XeTex und Unicode

Schreiben Sie nur lateinische Buchstaben, fällt Ihnen wahrscheinlich erst einmal nicht auf, dass Sie mit XeTeX ein nativ unicodefähiges System vor sich haben. Das ändert sich schlagartig, wenn Sie sehen, wie problemlos XeTeX mit allen möglichen Sprachen beziehungsweise Schriften zurecht kommt, die in Unicode vorliegen [11].

Das macht XeTeX natürlich höchst interessant für Anwender, die eine oder mehrere der nicht-lateinische Schriften verwenden möchten, die Unicode zu bieten hat – sei es ausschließlich oder neben der Lateinischen. Für LaTeX gibt es für verschiedene internationale Schriften zum Teil aufwändige Lösungen. Manche davon sind unbequem zu benutzten, weil sie auf Präprozessoren aufbauen. Einige Eingabezeichen machen das LaTeX-Dokument notgedrungen unleserlich und damit die Korrektur anstrengend. Mit XeTeX ist das alles anders.

Bei den Sprachen Hindi und auch Sanskrit etwa kommt traditionell die Devanagari-Schrift zum Einsatz, für die in Unicode ein Abschnitt existiert ([12],[13]). Möchten Sie nun Hindi oder Devanagari schreiben, prüfen Sie zuerst, welche Schriften das System dafür bereitstellt.

Das Paket ttf-devanagari-fonts enthält einige Unicode-Schriften wie Aksharyogini (AksharYogini.ttf). Wie jeden anderen Zeichensatz dürfen Sie diesen als Hauptschrift definieren oder ihn alternativ zum Beispiel neben FreeSerif verwenden. Dazu definieren Sie mit \newfontinstance eine Klammer, der Sie mit zum Beispiel \hindi einen eigenen Namen zuweisen. Innerhalb dieser Klammer schreiben Sie nun ganz einfach in Hindi (siehe Abbildung 1). Wandeln Sie diese Datei mittels XeTeX, so erzeugt dies eine PDF-Datei mit dem Hindi-Text im Zeichensatz Aksharyogini.

Abbildung 1: Die um ein bisschen Hindi erweiterte XeLaTeX-Datei beispiel.tex im Gnome-Editor Gedit.

TIPP

Einige Fonts, wie zum Beispiel Arial Unicode von Microsoft, decken einen großen Teil von Unicode ab, so dass Sie eventuell gar keinen separaten Zeichensatz für eine andere Schrift benötigen.

Trotz allen Komforts bleibt ein Problem erhalten: Wer ein Unicode-Dokument erstellen möchte, der muss auch Unicode eingeben. Und mitunter tritt die Schwierigkeit auf, dass für die Sprache oder Schrift, die Sie schreiben möchten, ganz einfach noch keine Eingabemethode existiert. Hier liegt das Problem logischerweise nicht bei XeTeX, sondern beim System, auf dem die Software läuft.

Kommerzielle Betriebssysteme haben da oft einen gewissen Vorteil in der Entwicklung, aber Applikationen wie SCIM [14] bieten auch für Linux eine Lösung. Das Bearbeiten eines Unicode-Abschnittes setzt voraus, dass der verwendete Editor sich dafür eignet und ein geeigneter Zeichensatz zum Darstellen des Dokumentes bereit steht [15].

Fazit

Die moderne LaTeX-Engine XeTeX bietet die Möglichkeit, unkompliziert auf Systemschriften unter anderem der Formate Truetype und Opentype zuzugreifen. Das macht das von LaTeX bisher verwendete systemeigene Schriftsystem vollkommen überflüssig. XeTeX stellt daher den gesamten Funktionsumfang von Unicode für LaTeX-Anwender bereit. XeTeX schafft es, durch den nativen Unicode-Support den Mangel aufzuholen, den das professionelle Textsatzsystem LaTeX auf diesem Gebiet bisher noch zu anderen Applikationen hat.

Glossar

Truetype

Standard für Computer-Zeichensätze bei dem sich die Zeichen aus Vektoren aufbauen, was ein verlustfreies Skalieren erlaubt. Truetype-Zeichensätze tragen in der Regel das Suffix .ttf im Dateinamen.

Opentype

Verbessertes und grundsätzlich in Unicode kodiertes Format für Computerzeichensätze, Suffix .ttf oder .otf im Dateinamen.

Infos

[1] Fonts in Unicode: Yannis Haralambous, "Fonts & Encodings", O'Reilly 2007, ISBN 978-0-596-10242-5

[2] Paket Unicode: http://tug.ctan.org/tex-archive/macros/latex/contrib/unicode/

[3] XeTeX-Projektseite: http://scripts.sil.org/cms/scripts/page.php?site_id=nrsi&id=xetex

[4] Einführung in XeTeX: Ulrike Fischer, "Erste Schritte mit XeLateX", Die TeXnische Komödie 3/2008, S. 7

[5] TeX Live: http://www.tug.org/texlive/

[6] XeTeX für OpenSuse: http://www.novell.com/products/linuxpackages/opensuse/texlive-xetex.html

[7] TeX Live installieren: http://wiki.contextgarden.net/TeX-live

[8] LaTeX-Einführung: http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/02/090-latex/

[9] Fontspec: http://tug.ctan.org/tex-archive/macros/xetex/latex/fontspec/

[10] Comprehensive TeX Archive Network (CTAN): http://www.ctan.org

[11] Unicode-Codetabellen: http://www.unicode.org/charts/

[12] Unicode Devanagari: http://www.unicode.org/charts/PDF/U0900.pdf.

[13] Unicode-Programme und Tools: http://www.alanwood.net/unicode/

[14] SCIM: http://www.scim-im.org

[15] Yudit: Erik Bärwaldt, "Yudit it!", LinuxUser 08/2007, S. 58, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/08/058-yudit/

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