Mandriva bietet seine Distribution in vier Varianten an: die (optional installierbare) Live-CD "One" die es in KDE- und GNOME-Ausführung gibt, die reine Open-Source-DVD "Free Edition" sowie das kommerzielle "Powerpack". Zwar eignet sich die "One"-CD gut für einen ersten Einblick in Mandriva Linux, lässt aber viel nützliche Software vermissen. Eine vollständige Installation, die kaum Wünsche offen lässt, erreichen Sie mit der "Free Edition", die sowohl für 32- als auch für 64-Bit-PCs zur Verfügung steht.
Zur Ausstattung der "Free Edition" zählt neben den topaktuellen Oberflächen KDE 4.1.2 und Gnome 2.44 auch der neue Kernel 2.6.27-rc8. Daneben haben die Entwickler auch die Anwenderprogramme auf den jeweils aktuellsten Stand gebracht: So finden Sie unter anderem Firefox 3.0.3, OpenOffice 3.0-rc2 und Gimp 2.6 vor. Die beiden großen Pakete (Kernel und OpenOffice), die es nur als RC in die fertige Version geschafft haben, bringt Mandriva über Updates nachträglich auf finalen Stand. Die Drak-Tools, also die Mandriva-eigenen Verwaltungs- und Konfigurationswerkzeuge, und der Installer wurden sowohl optisch als auch auch funktionell erweitert.
TIPP
Die Probleme des Kernels 2.6.27 mit Gigabit-Netzwerkkarten von Intel und dem Modul e1000e umgeht der Mandriva-Kernel 2.6.27-rc8 durch einen Patch. Der finalen Kernel 2.6.27 behebt die Schwierigkeiten komplett.
Die Installation
Die Installation von Mandriva Linux kann so automatisch, aber auch so individuell ablaufen, wie es Ihren Kenntnissen und Bedürfnissen entspricht. Die Hardware-Unterstützung wurde erneut erweitert und verbessert, speziell in den Bereichen Grafik, WLAN und Bluetooth. Im deutschsprachigen Mandriva-Wiki [1] finden Sie eine detaillierte Installationsanleitung, einige Besonderheiten seien aber hier erwähnt.
Das Installationsprogramm erkennt den Datenträger automatisch als Installationsquelle, erlaubt jedoch daneben auch, weiter Paketquellen zu benennen, wie eine weitere DVD, eine Partition der Festplatte oder auch eine Internetadresse. Im letzterem Fall folgt unmittelbar das Einrichten der Netzwerkverbindung, sodass dieser Schritt später entfällt. Zur Partitionierung der Festplatte offeriert der Installer unter anderem eine Routine, die eine bestehende Windows-Partition verkleinert und auf dem entstehenden Platz Mandriva Linux einrichtet. In den meisten Fällen kommt aber wohl die Option zur benutzerdefinierten Partitionierung zum Zug, mit der Sie die Festplatte nach Ihren individuellen Anforderungen einteilen.
Als grafische Umgebung bietet der Installer KDE und Gnome an, die er bei Anwahl samt einer passenden Auswahl typischer Softwarepakete einspielt. Alternativ richten Sie über die Option Benutzerdefiniert ein maßgeschneidertes System ein. Dazu binden Sie am einfachsten verschiedene Softwaregruppen wie beispielsweise Server, Desktop oder Entwicklung ein oder wählen sie ab. Zusätzlich können Sie auch eine Individuelle Paketauswahl treffen, bei der Sie auch andere grafische Oberflächen (XFCE, Windowmaker, Icewm u.a.m.) zur Vorgabe machen. Nach der Installation der Pakete erfolgt die Einrichtung verschiedener Komponenten, wie des Netzwerkzuganges, des Root-Passworts und eines Benutzers.
Am Ende der Installation erscheint eine Zusammenfassung aller Konfigurationseinstellungen, die sich bei Bedarf noch einmal ändern lassen. Desgleichen finden Sie eine Liste aller installierten Systemdienste. Zudem stellen Sie hier eine Sicherheitsstufe ein, die Mandriva als Hoch vorgibt, was für ein normales Desktopsystem mit Internetzugang etwas zu rigoros ist. Setzen Sie die Einstellung besser auf Standard und richten Sie im gleichen Bereich eine interaktive Firewall ein.
Haben Sie alle Einstellungen kontrolliert, schließt ein Klick auf Weiter die Installation ab. Optional spielen Sie gleich noch vorhandene Aktualisierungen aus den Mandriva-Softwarequellen ein, sodass anschließend ein aktuelles System bootet.
KDE 4
Nach dem Systemstart begrüßt Mandriva Linux in einem grafisch sehr ansprechend zusammengestellten Design mit der neuen KDE-4-Oberfläche (Abbildung 1). Auf deren Desktop lassen sich Verknüpfungen und Ordner nicht mehr direkt anlegen, sondern nur als Plasmoid bezeichnete Miniprogramme. Ein solches Plasmoid [2] zeigt auf dem Mandriva-Desktop den Inhalt des Desktop-Verzeichnisses an. Es fehlt hier jedoch die Möglichkeit, Symbole nach eigenen Wünschen anzuordnen – diese Möglichkeit wird erst KDE 4.2 implementieren.
TIPP
Mandriva 2009 bringt zwar auf der DVD nur KDE 4.1.2 mit, KDE 3.5.10 lässt sich aber problemlos aus den Mandriva-Quellen nachinstallieren. Dazu spielen Sie über die Meta-Pakete der Softwareverwaltung das Paket task-kde3 ein.
Auch beim Einbinden externer Speichermedien wie USB-Sticks, CDs und DVDs fällt KDE durch gewisse Eigenwilligkeiten auf: Das System bietet hier als einzige Option das Öffnen des Datenträgers im neuen Dateimanager Dolphin an, das aus KDE 3 bekannte Popup mit mehreren Auswahlmöglichkeiten soll erst in der Version 4.2 wiederkehren.
Beim Startmenü hat Mandriva als Standard das traditionelle KDE-Menü beibehalten, per Mausklick stellen Sie aber auf das neue Kickoff-Menü um. Das gefällt zwar durch ein peppigeres Aussehen, das man aber mit Defiziten in der Bedienung erkauft: So fehlt darin die gewohnte durchgängige Mouse-Over-Bedienung des klassischen KDE-Menüs. Eine mögliche Alternative für Programmaufrufe offeriert der Starter Lancelot: Das Plasmoid realisiert ein Kickoff-ähnliches Startmenü auf dem Desktop. Daneben gibt es auch weiterhin die klassische Tastenkombination [Alt]+ [F2] , jedoch mit einer Vervollständigungsfunktion und etwas graphischem Glitter versehen.



