Das Greycstoration-Plugin für Gimp leistet zwar gute Arbeit, jedoch fällt aber durch extrem lange Verarbeitungszeiten aus dem Rahmen.

Letztlich ergibt sich bei Gimps selektivem Gaußschen Weichzeichner das beste Verhältnis von Aufwand und Ergebnis. Sind Sie bereit, die relativ komplizierte Installation des Wavelet-Plugins in Kauf zu nehmen, dann sollten Sie es vor allem für Motive verwenden, die feine Details gemischt mit flächigen, verrauschten Bereichen enthalten.

Imagemagick

Vor allem zur Stapelverarbeitung von Bildern eignet sich der Kommandozeilen-Werkzeugkasten Imagemagick bestens. Dessen Tool Convert verfügt über verschiedene Operatoren zum Entrauschen:

$ convert i.tif -despeckle o.tif
$ convert i.tif -noise 3 o.tif
$ convert i.tif -adaptive-blur 0x1 o.tif

Von den genannten Operatoren erweist sich adaptive-blur als völlig ungeeignet: Anders als in der Dokumentation beschrieben zeichnet er das Bild nicht weich, sondern schärft es. Der noise-Operator eignet sich eher zum Entfernen defekter Pixel. Mit despeckle dagegen erhalten Sie recht gute Resultate. In ein Skript verpackt, wenden Sie die Filter auf einfache Weise auf ganze Verzeichnisse an.

Auch Imagemagick erlaubt es, das Originalbild mit der entrauschten Variante zu mischen. Der Befehl

$ composite -blend 80% weich.tif original.tif ergebnis.tif

mischt 80 Prozent des weichgezeichneten mit 20 Prozent des originalen Bilds. Wollen Sie nur die dunkelsten 40 Prozent des Bilds entrauschen, dann müssen Sie tiefer in die Imagemagick-Zauberkiste greifen. Das Script aus Listing 1 erzeugt dafür einmal die entrauschte Version (Zeile 13), sowie zusätzlich aus dem Originalbild eine Graustufenversion als Maske (Zeilen 14 bis 18). Die Zeilen 15 und 16 reduzieren die Maske auf reines Schwarz-Weiß; die abschließende Negation sorgt dafür, dass die ursprünglich dunklen Stellen im Bild weiß, also durchlässig sind. Zuletzt legt die Zeile 19 die bearbeitete Version entsprechend maskiert auf das Original und gibt das Ergebnis in die Datei out.png aus. Die auskommentierte Zeile 20 sorgt mit etwas Bash-Voodoo dafür, dass die Ausgabedatei ähnlich heißt und im selben Verzeichnis wie die Originaldatei liegt.

Listing 1
#!/bin/bash
usage() {
  echo "Gebrauch: $0 bild"
  exit 1
}
image="${1}"
[ -z "$1" ] && usage
convert -monitor "$image" \
  \( -clone 0 -despeckle \) \
  \( -clone 0 -colorspace gray \
  -black-threshold 40% \
  -white-threshold 40% \
  -negate \
  \) \
-compose Over -composite "out.png"
# -compose Over -composite "${image%.*}-despeckle-mask.${image##*.}"

Ähnlich funktioniert das Skript im-edge, das Sie auf der Heft-DVD im Verzeichnis LinuxUser/entrauschen/ zusammen mit den anderen Skripten finden. Die hier erzeugte Maske schützt nur die Kanten (der -edge-Operator erzeugt eine Kantenmaske), damit mehr Schärfe des Bilds erhalten bleibt.

Wenn auch nicht ganz trivial zu bedienen, gibt Ihnen Imagemagick ein mächtiges Werkzeug an die Hand, um immer wiederkehrende Aufgaben skriptgesteuert zu erledigen. Auch das im Kasten "Techniken zum Entrauschen" erwähnte Lab-Verfahren beherrscht Imagemagick.

