smo2008-box-HQ.png

© Softmaker Software GmbH

Folien für Anfänger

Softmaker Office 2008 mit Präsentationsmodul

01.12.2008
Softmakers Büropaket ist als schlanke Alternative zum Boliden OpenOffice bekannt, der aber bisher ein Präsentationsmodul fehlte. Die brandneue Version 2008 wetzt diese Lücke mit dem Powerpoint-Ersatz Presentations aus.

Mit zehn Monaten Verspätung folgt der schon im Dezember 2007 erschienenen Windows-Variante nun die Linux-Version von Softmaker Office 2008. Neben vielen kleinen Änderungen an der Textverarbeitung Textmaker (die jetzt beispielsweise Kerning beherrscht und damit einen hübscheren Textfluss erzeugt, Abbildung 1) und der Tabellenkalkulation Planmaker bringt sie als wichtigstes neues Feature das Präsentationsprogramm Presentations mit.

Abbildung 1: Kerning sorgt für ein ruhigeres Schriftbild und ist ein professionelles Textsatz-Feature.

Auch neu: Der Hersteller bietet nun neben dem Tarball zum Selbstauspacken auch RPM- und Debian-Pakete für die schnelle und Paketmanagement-konforme Installation an; im Test integrierten sich die Softmaker-Programme auch ins KDE-Startmenü.

Softmaker Presentations

In Sachen Benutzerführung orientierte sich der Hersteller bei Presentations an Powerpoint – so wie die Microsoft-Office-Anwendungen bei allen Softmaker-Programmen als Vorbild dienten. Den Anwender freut es, denn er erkennt viele Konzepte aus OpenOffice Impress und Powerpoint wieder; schließlich muss man das Rad nicht immer neu erfinden:

  • Auch Presentations arbeitet mit Folienvorlagen (Folienlayouts), die verschiedene Standardtypen mit Überschriften, ein- oder mehrspaltigen Auflistungen etc. definieren,
  • es kennt eine Masterfolie, mit der Sie Standardelemente wie eine Fußnote mit Foliennummer auf jeder Folie montieren,
  • und es nutzt die bekannten Shortcuts (etwa [F5] für den Start der Präsentation).

Praktisch bei den Vorlagen: Die vordefinierten Blöcke bestehen standardmäßig aus Textkästen, in die Sie direkt hineinschreiben können. Solange sie aber leer bleiben, zeigen sie zwei Icons an, über die Sie ohne weiteres Hangeln durch die Menüs Tabellen oder Grafiken einfügen.

Die Arbeit mit den Foliendesigns geht leicht von der Hand – möchten Sie über FolieFoliendesigns ein neues Präsentationsthema ausprobieren, zeigt Presentations gleich auf der aktuellen Folie (und in der linken Spalte in allen Miniaturen) an, wie sich das auswirkt (Abbildung 2). Ein Klick auf Allen zuweisen führt dann einheitlich das neue Design ein, während Zuweisen lediglich die aktuelle Folie umformatiert. Farbschemata erweitern das Designkonzept: Die Designs sind nicht auf bestimmte Farbkombinationen festgelegt, sondern variabel.

Abbildung 2: Entscheiden Sie sich erst für ein Foliendesign und in einem weiteren Schritt für eine Farbvariante.

Da es sich bei Presentations ebenso wie bei Textmaker und Planmaker um eine MDI-Anwendung handelt, können Sie mehrere Präsentationen parallel in einem Hauptfenster bearbeiten. Rufen Sie eine bereits laufende Anwendung erneut auf und übergeben dabei einen Dateinamen als Argument, öffnet sich kein neues Fenster, sondern das schon laufende Softmaker-Programm öffnet das Dokument.

Nicht ganz ausgereift

An einigen Stellen macht die Linux-Version von Presentations Probleme, die es unter Windows nicht gibt. Generell wirkt die Texteingabe in Textkästen haklig: Das Programm braucht stets einen Sekundenbruchteil zu lange, um ein neu eingegebenes Zeichen auch anzuzeigen. Ebenfalls unschön: Textkästen können Sie in Presentations nicht drehen – zwar gibt es dafür einen Anfasser, und eine Drehung führt auch zur Schieflage des Textkastens – die Schrift aber bleibt waagerecht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Windows-Version von Presentations kann Text drehen (rechts), unter Linux gelingt das nicht (links).

Import und Export

Im Handbuch heißt es: "Presentations kann … auch Dateien anderer Präsentationsprogramme öffnen (zum Beispiel Microsoft Powerpoint)." Tatsächlich ist Powerpoint aber das einzige andere unterstützte Format, und das auch nur in den klassischen Versionen mit den Dateiendungen .ppt und .pps respektive .pot für Vorlagen. Diese Formate liest und schreibt Presentations. Die neuen XML-basierten Microsoft-Formate (erkennbar am zusätzlichen x in der Dateiendung) kennt das Programm nicht, aber die Entwickler arbeiten bereits an neuen Filtern.

