Übers Netz verteilt

Online-Backup und Synchronisation mit Dropbox

01.11.2008
Daten vom Netbook ins Internet sichern und über mehrere PC betriebsystemunabhängig synchronisieren – mit dem Online-Dienst Dropbox erledigen Sie die Aufgabe per Mausklick.

Daten nicht nur auf der lokalen Festplatte zu speichern, sondern auch im Internet abzulegen, gehört zu den Trends, die aktuell viele Unternehmen aufgreifen. So bieten zahlreiche Firmen Online-Speicherplatz an. Zu den größeren Anbietern zählen Hewlett-Packard mit Upline sowie Microsoft mit Windows Live Skydrive – und dass Google früher oder später ein GDrive anbietet, gehört nicht zu den unwahrscheinlichsten Dinge dieser Welt. All diese Angebote ermöglichen es, Backups extern zu speichern und vom Internet aus auf gesicherte Daten zuzugreifen.

Doch es gibt auch zahlreiche kleinere Anbieter in diesem Sektor. Der Dienst Dropbox [1] bietet sich dabei besonders für Linux-Anwender an, da das Startup Clientprogramme für das freie Betriebssystem bereitstellt. Zum Speichern der hochgeladenen Daten haben die Betreiber keine eigene Serverstruktur aufgebaut, sondern greifen stattdessen auf den Webspeicher von Amazons Service S3 zurück.

Fast sicher

Dropbox behauptet, dass es angemessene Maßnahmen getroffen hat, um die Sicherheit der Daten zu garantieren, geht hier jedoch nicht ins Detail. Laut dem Blog der Entwickler verschlüsseln die Tools des Provider die Daten vor dem Hochladen. Dadurch verspricht das Unternehmen eine hohe Datensicherheit. Allerdings erlauben die Tools aktuell nicht den Einsatz eigener Schlüssel. Damit hat der Betreiber die Möglichkeit, Kundendaten einzusehen.

Dropbox bietet verschiedene Möglichkeiten an, um auf dem Webspace Daten abzulegen oder von diesem zu lesen. Von jedem Rechner aus, ohne Installation zusätzlicher Software, mit einem Internetbrowser (Abbildung 1) oder mit komfortablen Tools. Dropbox offeriert Software für Windows, Mac OS X und eben Linux. Gerade diese Flexibilität macht kleine Anbieter wie Dropbox interessanter als die Big-Player.

Aktuell läuft Dropbox als öffentliche Beta. Kunden, die sich jetzt anmelden, erhalten 1 GByte Speicherplatz kostenlos. Nach der offiziellen Freigabe umfassen neuangelegte Dropbox-Konten nur noch 1 Gigabyte kostenlosen Online-Speicher. Gegen Geld offeriert der Betreiber dann mehr Platz auf dem Server. Im Blog der Betreiber [3] kursieren Preise von 9,99 US-Dollar pro Monat beziehungsweise 99 US-Dollar pro Jahr für 50 GByte.

Abbildung 1: Ohne die Installation von Software haben Sie mittels Webfrontend jederzeit Zugriff auf Ihre persönlichen Daten und Dokumente. Komfortabler fällt die Arbeit natürlich mit den Clientprogrammen aus.

Der Linux-Client besteht aus einem Plugin für den Dateimanager Nautilus und einem Daemon. Dropbox bietet das Plugin in Form von RPM- und Debian-Paketen für Fedora Core 9 und Ubuntu 8.04 an, jeweils in einer 32- und 64-Bit-Version. So installieren Sie es bequem und einfach auf diesen Distributionen. Der Quellcode des Nautilus-Plugins steht zudem unter der GPL – allerdings bislang auch nur dieser. Der eigentliche Dienst unterliegt einer proprietären Lizenz.

Nach der Installation des Paketes starten Sie Nautilus mittels killall nautilus neu. Danach erscheint ein Icon im Benachrichtigungsfeld. Dahinter verbirgt sich ein Programm, das automatisch ein Dienstprogramm herunterlädt und es unter ~/.dropbox-dist/dropboxd installiert. Dieser Dienst synchronisiert später im Hintergrund den Inhalt des Verzeichnisses ~/Dropbox mit dem Webspace.

Grafische Anzeige

Um also Daten auf Dropbox zu kopieren, brauchen Sie nichts anderes zu tun, als diese in den Ordner ~/Dropbox zu verschieben oder zu kopieren. Der Dateimanager blendet bei jeder Datei ein zusätzliches Symbol ein, das Informationen zum Stand der Synchronisation liefert (Abbildung 2). Ein Haken bedeutet, dass sich die Datei bereits auf dem Server befindet. Zwei rotierende Pfeile zeigen an, dass die Software die Datei aktuell hochlädt. Bearbeiten Sie ein bereits auf den entfernten Rechner kopiertes Dokument, so überträgt die Software lediglich die Änderungen. Das reduziert die zu übertragende Menge an Daten.

Abbildung 2: Dropbox erweitert die Funktionalität von Nautilus. Ob Sie Dateien bereits mit Dropbox synchronisiert haben oder sie gerade hochladen, erkennen Sie an zusätzlichen Dateisymbolen.

Das Synchronisieren von Daten funktioniert jedoch erst, nachdem Sie den eigenen Rechner bei Dropbox eingebucht haben. Nach der Installation startet dieser automatisch einen Dialog. Hier legen Sie entweder einen neuen Account an oder fügen den Rechner zu einem schon bestehenden Account hinzu.

Haben Sie den Rechner angemeldet, übernimmt der Dienst Dropboxd das Synchronisieren. Das Programm läuft im Hintergrund und braucht keine grafische Oberfläche. Das ermöglicht es, die Software vom Terminal oder mit anderen Desktopumgebungen zu benutzen. Der einziger Pferdefuß liegt darin, dass sie aktuell von Nautilus abhängt.

Möchten Sie die Sync-Applikation also mit KDE oder XFCE nutzen, gilt es, Nautilus (mitsamt allen Abhängigkeiten) über das Paketmanagement nachzuinstallieren und dann Nautilus einmalig über nautilus --no-desktop aufzurufen. So gelangen Sie an den Dropboxd-Dienst. Anschließend brauchen Sie Nautilus nicht mehr. Der Dienst arbeitet im Hintergrund. Allerdings kommen nur Gnome-Anwender in den Genuss einer grafischen Statusanzeige.

Haben Sie Dropbox fertig eingerichtet, so arbeitet es sich mit dem Dienst äußerst komfortabel. Jeder neu angemeldete Rechner erhält zunächst alle auf Dropbox hinterlegten Dateien und Ordner. Schieben Sie später neue Daten nach ~/Dropbox, so lädt der Dienst sie sofort und automatisch auf den Server hoch. Das Dropbox-Icon im Benachrichtigungsfeld informiert dabei über den aktuellen Fortschritt. Haben Sie nur einen schmalen Internetzugang, so rufen Sie über das Icon die Konfigurationen auf und stellen dort die maximale Bandbreite für Up- und Downloads ein.

Abbildung 3: Während Dropbox die Daten synchronisiert, informiert ein Dialog über den Fortschritt. In den Einstellungen ( Preferences) wählen Sie den Dropbox-Ordner aus und stellen die zu verwendende Bandbreite ein.

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