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Linux für Flachmänner

Netbook-Distributionen Fluxflux und Foresight ME

01.11.2008 Fluxflux und Foresight ME laufen auf vielen aktuellen Netbooks und warten trotz moderater Hardware-Anforderungen mit einem erstaunlichen Funktionsumfang auf.

Binnen kürzester Zeit haben sich Netbooks zum Verkaufsschlager und Paradepferd der Computerhersteller gemausert. Entsprechend sprießen auch darauf ausgerichtete Distributionen beinahe wie Pilze aus dem Boden. Zu den interessantesten Vertretern dieser Gattung zählen Foresight Linux Mobile Edition [1] und Fluxflux Linux [2].

Fluxflux Linux

Das auf PCLinuxOS basierende Fluxflux gibt es in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen: Die generische Variante SE ("Standard Edition") sowie jeweils eine spezielle Version für den Asus EeePC, One A110 und MSI Wind / Medion Akoya Mini E1210. Die Varianten unterscheiden sich in erster Linie durch eine speziell auf die jeweilige Geräte abgestimmte Hardware-Unterstützung. Die SE-Version eignet sich aber auch problemlos zur Installation auf normalen Desktop-Rechnern oder Laptops. Als Windowmanager kommt das ressourcenschonende Openbox zum Einsatz, die Programme basieren größtenteils auf GTK.

Getreu dem PCLinuxOS-Motto "radically simple" präsentiert sich auch Fluxflux. Der Desktop wirkt sehr aufgeräumt, ohne dabei jedoch auf Funktionalität zu verzichten (Abbildung 1). So erreichen Sie alle installierten Programme entweder über einen Rechtsklick auf den Desktop und der anschließenden Auswahl aus dem Kontextmenü oder über das Startmenü links unten. Die Wbar genannte Toolbar am oberen Bildschirmrand fasst zudem die wichtigsten Applikationen zusammen, die sie mit einem Klick starten.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die auf PCLinuxOS basierende Distribution Fluxflux setzt auf den Windowmanager Openbox und verwendet in der Hauptsache auf GTK basierende Anwendungen.

Ausstattung

Hier geizt die Distribution nicht mit sinnvollen Anwendungen aus allen Themengebieten: Aus dem Netzwerkbereich bietet Fluxflux unter anderem Mozilla Firefox 3.0, Thunderbird 2.0, Skype, Pidgin, Gftp sowie das IRC-Programm Xchat 2.8.4. Den grafischen Bereich decken Gimp 2.4.5 und Gqview sowie Gtkam, ein Importer für Digicam-Bilder, ab. Ziemlich mager fällt allerdings die Auswahl an Office-Programmen aus. Hier kommt lediglich Abiword 2.6.3 zum Einsatz. Zum Abspielen multimedialer Dateien verwendet die Distribution Audacious und Mplayer. Dank diverser vorinstallierter Codecs spielten diese alle getesteten Dateitypen ab, darunter auch MP3, AVI oder WMV.

Im Live-Betrieb beansprucht die SE-Version etwa 300 MByte Hauptspeicher, während die angepassten Varianten etwa 430 MByte benötigen. Installiert begnügt sich Fluxflux mit gerade einmal 150 MByte Plattenplatz, verlangt aber eine mindestens 1,7 GByte große Partition. Die Distribution verfügt über einen Suspend- to-RAM-Modus, den Sie durch Aufruf des Skripts /root/suspend aktivieren. Er ermöglicht es, das System im ausgeschalteten Zustand binnen weniger Sekunden zu reaktivieren und in seinen Ursprungszustand zu versetzen. Damit das Suspend den Speicherinhalt auf der Swap-Partion ablegen kann, müssen Sie diese in der Eingabezeile des Bootfensters mit resume=/dev/Swap-Partition angeben.

Konfiguration

Bei praktisch allen Elementen zur Konfiguration des Systems kommt die Mandriva-Historie von PCLinuxOS zum Vorschein: Die zentrale Rolle spielt das PCLinuxOS Control Center (Abbildung 3), das Sie im Startmenü unter Settings finden. Es entspricht weitgehend Mandrivas Konfigurationsprogramm und steht auch unter deren Lizenz.

Abbildung 3

Abbildung 3: Das ursprünglich von Mandriva stammende zentrale Konfigurationselement von Fluxflux vereint alle wichtigen Verwaltungsaufgaben in einer Oberfläche.

