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Nouvelle Kuisine

Mandriva Linux 2009

29.11.2008 Mandriva Linux 2009 glänzt wie die Vorgänger durch hohe Benutzerfreundlichkeit und bietet neben zahlreichen Neuerungen auch Weiterentwicklungen altbewährter Werkzeuge.

Mandriva bietet seine Distribution in vier Varianten an: die (optional installierbare) Live-CD "One" die es in KDE- und GNOME-Ausführung gibt, die reine Open-Source-DVD "Free Edition" sowie das kommerzielle "Powerpack". Zwar eignet sich die "One"-CD gut für einen ersten Einblick in Mandriva Linux, lässt aber viel nützliche Software vermissen. Eine vollständige Installation, die kaum Wünsche offen lässt, erreichen Sie mit der "Free Edition", die sowohl für 32- als auch für 64-Bit-PCs zur Verfügung steht.

Zur Ausstattung der "Free Edition" zählt neben den topaktuellen Oberflächen KDE 4.1.2 und Gnome 2.44 auch der neue Kernel 2.6.27-rc8. Daneben haben die Entwickler auch die Anwenderprogramme auf den jeweils aktuellsten Stand gebracht: So finden Sie unter anderem Firefox 3.0.3, OpenOffice 3.0-rc2 und Gimp 2.6 vor. Die beiden großen Pakete (Kernel und OpenOffice), die es nur als RC in die fertige Version geschafft haben, bringt Mandriva über Updates nachträglich auf finalen Stand. Die Drak-Tools, also die Mandriva-eigenen Verwaltungs- und Konfigurationswerkzeuge, und der Installer wurden sowohl optisch als auch auch funktionell erweitert.

TIPP

Die Probleme des Kernels 2.6.27 mit Gigabit-Netzwerkkarten von Intel und dem Modul e1000e umgeht der Mandriva-Kernel 2.6.27-rc8 durch einen Patch. Der finalen Kernel 2.6.27 behebt die Schwierigkeiten komplett.

Die Installation

Die Installation von Mandriva Linux kann so automatisch, aber auch so individuell ablaufen, wie es Ihren Kenntnissen und Bedürfnissen entspricht. Die Hardware-Unterstützung wurde erneut erweitert und verbessert, speziell in den Bereichen Grafik, WLAN und Bluetooth. Im deutschsprachigen Mandriva-Wiki [1] finden Sie eine detaillierte Installationsanleitung, einige Besonderheiten seien aber hier erwähnt.

Das Installationsprogramm erkennt den Datenträger automatisch als Installationsquelle, erlaubt jedoch daneben auch, weiter Paketquellen zu benennen, wie eine weitere DVD, eine Partition der Festplatte oder auch eine Internetadresse. Im letzterem Fall folgt unmittelbar das Einrichten der Netzwerkverbindung, sodass dieser Schritt später entfällt. Zur Partitionierung der Festplatte offeriert der Installer unter anderem eine Routine, die eine bestehende Windows-Partition verkleinert und auf dem entstehenden Platz Mandriva Linux einrichtet. In den meisten Fällen kommt aber wohl die Option zur benutzerdefinierten Partitionierung zum Zug, mit der Sie die Festplatte nach Ihren individuellen Anforderungen einteilen.

Als grafische Umgebung bietet der Installer KDE und Gnome an, die er bei Anwahl samt einer passenden Auswahl typischer Softwarepakete einspielt. Alternativ richten Sie über die Option Benutzerdefiniert ein maßgeschneidertes System ein. Dazu binden Sie am einfachsten verschiedene Softwaregruppen wie beispielsweise Server, Desktop oder Entwicklung ein oder wählen sie ab. Zusätzlich können Sie auch eine Individuelle Paketauswahl treffen, bei der Sie auch andere grafische Oberflächen (XFCE, Windowmaker, Icewm u.a.m.) zur Vorgabe machen. Nach der Installation der Pakete erfolgt die Einrichtung verschiedener Komponenten, wie des Netzwerkzuganges, des Root-Passworts und eines Benutzers.

Am Ende der Installation erscheint eine Zusammenfassung aller Konfigurationseinstellungen, die sich bei Bedarf noch einmal ändern lassen. Desgleichen finden Sie eine Liste aller installierten Systemdienste. Zudem stellen Sie hier eine Sicherheitsstufe ein, die Mandriva als Hoch vorgibt, was für ein normales Desktopsystem mit Internetzugang etwas zu rigoros ist. Setzen Sie die Einstellung besser auf Standard und richten Sie im gleichen Bereich eine interaktive Firewall ein.

Haben Sie alle Einstellungen kontrolliert, schließt ein Klick auf Weiter die Installation ab. Optional spielen Sie gleich noch vorhandene Aktualisierungen aus den Mandriva-Softwarequellen ein, sodass anschließend ein aktuelles System bootet.

