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Альт Линукс

ALT Linux aus Russland

01.12.2008 ALT Linux ist hierzulande weitgehend unbekannt. Zu unrecht: Für die russische Distribution leisten 50 Vollzeitentwickler und über 100 Freiwillige sehr solide Arbeit.

ALT Linux einen Geheimtipp zu nennen, hieße tiefstapeln: Die russische Distribution gehört definitiv zu den zurzeit besten Linux-Spielarten weltweit. Dafür sorgen ein rund 150 Mann starkes Entwicklerteam und das rasant zunehmende Interesse an Linux in Russland. Auf dem FTP-Server [1] finden Sie die DVD- und CD-Version für 32- und 64-Bit-Rechner sowie eine Abbilddatei für USB-Sticks zum Download. Neben der Desktop-Variante gibt es von ALT Linux auch noch einen Server sowie spezielle Versionen für den Einsatz in Schulen und Behörden (Office-Server, Terminal-Server). Dieser Artikel bespricht ALT Linux Desktop in der Version 4.1.

Steckbrief ALT Linux

Name Alt Linux
Aktuelle Version/Codename 4.1/Thymus
Land Russland
Basiert auf Eigenentwicklung
Medien Live-CD/Install-DVD
Paketmanager RPM
Primärer Desktop KDE
Alternative Desktops Gnome, XFCE
Kernel 2.6.25
Entwicklerteam 50 Vollzeit, 100 Freiwillige
Release-Zyklus halbjährlich (Desktop), jährlich (Server)
Stärken sehr solide Linux-Distribution mit ausgereiften Admin-Tools
Schwächen keine Updatequellen eingerichtet, in Westeuropa nicht sehr verbreitet

Sisyphus

Die Basis von ALT Linux bildet die Entwicklungsumgebung Sisyphus – eine der Hauptkomponenten der russischen Distribution. Sie hilft beim Bauen der Distribution, stellt die nötigen Repositories bereit und erfüllt damit ähnliche Funktionen wie der OpenSuse-Buildservice. Die Ähnlichkeit ist mehr als nur Zufall: Einige Mitgründer des ALT-Linux-Teams arbeiteten früher mit den Nürnbergern zusammen, um den Support für kyrillische Zeichensätze zu verbessern. Neben dem Sisyphus-Zweig gibt es noch das Daedalus-Repository. Hier landen die (noch) instabilen Pakete.

Den Erfolg im eigenen Land verdankt ALT Linux nicht zuletzt der sehr guten Lokalisierung. So erhalten Sie zum Beispiel auch auf der Konsole Fehlermeldungen in Russisch (Abbildung 1) und die meisten Manpages gibt es ebenfalls in einer lokalisierten Version.

Abbildung 1

Abbildung 1: Stellen Sie die Sprache auf Russisch um, erscheinen auch die Fehlermeldungen der Bash auf Russisch.

Installation

Der Heft-DVD liegt die Live-Version von ALT Linux 4.1 Desktop bei. Möchten Sie das System installieren, benötigen Sie dazu die DVD-Version oder die Installations-CD [1]. Im Bootdialog zeigt ALT Linux zunächst eine in kyrillischer Schrift gehaltene Auswahl an (Abbildung 2). Drücken Sie hier einfach [F2] für die Sprache und wählen Sie dann Other aus – zumindest, sofern Sie nicht aus der Ukraine, Weißrussland oder Kasachstan stammen. ALT Linux stellt das Bootmenü dann auf Englisch um.

Abbildung 2

Abbildung 2: Über [F2] ändern Sie die Sprache zu Englisch, falls Sie auch die übrigen Booteinträge verstehen möchten.

Die eigentliche Installation gestaltet sich klassisch: Sie wählen die Sprache aus und stimmen den Lizenzbedingungen zu; danach stellen Sie Land, Zeitzone und aktuelle Uhrzeit ein. Das Partitionierungsmodul lässt Ihnen die Wahl, nur den freien Plattenplatz oder die komplette Platte zu nutzen respektive im Expertendialog eigene Einstellungen zu treffen – etwa für LVM- und RAID-Setups. Nach der Partitionierung startet sogleich die Paketinstallation, es gibt weder einen Übersichtsbildschirm noch eine zusätzliche Sicherheitsabfrage.

Nach dem Überspielen der Software bietet ALT Linux noch einen Dialog zur erweiterten Programmauswahl an. Hier legen Sie fest, ob Sie zusätzliche Spiele, Serveranwendungen oder Systemtools installieren möchten. Danach richten Sie das Root-Passwort, ein Benutzerkonto und das Netzwerk ein. Grafikkarte und Monitor stellt die Distribution automatisch ein (Abbildung 3), lässt Ihnen aber die Möglichkeit, die Einstellungen gleich zu ändern. Die Installation dauert auf einem aktuellen Rechner eine gute Viertelstunde.