Ufraw

Das RAW-Konvertierungsprogramm Ufraw [3] erlaubt das Bildentrauschen per Wavelet-Algorithmus. Die Stärke steuern Sie über den Schieber Threshold (Abbildung 4). Das Entrauschen setzt sehr früh in der Umwandlung der Rohdaten an und lässt sich deswegen nicht direkt mit dem Wavelet-Plugin für Gimp vergleichen.

Abbildung 4: Der RAW-Konverter Ufraw arbeitet ebenfalls mit einem Wavelet-Algorithmus – dieser besitzt jedoch nur eine Einstellmöglichkeit.

Insgesamt geht der Algorithmus sehr schonend zu Werk, weswegen Sie hohe Werte von 20 bis 50 für den Threshold durchaus vernünftig erscheinen. Allerdings erlaubt die GUI von Ufraw keine Skalierung des Bilds auf 100 Prozent, weshalb sich der Weichzeichnungseffekt erst nach erfolgtem Umwandeln bewerten lässt. Das Programm besitzt einen Batch-Modus, mit dem Sie ganze Bilderserien auf einfache Weise mit den selben Einstellungen bearbeiten.

Kommerzielle Alternativen

Sind Sie bereit, auch kostenpflichtige Closed-Source Programme zu nutzen, erweitern sich die Möglichkeiten um einige hochwertige Programmen – wenn auch teils über den Umweg Wine. Die folgenden Abschnitte beleuchten die Marktführer und Herausforderer.

Noise Ninja

Die professionelle Lösung Noise Ninja [4] für die Bereinigung von Rauschen gilt gemeinhin als die beste verfügbare Anwendung. Der Hersteller stellt eine native, auf Qt basierende, Linux-Version zur Verfügung. Noise Ninja arbeitet mit sogenannten Noise-Profiles, die der Hersteller auf seiner Homepage frei zum Download bereitstellt. Sie beschreiben je nach Kamera und ISO-Einstellungen das Rauschverhalten.

Mit dem passenden Noise-Profil gestaltet sich das Verarbeiten sehr einfach. Die Anwendung sucht gemäß der Exif-Daten das passende Profil, und ein Mausklick bereinigt das Bild (Abbildung 5). Die Trial-Version von Noise Ninja überzieht das gespeicherte Bild mit einem Gitter, und so lässt sich die Software erst nach dem Lizenzieren nutzen. In Sachen Handhabung und Qualität ist Noise Ninja allerdings ungeschlagen.

Abbildung 5: Das kommerzielle Rauschunterdrückungsprogramm Noise Ninja überzeugt mit den besten Resultaten aller Teilnehmer.

Die Cross-Plattform-Lizenz erlaubt es, Noise Ninja auf drei Rechnern (zu Hause, im Büro, auf dem Laptop) zu installieren, solange Sie sicherstellen, dass nicht zwei Personen die Software gleichzeitig nutzen. Wer Photoshop unter Linux mit Wine nutzt, der darf in den Bundle-Versionen auch gleichzeitig die native Linux-Version und das PS-Plugin nutzen.

Die verschiedenen Versionen (Home, Home-Bundle, Pro, Pro-Bundle) unterscheiden sich in der Funktionalität und im Preis (siehe Tabelle "Programmübersicht"). Bundle-Versionen arbeiten als Photoshop-Plugin, die Pro-Versionen sind batchfähig und verarbeiten Bilder im 16-Bit Modus.

Picture Cooler

Die Windows-Shareware Picture Cooler [5] verwenden Sie unter Linux mit Wine. Die freie Version erlaubt allerdings nur das Speichern von Bildern in einer niedrigen JPEG-Qualitätsstufe. In der Bedienung gibt sich das Programm etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch kann man alle Bedienelemente gut erreichen. Die Resultate fallen sehr gut aus, der Preis von umgerechnet rund 13 Euro lässt sich verschmerzen. Picture Cooler hat damit das beste Preis/Leistungs-Verhältnis aller kommerziellen Produkte.