Alle Softmaker-Anwendungen bieten jetzt direkten PDF-Export über das Menü Datei, so auch Presentations. Der Exportfilter hat aber noch Schwierigkeiten mit transparenten Elementen; wie Abbildung 4 demonstriert, mag die Anwendung auch beim Export keine gedrehte Schrift.

Abbildung 4: Das hat nicht ganz geklappt: Der PDF-Export von Presentations (links) enthält keine Transparenz und zeigt den gekippten Text falsch an; zum Vergleich eine von OpenOffice erzeugte PDF-Datei (rechts).

Makros nur für Windows

Mit Basicmaker gibt es jetzt ein Softmaker-Pendant zu Microsofts Visual Basic for Applications (VBA), das sich auch syntaktisch auch an VBA anlehnt. Dies gilt aber vorerst nur für die Windows-Variante von Softmaker Office 2008, für andere Plattformen gibt es die Makrosprache nicht. Für Linux-Anwender, die etwa Tabellen um selbst programmierte Zusatzfeatures erweitern wollen, bleibt damit OpenOffice konkurrenzlos. Basicmaker soll aber "später" auch in die Linux-Version Einzug halten, verspricht Softmaker.

Zusammenarbeit

Außer Import und Export ist es oft wichtig, Daten zwischen mehreren laufenden Anwendungen auszutauschen. Das funktioniert meist wahlweise via Drag & Drop oder per Copy & Paste.

Drag & Drop funktionierte im Test überhaupt nicht – weder zwischen Softmaker-Anwendungen (etwa: von Presentations nach Textmaker) noch aus anderen Programmen heraus – etwa, um Bilder aus dem Dateimanager oder Webbrowser in eine Präsentation zu ziehen. Copy & Paste dagegen klappt, und zwischen den Softmaker-Anwendungen bleiben dabei auch Formate erhalten. Beim Copy & Paste von OpenOffice nach Softmaker Office allerdings verschwinden die Formate, umgekehrt bleiben sie erhalten – sogar inklusive Stilvorlagen, von denen nur die Bezeichnungen verschwinden.

Auch eine einfache Kooperation von Planmaker und Presentations hat Softmaker nicht vorgesehen: Wer einen rechteckigen Bereich in der Tabelle kopiert und in Presentations einfügt, erhält einen Textrahmen, in dem alle Zellen direkt aneinandergeschrieben auftauchen. Es hilft auch nicht, zuvor ein Tabellenobjekt in Presentations anzulegen – der zusammengesetzte Text landet dann in der gerade aktiven Zelle. Textmaker hingegen akzeptiert hingegen solche Tabellenobjekte und erzeugt dann eine eigene Tabelle.

Dabei verschwinden aber alle Formeln: Sie werden durch die aktuellen Berechnungsergebnisse zum Zeitpunkt des Kopierens ersetzt. Eingebettete Objekte kennt Softmaker Office gar nicht; lediglich die Windows-Version von Planmaker kann mit OLE-Objekten (etwa Bildern) umgehen, wovon Linux-Anwender aber freilich nichts haben. Beim Öffnen eines (unter Windows erstellten) Dokuments mit OLE-Objekten zeigt die Linux-Version eine Warnung an.

Fazit

Mit Texten und Tabellen können die beiden Softmaker-Klassiker gut umgehen, und die neuen Versionen bieten zusätzliche Features. Das Präsentationsprogramm jedoch überzeugt in der Linux-Version noch nicht. Erst wenn der Hersteller mit kommenden Updates die Fehler in Presentations behebt und eine bessere Integration der drei Programme bietet, kann das Office-Paket gegen OpenOffice antreten.

Softmaker Office 2008 (Linux)

Hersteller Softmaker Software GmbH
Module: Textverarbeitung (Textmaker), Tabellenkalkulation (Planmaker), Präsentationsprogramm (Presentations)
Zusatzprogramme Duden-Software: Rechtschreibkorrektur, Universalwörterbuch, Fremdwörterbuch
Preis 69,95 Euro (Update: 39,95 Euro, Bundle mit Windows-Version: 99,95 Euro)
Bezugsquelle http://softmaker.de

Glossar

Kerning

Beim Kerning korrigieren Textsatzprogramme einzelne Buchstabenabstände, um einen optimalen optischen Eindruck zu erzeugen, etwa bei den Buchstabenkombinationen "AV" und "Te".

MDI

Multiple Document Interface; MDI-Anwendungen öffnen mehrere Dokumente in einem einzigen Programmfenster und erzeugen dazu "Unterfenster", die Sie über einen programminternen Windowmanager verwalten.

Infos

[1] Softmaker Office 2008 für Linux: http://softmaker.de/ofl.htm

[2] Test von Softmaker Office 2006, Mirko Albrecht: "Hoch hinaus", LinuxUser 03/2007, S. 68, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/03/068-softmaker/

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

Kommentare