KDE 4

Nach dem Systemstart begrüßt Mandriva Linux in einem grafisch sehr ansprechend zusammengestellten Design mit der neuen KDE-4-Oberfläche (Abbildung 1). Auf deren Desktop lassen sich Verknüpfungen und Ordner nicht mehr direkt anlegen, sondern nur als Plasmoid bezeichnete Miniprogramme. Ein solches Plasmoid [2] zeigt auf dem Mandriva-Desktop den Inhalt des Desktop-Verzeichnisses an. Es fehlt hier jedoch die Möglichkeit, Symbole nach eigenen Wünschen anzuordnen – diese Möglichkeit wird erst KDE 4.2 implementieren.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der aufgeräumte KDE-4.1.2-Desktop von Mandriva 2009 zeigt über ein Plasmoid den Inhalt des Desktop-Verzeichnisses an.

TIPP

Mandriva 2009 bringt zwar auf der DVD nur KDE 4.1.2 mit, KDE 3.5.10 lässt sich aber problemlos aus den Mandriva-Quellen nachinstallieren. Dazu spielen Sie über die Meta-Pakete der Softwareverwaltung das Paket task-kde3 ein.

Auch beim Einbinden externer Speichermedien wie USB-Sticks, CDs und DVDs fällt KDE durch gewisse Eigenwilligkeiten auf: Das System bietet hier als einzige Option das Öffnen des Datenträgers im neuen Dateimanager Dolphin an, das aus KDE 3 bekannte Popup mit mehreren Auswahlmöglichkeiten soll erst in der Version 4.2 wiederkehren.

Beim Startmenü hat Mandriva als Standard das traditionelle KDE-Menü beibehalten, per Mausklick stellen Sie aber auf das neue Kickoff-Menü um. Das gefällt zwar durch ein peppigeres Aussehen, das man aber mit Defiziten in der Bedienung erkauft: So fehlt darin die gewohnte durchgängige Mouse-Over-Bedienung des klassischen KDE-Menüs. Eine mögliche Alternative für Programmaufrufe offeriert der Starter Lancelot: Das Plasmoid realisiert ein Kickoff-ähnliches Startmenü auf dem Desktop. Daneben gibt es auch weiterhin die klassische Tastenkombination [Alt]+ [F2] , jedoch mit einer Vervollständigungsfunktion und etwas graphischem Glitter versehen.

Systemverwaltung

Nach wie vor fasst das Mandriva-Kontrollzentrum zentral die bekannten Drak-Tools zusammen (Abbildung 2). Grafisch aufgewertet, bringt es nun auch einige Neuigkeiten mit, wie etwa weitreichendere Funktionen zur Kindersicherung oder eine Weiterentwicklung von Draksnapshot, mit dem man einen Schnappschuss des Systems sichert.

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Mandriva-Kontrollzentrum fasst die Systemverwaltungsprogramme übersichtlich zusammen.

Beim Einrichten der Softwarequellen müssen Sie sich nicht mehr wie bisher für einen bestimmten Spiegelserver entscheiden. Stattdessen verweist Mandriva jetzt auf eine Liste dieser Server, aus der das System bei jeder Aktion einen sowohl geografisch als auch von der Erreichbarkeit und Aktualität her geeigneten Server aussucht. Wer einen "Lieblingsserver" hat, kann aber auch das Einrichten der Quellen umgehen und diesen über das Webtool Smarturpmi [3] vorgeben. Nach dem Einrichten der Quellen mit den entsprechenden Update-Zweigen steht Mandriva Update zur Verfügung. Es prüft die Repositories regelmäßig auf verfügbare Aktualisierungen und macht durch einen Farbwechsel des entsprechenden Symbols im Systemtray auf anstehende Updates aufmerksam, die sich dann per Mausklick installieren lassen.

Proprietäre Grafikkartentreiber zum Aktivieren der 3D-Beschleunigung des Grafikchips bringt die Free Edition nicht mit. Sie richten diese aber problemlos über das entsprechende Werkzeug im Mandriva-Kontrollzentrum ein. Dazu rufen Sie nach dem Einrichten der Softwarequellen das X-Server-Konfigurationswerkzeug auf, das die Treiber nach einer Abfrage automatisch installiert.

Das bisherige Werkzeug zum Einrichten von Druckern, Printerdrake, haben die Entwickler gegen das von Fedora übernommene system-config-printer ausgetauscht. Im Test lief das Einrichten eines HP-Multifunktionsgeräts wie gewohnt völlig automatisch ab, auch die Installation der Scanner-Software vergaß das Tool nicht. Der Drucker stand auch im Netzwerk sofort zur Verfügung – eine wirklich gelungene Funktion.

Runde Ausstattung

Für Internet, Office und Multimedia bringt Mandriva 2009 eine große Anzahl von Anwendungen mit. Als Standardbrowser dient Mozilla Firefox in der Version 3.0.3, die üblichen Plugins wie Adobe Reader und Flashplayer lassen sich mit ein paar Klicks von der Adobe-Website installieren. Als Alternative zu Adobe Reader bringt KDE 4 den Dokumentbetrachter Okular mit, der eine bessere Darstellung als Kpdf oder Xpdf bietet. Fürs Büro liefert Mandriva auf der DVD einen Release Candidate von OpenOffice 3.0 (Abbildung 3), die finale Version steht via Update zur Verfügung.

