Mehr als vier Wochen nach dem geplanten Termin war es endlich soweit: Die Entwickler von OpenOffice.org [1] stellten das Release 3.0 der Bürosuite zum Download bereit. Bereits am Tag der Bekanntgabe wurde die neue Version über eine Million Mal heruntergeladen – und das, obwohl das Projekt bereits im Vorfeld bekannt gegeben hatte, dass sich die Verbesserungen im überschaubaren Rahmen halten.
Runderneuert
Tatsächlich: Wer von OpenOffice 3.0 viel Neues erwartet, der wird enttäuscht: Obwohl es sich um ein Major-Release handelt, erkennt man als Anwender auf den ersten Blick kaum Änderungen zum Vorgänger (Abbildung 1).
Wer bereits Erfahrungen mit OpenOffice 2.4 gesammelt hat, hat beim Umstieg auf die neue Version keinerlei Probleme, da sich beide auch in der Benutzerführung kaum unterscheiden. Immerhin erhielt der Writer am unteren Fensterrand einen Schieberegler, mit dem Sie die Anzeige der Dokumente stufenlos in der Größe verändern. Ein Klick auf die Blattsymbole links daneben gestattet es Ihnen, die Seiten eines Dokuments nebeneinander darzustellen (Abbildung 2). Warum die Entwickler diese überaus nützlichen Features allerdings nicht gleich auch in andere Anwendungen wie Calc oder Impress implementierten, bleibt unklar. Florian Effenberger, der Pressesprecher von OpenOffice.org, meint dazu, dass dazu die Zeit nicht mehr ausgereicht habe.
Als weitere Neuerung spendierten die Entwickler dem Writer eine bessere Notizfunktion, die Anmerkungen jetzt rechts neben dem Dokument anzeigt und nicht wie bisher als kleines gelbes Quadrat im Text. Das Tabellenkalkulationsprogramm Calc bietet in der neuen Version bis zu 1024 Spalten pro Tabellenblatt; der Vorgänger konnte lediglich 256 davon verwalten.
Die weit wichtigeren Veränderungen fanden jedoch hinter den Kulissen statt. So hilft beispielsweise ein Importfilter, MS-Office-2007-Dokumente zu öffnen. Auch Support für den künftigen ISO-Standard ODF 1.2 ist bereits fest implementiert.
Erweitert
Als Grund für die spärliche Anzahl neuer Funktionen nennt OpenOffice.org einen Strategiewechsel: Neue Features will man in erster Linie als Module zur Verfügung stellen, um das Basissystem schlank und übersichtlich zu halten. Nicht nur die Herangehensweise erinnert an die von Mozilla, auch der Extension-Manager (Abbildung 3) sieht dem des Addon-Managers von Firefox sehr ähnlich.
Bislang bietet OpenOffice.org auf der Extensions-Webseite [2] etwa 190 Erweiterungen zum Download an. Eine Auswahl besonders nützlicher Funktionsbausteine finden Sie zusammen mit OpenOffice 3.0 auf der Heft-DVD.
Im Performance-Vergleich zu OpenOffice 2.4 zeigt der Newcomer keine Schwächen, aber auch keine Stärken. Die Ladezeit der Komponenten lag bei 5 bis 15 Sekunden und damit beinahe auf die Sekunde genau auf dem Level der Vorgängerversion. In beiden Fällen dauerte das erstmalige Öffnen von OpenOffice wesentlich länger als bei den nachfolgenden Aufrufen. Auch beim Speicherverbrauch von etwa 65 MByte lagen OOo 2.4 und 3.0 auf gleichem Niveau.
TIPP
Das auf der Heft-DVD enthaltene Video ooo-erweiterungen.ogg erklärt zum einen den Extension-Manager und zeigt zum anderen das PDF-Import-Modul im praktischen Einsatz.



