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Auf zu neuen Ufern

Neuerungen in Gimp 2.6

01.12.2008
In Gimp 2.6 implementierten die Entwickler nach acht Jahren Planungsphase die Grafik-Bibliothek GEGL, um auch Profianwendern die Grafiksoftware schmackhaft zu machen.

Bisher fristete das funktionsreiche Grafikbearbeitungsprogramm Gimp [1] eher ein Nischendasein. Hobbyanwendern war es oft zu umständlich, Profis fehlte die CMYK-Unterstützung, und Fotografen störte, dass es lediglich 8 Bit pro Farbkanal verarbeitet. Bereits in Version 2.4 haben sich Entwickler die Kritik der Anwender zu Herzen genommen und die Handhabung deutlich verbessert. Einen großen Sprung vorwärts verspricht allerdings die Einführung der neuen Grafikbibliothek GEGL [2] in der aktuellen Version Gimp 2.6, die zum einen bis zu 32 Bit pro Farbkanal verarbeitet und zum anderen die oft vermisste CMYK-Unterstützung mitbringt (siehe Kasten "GEGL"). Was die Grafiksoftware darüber hinaus an Neuem zu bieten hat, zeigt der Kurztest.

Neues

Benutzer, die Gimp 2.4 kennen, stellen zunächst kaum Unterschiede in Version 2.6 fest. Das auffälligste Merkmal ist das stets präsente Dateifenster, das Gimp auch ohne geladenes Bild anzeigt. Da es auch über eine Menüleiste verfügt, wurde die des Werkzeugkastens überflüssig und zu Gunsten der Übersichtlichkeit entfernt.

Bei geladenem Bild sehen Sie am unteren Fensterrand die Darstellungsgröße in Prozent (Abbildung 1). Während Sie bisher nur die Wahl zwischen wenigen festen Werten hatten, nimmt Gimp jetzt auch Tastatureingaben entgegen, mit denen Sie die Ansicht frei vergrößern oder verkleinern. Speziell zum Bearbeiten der Bildränder erlaubt die die Fotobearbeitungssoftware jetzt, das Bild im Fenster über den Bildrand hinaus zu verschieben. Das eröffnet beispielsweise die Möglichkeit, die Kanten eines Bildes präziser mit dem Pinselwerkzeug zu bearbeiten, als das vorher der Fall war.

Auch dem Malwerkzeug spendierten die Entwickler eine Erweiterung. So öffnet sich beim Klick auf Pinseldynamik ein zusätzliches Feld, mit dem Sie Druck, Geschwindigkeit und Zufall festlegen. Allerdings fehlen jegliche Informationen darüber, was die Einstellungen genau bewirken, sodass der Anwender nur per Selbstversuch die entsprechenden Resultate ermitteln kann.

Nicht nur in dieser Hinsicht lässt die integrierte Hilfefunktion viel Platz für Verbesserungen: Teilweise fehlen ganze Abschnitte, andere wurden noch nicht ins Deutsche übersetzt. Diese Krankheit der mangelhaften Dokumentation teilt Gimp allerdings mit vielen anderen Projekten aus der Open-Source-Welt. Offenbar gehört es unter den Entwicklern nach wie vor zu den unbeliebten Aufgaben, Funktionen zu dokumentieren.

Abbildung 1: Die wichtigsten Neuerungen (rot markiert) auf einen Blick: Das Bild lässt sich über den Rand hinaus verschieben, etwa um die Kanten genauer zu bearbeiten, die Menüleiste im Werkzeugkasten finden Sie im stets präsenten Hauptfenster, das Pinselwerkzeug enthält neue Funktionen und die Größe lässt sich per Eingabe bestimmen.

Auch das Freihandwerkzeug zum Erstellen einer Auswahl bekam eine neue Funktion. Sie zeichnen damit jetzt sowohl eine freie Linie als auch eine Polygon-Auswahl, deren Knotenpunkte jeweils einen runden Anfasser besitzen. An diesen ziehen Sie die Auswahl nach Belieben an die korrekte Position. Die Schaltfläche Nach Farbe auswählen im Werkzeugkasten aktiviert eine Funktion ähnlich dem Zauberstab – mit dem Unterschied, dass Sie nicht zusammenhängende Bereiche markieren, sondern alle Stellen eines Bildes, die einen bestimmten Farbton enthalten. Über den Schieberegler Schwelle: legen Sie in Dezimalwerten fest, wie empfindlich das Tool dabei die Farbunterschiede wahrnimmt.

