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Handbremse lösen, durchstarten!

DVDs konvertieren mit GUI

01.12.2008 Mit dem Konsolen-Tool Handbrake überspielen Sie die Filme einer DVD auf die Festplatte. Seit kurzem bringt die Software eine praktische grafische Oberfläche mit.

Handbrake gilt zwar als beliebtes Tool, um unter Linux Filme von DVDs auszulesen, sie zu verkleinern und in ein anderes Format umzuwandeln. Im praktischen Umgang erweist sich die Software aber als etwas umständlich, da Sie diese vornehmlich über die Kommandozeile bedienen müssen. Weniger bekannt ist, dass Handbrake eine eigene – wenn auch nur englischsprachige – GUI mitbringt (Abbildung 1), über die Sie schnell und bequem DVD-Inhalte nach AVI, MP4 oder in andere Formate wandeln. Verwirrend: Es gibt eine Handbrake-GUI, die mal Rippedwire und mal HandbrakeGTK [1] heißt. Sie gehört laut Eintrag im Handbrake-Forum [2] nicht offiziell zum Handbrake-Projekt und besteht angeblich aus fehlerhaftem Code. Wir stellen hier die offizielle GTK-GUI des Handbrake-Projekts vor.

Genau genommen bringt das Projekt zwei grafische Oberflächen mit – eine für Qt (KDE), eine für GTK (Gnome). Da erstere sich im Test nicht übersetzen ließ, müssen Sie als KDE-Nutzer auch auf die GTK-Oberfläche zugreifen, was die Anzahl der Abhängigkeiten in die Höhe treibt.

Abbildung 1: Die GTK-Handbrake-GUI unter Opensuse 11.0: So rippen Sie bequem DVDs.

Installieren unter Ubuntu 8.04

Die neueste Version von Handbrake holen Sie direkt aus dem Arbeitsrepository der Entwickler und kompilieren sie selbst. Dazu brauchen Sie eine ganze Reihe Software auf Ihrem Rechner, die Sie über den Paketmanager installieren. Um kommerzielle DVDs zu rippen, brauchen Sie zudem die Libdvdcss, deren Verbreitung und Verwendung in Deutschland allerdings unter Strafandrohung steht (siehe Kasten "Libdvdcss").

Zunächst fügen Sie unter Ubuntu 8.04 das Medibuntu-Repository als neue Paketquelle hinzu, wozu Ihr Rechner eine Verbindung mit dem Internet benötigt (Listing 1, Zeile 1). Im zweiten Schritt installieren Sie den Medibuntu-Keyring, der später prüft, ob die Pakete wirklich von Medibuntu stammen (Zeile 2). Nun installieren Sie eine ganze Reihe notwendiger Pakete, die der Kasten "Pakete für Ubuntu 8.04" auflistet.

Zusätzlich brauchen Sie noch eine aktuelle Version von Yasm, die Sie unter [3] herunterladen. Wechseln Sie dann in das Download-Verzeichnis und geben Sie sudo dpkg -i yasm_0.7.1-0ubuntu1_i386.deb ein, um das Paket zu installieren.

Libdvdcss

Kauf-DVDs sind häufig mit dem Abspielschutz CSS versehen, der nach deutscher Rechtslage als "funktionierender Kopierschutz" gilt. Der lässt sich zwar mithilfe der Libdvdcss umgehen, was aber in Deutschland für die meisten Anwendungsfälle unter Strafe steht. Daher ist auch der Vertrieb dieser Bibliothek hierzulande illegal. Das Problem: Ohne die Libdvdcss können Sie auch mit Handbrake Ihre legal erworbenen DVDs nicht konvertieren. Detailliertere Infos zum Thema finden Sie bei Wikipedia [4].

Listing 1
$ sudo wget http://www.medibuntu.org/sources.list.d/hardy.list --output-document=/etc/apt/sources.list.d/medibuntu.list
$ sudo apt-get update && sudo apt-get install medibuntu-keyring && sudo apt-get update

Pakete für Ubuntu 8.04

Um Handbrake zu übersetzen, benötigt Ubuntu 8.04 die folgenden Pakete: Automake, Build-essential, Jam, Libtool, Subversion, Zlib1g-dev, Libbz2-dev, Dvdbackup, Xmlto, Texinfo, G77, Gfortran, Libgtk2.0-dev, Nasm, Doxygen, Libsdl1.2-dev, Gfortran-multilib, Gcc-multilib, G++-multilib, Libesd0-dev, Libgtk1.2-dev, Libfftw3-dev, Electric-fence, Libhal-dev, Libhal-storage-dev und Mplayer.

Show me the Code

Nun, da sich alle nötigen Abhängigkeiten auf dem System befinden, besorgen Sie sich die Entwicklerversion von Handbrake. Dazu brauchen Sie erneut eine Verbindung ins Internet und geben den Befehl:

svn co svn://svn.handbrake.fr/HandBrake/trunk HandBrake

ein – und zwar in dem Verzeichnis, in dem der Code landen soll. Der Subversion-Befehl greift auf das Entwickler-Repository zu, lädt den Code herunter und legt ihn im Unterverzeichnis HandBrake ab (Abbildung 2). Wechseln Sie in dieses Verzeichnis und geben Sie den Befehl ./configure ein. Der überprüft, ob sich alle Tools auf dem Rechner befinden, die Linux zum Kompilieren von Handbrake braucht. Bricht der Prozess mit einer Fehlermeldung ab, müssen Sie eventuell noch weitere abhängige Pakete installieren. Welche das sind, entnehmen Sie meist der Fehlermeldung. Anschließend übersetzen Sie den Code, indem Sie make eingeben. Das dauert eine Weile: Handbrake lädt dabei auch Code aus dem Internet herunter, den es zum Übersetzen der Software benötigt.

Abbildung 2: Via Subversion holen Sie den Quellcode für Handbrake direkt aus dem Repository der Entwickler.

Im nächsten Schritt übersetzen Sie die grafische Oberfläche. Dazu wechseln Sie in das Handbrake-Unterverzeichnis namens gtk, geben ./autogen.sh ein, im Anschluss make und sudo make install. Der letzte Schritt richtet die Software auf dem System ein und schließt die Installation ab.

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

Zum Blog von Kristian Kißling →


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LinuxUser 06/2012

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