Abbildung 3

Abbildung 3: Mandriva 2009 fürs Büro: OpenOffice 3.0 und der KDE-Dokumentbetrachter Okular im Einsatz.

In Sachen Multimedia hat Mandriva sehr gute Arbeit geleistet: Das Abspielen von Inhalten mit Amarok, Totem, Kaffeine und anderen Multimedia-Anwendungen verläuft im Allgemeinen gut bis einwandfrei. Es gibt aber auch ein paar Schwächen, die in erster Linie auf fehlende oder nicht funktionierende Eigenschaften von KDE zurückzuführen sind. So mussten wir im Test etwa das Backend des Soundsystems auf Phonon-Xine umstellen (Mandriva setzt standardmäßig auf Gstreamer), ehe Kscd zum Abspielen einer Audio-CD bereit war. Die nötigen Plugins mit den Codecs für Video und Audio bringt die Free Edition nicht mit, Sie müssen sie aus dem non-free-Zweig der Mandriva-Quellen nachinstallieren.

Zur Grafik- und Bildbearbeitung dienen bewährte Anwendungen wie Inkscape, Gimp und Digikam (Abbildung 4). Das Schnittprogramm Kino übernimmt Filme von einer Videokamera und stellt Werkzeuge zum Bearbeiten zur Verfügung. Als Highlights der Mandriva Free Edition auf dem Multimedia-Sektor brillieren aber unzweifelhaft das Linux Multimedia Studio [4] zur Musik-Produktion und das Elisa Media Center [5].

Abbildung 4

Abbildung 4: Kein Problem für Mandriva 2009: Audio-Streaming mit Amarok und Fotoverwaltung mit Showfoto.

Als Virtualisierungslösung liefert Mandriva die inzwischen sehr beliebte Virtualbox in der Open Source Edition (OSE) mit. Zur Installation wählen Sie in der Paketverwaltung das Paket virtualbox an. Das Anlegen von Gastsystemen fällt dank der GUI sehr leicht. Als Gast zeigt sich Mandriva Linux ebenfalls von seiner angenehmsten Seite, da sich die benötigten Treibermodule sowie die Guest Additions, die erweiterte Funktionen bieten, auch über die Paketverwaltung installieren lassen. Die Live-CD Mandriva "One" liefert diese sogar von vornherein mit.

Netbooks sind der Boom dieses Jahres, und auch Mandriva hat sich mit der Version 2009 um diesen Trend gekümmert. So steht beispielsweise mit dem GTK-basierten LXDE ein Desktop speziell für diese Geräte zur Verfügung, der sich aber auch für ältere und weniger leistungsfähige Hardware eignet.

Verfügbarkeit, Support

Ein Manko der französischen Distribution war und bleibt der Support in deutscher Sprache. Es gibt für die Version 2009 kein deutschsprachiges Handbuch mehr, eine spezielle Version für den deutschen Markt (wie beispielsweise das Pro-Pack der Version 2007) plant der Hersteller wohl ebenfalls nicht. Die kommerziellen internationalen Editionen erhalten Sie entweder über den Mandriva-Store [6] oder über deutsche Versender wie Linuxland [7] und Ixsoft [8].

Als Anlaufstelle in englischer Sprache stellt das zentrale Mandriva Forum [9] die erste Wahl dar, eine gute deutschsprachige Benutzer-Community finden Sie bei MandrivaUser.de [10]. Die wichtigsten Dokumentationen sowie die Errata zur Distribution lesen Sie im deutschsprachigen Wiki von Mandriva [1] sowie bei MandrivaUser.de nach.

Fazit

Mandriva Linux 2009 ist eine schlüssige Fortsetzung der Vorversionen. Zwar bringt KDE 4 zweifelsohne Schwachstellen und kleine Ärgernisse mit sich, die aber fast ausschließlich der unfertigen Entwicklungsstand des Desktops verursacht und die entsprechende Updates sukzessive ausräumen dürften. Für Benutzer anderer Desktopoberflächen stellt sich die Distribution durchaus als rundherum gelungen dar.

Infos

[1] Deutsches Mandriva-Wiki: http://wiki.mandriva.com/de/Hauptseite

[2] Einführung in KDE 4: Sebastian Kügler, "Plasmische Chirurgie", LinuxUser 09/2008, S. 82, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/09/082/

[3] Smarturpmi: http://www.mandrivauser.de/smarturpmi

[4] LMMS: Tobias Doerffel, "Heimstudio", LinuxUser 12/2007, S. 72, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/09/072-lmms/

[5] Elisa Media Center: Karsten Reich, "Unvollkommen", LinuxUser 08/2008, S.68, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/08/068/

[6] Mandriva Store: http://store.mandriva.com

[7] Linuxland: http://www.linuxland.de/software/desktop/mandrake/

[8] Ixsoft: http://www.ixsoft.de/cgi-bin/web_store.cgi

[9] Mandriva-Forum (en.): http://forum.mandriva.com

[10] MandrivaUser.de: http://www.mandrivauser.de

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