Neatimage

Der Windows-Software Neatimage ([6]) eilt ebenfalls ein sehr guter Ruf voraus. Das Programm läuft mit Wine auch problemlos auf Linux. Die kostenfreie Demo-Version speichert die Bilder allerdings nur mit fest eingestellter Qualität als JPG. Die Software verwendet analog zu Noise Ninja Rauschprofile. Alternativ wählen Sie per Maus einen hinreichend homogenen Bereich aus und starten danach die automatische Profilierung.

Wer nur gelegentlich Bilder entrauscht und mit den Einschränkungen der kostenlosen Version leben kann, der hat mit Neatimage eine einfach zu bedienende Software, die gute Resultate liefert. Diese Software gibt es in den Versionen Home, Home+, Pro und Pro+. Sie unterscheiden sich wie Noise Ninja im Plugin-Support, der unterstützten Farbtiefe und der Batchfähigkeit.

Pureimage

Auch Pureimage [7] läuft unter Wine. Es lässt sich sehr einfach bedienen, hat eine gute Vorschau (Abbildung 6) und liefert akzeptable Resultate. Die Trial-Version schreibt den Text Adjusted with Trial Version of PureImage ins Bild, ansonsten läuft sie ohne Einschränkungen. Den lästigen Text entfernen Sie am einfachsten, indem Sie vor der Anwendung mit mogrify -border 50 bild.tif einen Rahmen hinzufügen und diesen danach mit mogrify -shave 50x50 bild.tif wieder entfernen.

Abbildung 6: Zwar fehlt Pureimage eine Stapelverarbeitung, dafür enthält es aber diverse zusätzliche Konfigurationselemente, etwa zum Anpassen der Belichtung und der Farbe.

Pureimage ist zwar nicht batchfähig, bringt aber dafür eine Reihe anderer Funktionen für die schnelle Bildbearbeitung mit – beispielsweise Änderungen der Belichtung und Farben oder Zuschneiden. Außerdem verarbeitet Pureimage abgesehen von Ufraw als einziges Produkt im Test auch RAW-Dateien. Dies macht das Programm für all jene interessant, die möglichst wenige Tools in ihrem Workflow nutzen wollen.

Fazit

Dem Linux-Nutzer stehen viele Optionen offen, seine Bilder zu verbessern. Eine Übersicht aller untersuchten Werkzeuge finden Sie in der Tabelle "Programmübersicht". Die verfügbaren Tools unterscheiden sich in der Bildqualität nur wenig. In Sachen Bedienung und Qualität führt Noise Ninja mit seiner nativen Linux-Oberfläche. Im Open-Source-Lager spielen Gimp und Imagemagick ihre Stärken aus. Gimp stellt besonders dann die Software der Wahl dar, wenn man nur einzelne Bilder verbessert. Für die Massenumwandlung sind Imagemagick-Skripte kaum zu schlagen.

Programmübersicht

Programm Lizenz Preis von Preis bis Qualität Bedienung Batch Installation Demo (Nutzen)
Gimp (Selektiver Weichzeichner) frei X X X
Gimp (Wavelet-Plugin) frei X X ~
Gimp (Greycstoration-Plugin) frei X/~ ~ X
Imagemagick frei X X XX X
Greystoration frei X/~ ~ XX X/~
Ufraw frei X X XX X
Noise Ninja kommerziell 22,00 Euro 50,32 Euro XX XX X X ja (~~)
Picture Cooler kommerziell 12,59 Euro XX X/~ X X ja (~)
Neatimage kommerziell 19,90 Euro 54,90 Euro XX X X X ja (X)
Pureimage kommerziell 22,03 Euro X X ~ X ja (~ bzw. XX)

Der Autor

Bernhard Bablok betreut bei der Allianz Shared Infrastructure Services ein großes Data Warehouse mit Performance-Messdaten von Mainframes bis zu Servern. Wenn er nicht Musik hört oder mit dem Rad respektive zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux und Objektorientierung. Sie erreichen ihn unter mail@bablokb.de.

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