Abbildung 3

Abbildung 3: Zum Abschluss der ALT-Linux-Installation richten Sie den Monitor ein.

Sämtliche Dialoge sind sehr übersichtlich gehalten und bereiten auch bei kleinen Auflösungen keine Probleme. Als Bootloader setzt ALT Linux immer noch auf Lilo. Die Distribution bindet dabei bereits installierte Distributionen automatisch in das Bootmenü ein. Dass ALT Linux früher auf Mandriva basierte, merkt man nur noch an sehr wenigen Stellen: So bietet die Distribution etwa beim Booten über [I] einen Interaktiven Modus an, und um mit vollen Rechten zu arbeiten, müssen Sie die Admin-Rechte mit su - erlangen.

Der Desktop

Der Schreibtisch von ALT Linux präsentiert sich in angenehmen Grau- und Grüntönen. Die Distribution setzt auf den bewährten KDE-3-Zweig und bringt davon die aktuelle Version 3.5.10 mit. KDE-4.1.2-Pakete stehen im aktuellen 4.1/branch-Verzeichnis auch schon bereit.

Um den Desktop auf Deutsch umzustellen, müssen Sie im KDE-Kontrollzentrum in den Regionaleinstellungen Deutsch als Sprache auswählen. Das entsprechende Sprachpaket gehört zusammen mit weiteren westeuropäischen Sprachen bei der DVD-Version zur Standardinstallation. Um auch die Tastatur anzupassen, wählen Sie ebenfalls im KDE-Kontrollzentrum das passende Layout aus.

ALT Linux bringt zahlreiche proprietäre Zusätze mit, darunter auch die 3D-Treiber für aktuelle ATI- und Nvidia-Karten. Eine Liste der nicht freien Addons erhalten Sie bei der Installation in den Lizenzvereinbarungen. Sie finden diese auf einem installierten ALT-Linux-Rechner im System Management Center unter System | License. Dank der proprietären Zusätze zeigen Konqueror und Firefox praktisch sämtliche Webseiten mit Multimedia-Inhalten korrekt an, weder MP3s noch DVDs bereiten der russischen Distribution Schwierigkeiten.

Gegenüber einem OpenSuse- oder Ubuntu-Desktop brilliert ALT Linux mit einer sehr ausgeglichenen Programmauswahl. So finden Sie zum Beispiel mit Elinks [2] auch einen Browser für die Kommandozeile. Mit Fbreader [3] ist auch eine E-Book-Software mit an Bord, die das in Russland sehr populäre Fiction-Book-Format [4] unterstützt. Nicht zur Standardinstallation gehört dagegen KMail: hier setzt ALT Linux auf Thunderbird als Mail-Client.

Die Schaltzentrale

Die wichtigsten Einstellungen für Hard- und Software nehmen Sie im ALT-Linux-Kontrollzentrum vor, das Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu acc starten. Die Schaltzentrale (Abbildung 4) bringt Module für die wichtigsten Aufgaben mit. Über System | System restrictions richten Sie zum Beispiel die Rechte von oft benutzten Programmen ein. Dazu können Sie bei den meisten Einträgen zwischen den Rechten publicund restricted wählen oder die Berechtigungen auf eine bestimmte Gruppe reduzieren. Über zwei Mausklicks erlauben Sie hier allen Benutzern, Samba-Shares einzuhängen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Die Schaltzentrale von ALT Linux mit den wichtigsten Modulen für die Rechneradministration.

Über das Kontrollzentrum richten Sie auch die Softwarequellen für ALT Linux ein. In der Grundeinstellung nutzt die Distribution nur das Installationsmedium als Repository, Online-Updates oder weitere Quellen bleiben zunächst deaktiviert. Über Programs | Update Sources schalten Sie die benötigten Quellen bequem per GUI frei, alternativ editieren Sie die Apt-Quelldateien im Verzeichnis /etc/apt/sources.list.d/. Hier finden Sie zahlreiche Dateien, in denen Sie nur noch die gewünschten Zeilen auskommentieren müssen.

In der Grundeinstellung startet ALT Linux keine Firewall, von außen lässt sich lediglich der für den Fernzugriff auf den X-Server zuständige TCP-Port 6000 erreichen. Unter Network | Network Firewall finden Sie jedoch ein passendes Acc-Modul, das ein einfaches Firewallsetup per Mausklick erlaubt.

Fazit

ALT Linux hinterlässt in den Tests einen sehr guten Eindruck. Selbst auf Netbooks kann man die Distribution problemlos einrichten und nutzen. Vermisst haben wir lediglich ein Tool, das auf anstehende Online-Updates hinweist.

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