Im großen und ganzen sind die Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger allerdings eher überschaubar und nicht zu vergleichen mit dem Versionssprung von 2.2 auf 2.4, bei dem die Entwickler nicht nur der Oberfläche eine Runderneuerung angedeihen ließen, sondern auch eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen implementierten.

Fazit

Wer sich von Gimp 2.6 weitreichende Neuerungen erhofft, wird enttäuscht. Die Änderungen zum Vorgängermodell beschränken sich größtenteils auf Kosmetik. Die sicherlich wichtigste Erweiterung, die optional zuschaltbare Grafik-Bibliothek GEGL, soll es erlauben, Bilder mit einer Farbtiefe von 32 Bit pro Kanal zu bearbeiten. Allerdings ist diese Funktion bislang genauso wenig implementiert wie die Unterstützung des speziell im Printbereich wichtigen Farbmodells CMYK.

Allerdings muss man Gimp zugute halten, dass es sich speziell in den letzten zwei Jahren in vielfacher Hinsicht enorm verbessert hat. Wenn die Entwickler auf dem eingeschlagenen Weg bleiben, avanciert das Programm mittelfristig sicherlich zu einer echten Konkurrenz für den Platzhirschen Photoshop.

GEGL

Bereits im Jahre 2000 fassten die Gimp-Entwickler ins Auge, die damals nur auf dem Papier vorhandene Grafik-Bibliothek GEGL (Generic Graphics Library) in den Bildeditor zu implementieren. In Version 2.6 wurde dieses Vorhaben nun in die Tat umgesetzt. In erster Linie handelt es sich bei GEGL um eine Sammlung grundlegender Bildbearbeitungsfunktionen, die sich beinahe beliebig miteinander kombinieren lassen.

Ihr wichtigstes Merkmal, das sie auch für Gimp so interessant macht, ist die Tatsache, dass die Funktionen der Bibliothek Bilder mit bis zu 32 Bit pro Farbkanal verarbeiten. Gimp schaffte bisher lediglich 8 Bit, was der Farbtiefe von JPEG-Bildern entspricht, aber wegen der immer öfter verwendeten RAW-Formate nicht mehr den heutigen Ansprüchen gerecht wird. Darüber hinaus ermöglicht die Grafikbibliothek dem Benutzer das Verwenden des CMYK-Farbraums, was speziell im Print-Bereich ein absolutes Muss darstellt. Mit dieser Bibliothek plant Gimp den Schritt ins Profilager, um mittelfristig Anwendungen wie Adobe Photoshop Konkurrenz zu machen.

Zwar stellt Gimp die neue Grafik-Bibliothek bei der Versionsankündigung als wichtigste Neuerung an erster Stelle, doch findet sich weder auf deren Internetseite noch der integrierten Hilfefunktion Information darüber, inwieweit und an welchen Stellen GEGL tatsächlich bereits integriert wurde.

Lediglich an zwei Stellen offenbart sich die neue Bibliothek dem Anwender: Der Eintrag Farben | GEGL verwenden aktiviert sie; mit dem Anklicken des Eintrags Werkzeuge | GEGL Operationen... (Abbildung 2) öffnen Sie ein Fenster, das diverse auf dieser Bibliothek basierenden Bearbeitungsfunktionen enthält. Allerdings fehlt jeweils ein erklärender Hilfetext, sodass dem Interessierten nichts anderes übrig bleibt, als die Funktionen einzeln auszuprobieren, um sie zu erforschen. Dabei fällt auf, dass die Filter eher träge zu Werke gehen: Nicht selten dauerte eine Operation im Test eine Minute oder länger. Angesichts der Tatsache, dass eine von GEGLs Stärken die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit sein soll, verwundert das.

Abbildung 2: Die GEGL-Operationen geben einen Ausblick darauf, was die neue Grafikbibliothek zu leisten im Stande ist. Allerdings überzeugten weder deren Funktion noch die Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Auch GEGLs weitere Stärken – das Verwenden des CMYK-Farbraums und das Verarbeiten von Bildern mit einer Farbtiefe von 32 Bit – verpuffen derzeit in Gimp, da diese Features offenbar bislang noch nicht implementiert wurden. Letztendlich bleibt nur die Hoffnung, dass die Entwickler, wie angekündigt, in den zukünftigen Versionen Schritt für Schritt die neue Grafik-Engine integrieren.

Infos

[1] Gimp: http://gimp.org

[2] GEGL: http://gegl.org

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