Es dient nicht nur zum Einrichten des Systems, sondern verfügt über zusätzliche Elemente, etwa um NFS-Shares im Dateisystem einzubinden oder einen Mail- oder Webserver grundlegend zu konfigurieren. Nicht installierte Applikationen lädt das Programm automatisch aus dem Internet nach.

Allerdings weigerte sich das Tool beharrlich, den Samba-Server nachzuinstallieren. Auch manuelle Versuche, ihn über den Paketmanager Synaptic einzurichten, scheiterten daran, dass dies die Deinstallation duzender elementarer Elemente des Systems zur Folge gehabt hätte. Um das Netzwerk einzurichten, genügt ein Rechtsklick auf das Netzwerksymbol rechts unten in der Taskleiste. Aus dem Kontextmenü wählen Sie danach Netzwerk konfigurieren.

Installation

Fluxflux erlaubt nicht nur den Betrieb als Live-System, sondern bietet auch vielfältige Möglichkeiten, das System fest auf die Platte zu bannen. Beim Start des Draklive-Installers, den Sie über Konfigurationsskripte | Festplatteninstallation als reales Linux starten, erscheinen parallel im Webbrowser detaillierte Installationshinweise, die unter anderem das Einrichten von Fluxflux als Zweitsystem auf dem Rechner genau erklären. Zwar bietet die Distribution zur Installation auf USB-Stick ein eigens dafür entwickeltes Skript, das im Test jedoch seinen Dienst verweigerte.

Zum nachträglichen Installieren von Paketen bringt die Distribution den Paketmanager Synaptic mit, den Sie im Startmenü unter System finden. Untypischerweise verwaltet er bei Fluxflux aber keine DEB-Repositories, sondern RPMs. Davon sind bereits eine ganze Reihe eingetragen, die Sie lediglich aktivieren müssen. Da sich Fluxflux hauptsächlich aus den Paketquellen von PCLinuxOS bedient, stehen mehrere tausend Programme zur Auswahl bereit.

Foresight Linux ME

Die Mobile Edition von Foresight Linux haben die Entwickler speziell für die Netbooks EeePC von Asus und Classmate von Intel optimiert. Neben der bootbaren Version enthält die Heft-DVD sowohl das ISO-Image als auch eine Version zur Installation via USB-Stick. Richten Sie Foresight direkt von der Heft-DVD ein, dann überspringen sie die Abfrage Vor der Installation Datenträger testen. Anders als Fluxflux legten die Entwickler auch beim Erscheinungsbild Hand an: So zeigt der Gnome-Desktop bereits beim Start alle wichtigen Programmgruppen und Verzeichnisse als Layer auf dem Desktop (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Foresight Linux zeigt alle Programmgruppen und die wichtigsten Verzeichnisse als Layer auf dem Desktop.

Nicht nur in dieser Hinsicht legt Foresight großen Wert auf eine einfache Benutzerführung. Der Installationsassistent überfordert auch Einsteiger nicht mit einer zu komplizierten Bedienung. Allerdings fiel im Test ein unter Umständen fataler Fehler auf: Obwohl die Distribution bei der Installation scheinbar das deutsche Keyboard-Layout festlegt, verwendet sie nach dem Reboot trotzdem das englische. Daher können sich Anwender, die ein Z, Y, Sonderzeichen oder Umlaute in ihrem Passwort verwenden, sich zunächst nicht einloggen.

Ausstattungstechnisch gibt sich Foresight Linux eher spartanisch. Nur die allerwichtigsten Programme verschiedener Anwendungsbereiche hielten Einzug in die Distribution, was angesichts der Größe von 1,6 GByte auf der Festplatte durchaus erstaunt. Im laufenden Betrieb benötigt das System etwa 360 MByte an Hauptspeicher. Um fehlende Applikationen nachzuinstallieren, verwenden Sie den integrierten Paketmanager, der allerdings an Schlichtheit kaum zu übertreffen ist und sich lediglich auf ein Eingabefeld für die Suche beschränkt.

Fazit

Wer sein Netbook-System gegen ein anderes tauschen möchte, dem bieten sowohl Foresight Linux ME als auch Fluxflux gute Alternativen. Vor allem Letzteres überzeugt durch einen moderaten Ressourcenverbrauch, vorinstallierte Audio- und Video-Codecs, viele Anwendungen und ein ausgereiftes Paket-Management.

Infos

[1] Foresight Linux: http://www.foresightlinux.org

[2] Fluxflux: http://fluxflux.net

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