Krieg und Frieden

Echtzeit-Strategie-Spiel Boswars 2.5

01.11.2008
Mit Boswars schlüpfen Sie in die Rolle eines gottgleichen Kriegsstrategen und bauen Armee und Technik auf, um andere Herrscher zu vernichten.

Als Echtzeit-Strategiespiel positioniert sich Boswars [1], das ein Team unter der Federführung von François Beerten seit nunmehr zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Bei dieser Art Spiel treten die Kontrahenten (meist ein menschlicher und bis zu drei Computergegner) zeitgleich gegeneinander an. Als Spieler stehen Sie stellvertretend für ein ganzes Volk oder zumindest eine Armee und lenkt durch gezielte Aufgabenverteilung deren Geschicke.

Je nachdem, wie ausgewogen Sie Ressourcen abbauen, Gebäude errichten, gottgleich neue Spielwesen erschaffen, um mit all den Produktionen Ihren Gegner daran zu hindern, ebenso erfolgreich zu agieren, gewinnen sie ihr Spiel – oder ein anderer untergräbt Ihr Vorhaben und zerstört Ihre Bauten. Wichtig ist also nicht nur die Schnelligkeit, sondern auch eine strategische Ausgewogenheit Ihres Handelns.

Boswars sieht seine Story in der Zukunft und lässt die Gegner in einer Art Wirtschaftskrieg gegeneinander antreten. Sie spielen es nicht nur unter Linux: Auch Windows, Mac OS X und BSD haben die Entwickler bedacht.

Boswars 2.5 im Überblick

Genre RTS (Real Time Strategy)
Lizenz GPLv2
Download-Größe rund 60 MByte
Mindestanforderungen 300-MHz-CPU, 128 MByte RAM, 32 MByte Video-RAM für OpenGL; SDL-Sound
Grafik XXOOO
Sound XXOOO
KI XXXOO
Langzeitmotivation XXXXO
Sonstiges Karteneditor, Mehrspielermodus

Boswars installieren

Die meisten großen Distributionen führen Boswars bereits in ihren Repositories, sodass Sie lediglich den Paketmanager bemühen müssen. Eventuell findet sich das rund 60 MByte große Paket jedoch nicht im Hauptzweig, sondern in einem gesonderten Multimedia- oder Spielezweig. Unter OpenSuse beispielsweise fühlt sich das Packman-Projekt [2] für die Pflege des RPM zuständig. Entweder Sie nutzen bereits dessen Repository-Quelle und geben auf der Kommandozeile mit Root-Rechten nur noch zypper install boswars ein, oder betätigen auf der Packman-Seite den One-Click-Install-Button. Anschließend finden Sie Boswars im Programmmenü meist unter Spiele | Krieg der Sterne.

Alternativ dazu richten Sie Boswars aus dem auf der Projektseite [1] herunterzuladenden Archiv ein: Es enthält eine bereits kompilierte Version. Entpacken Sie das Paket mit dem Befehl tar xfzv boswars-2.5-linux.tar.gz und wechseln in das entstandene Verzeichnis boswars-2.5-linux. Dort starten Sie mit dem Befehl ./boswars das Programm.

Möchten Sie Boswars lieber selbst übersetzen, laden Sie das entsprechende Quellpaket herunter. Dort lesen Sie im Verzeichnis /doc alles über nötige Abhängigkeiten und finden etliche nützliche Tipps zum Kompilieren.

Rein ins Vergnügen

Im lautlosen Startbildschirm (Abbildung 1) von Boswars wählen Sie beim ersten Aufruf des Programms den Menüpunkt Options. Unter Languages stellen Sie zunächst einmal Deutsch als Menüsprache ein. Als weitere Lokalisierungen bietet Boswars Dänisch, Englisch, Finnisch, Französisch, Polnisch, Portugiesisch, Schwedisch, Tschechisch und Türkisch an.

Abbildung 1: Schon der einfache Startbildschirm von Boswars strapaziert arg Ihre Systemressourcen.

Auf Rechnern mit einem Arbeitsspeicher unter 1 GByte belegt das standardmäßig im Fenstermodus laufende Boswars schon im Ruhezustand den gesamten Arbeitsspeicher und beansprucht knapp ein Drittel der Prozessorleistung. Wählen Sie im Menü Video den Eintrag Use OpenGL ab, schont das zwar die RAM-Ressourcen, quält die CPU aber ausdauernd mit einer Last ab 70 Prozent aufwärts. Insofern spricht wenig dagegen, in der Sparte Optionen | Video das Kästchen Vollbild zu aktivieren und den Rechner damit dem Programm vollständig zu übergeben – nebenher Arbeiten ist eh nicht.

Das Hauptmenü erlaubt das Starten eines einfachen Spiels, das Beginnen einer Kampagne, das Eröffnen einer Multiplayer-Session sowie das Einklinken in letztere. Auch laden Sie hier gespeicherte Spiele oder schauen sich diese noch einmal als Film an: Das bewerkstelligen Sie über den Schalter Aufzeichnung abspielen oder die Taste [R] ("Replay").

Starten Sie nun ein erstes Spiel und stellen Sie im nächsten Menü einige Rahmenwerte dazu ein (Abbildung 2): etwa die Karte, auf der Sie spielen wollen, oder die Widerspenstigkeit der Computergegner (Schwierigkeitsgrad). Sie operieren wahlweise in rohstoffreichen oder eher armen Gegenden (Startrohstoffe), der Spieltyp bestimmt das Tempo des gesamten Ablaufs. Das wirkt sich vorrangig auf die Produktionszeit für neue Söldner und Gebäude aus.

Abbildung 2: Im übersichtlichen Hauptmenü wählen Sie eine Karte aus und bestimmen den Schwierigkeitsgrad der Mission.

Kommando und Kontrolle

Zuerst verfügen Sie – je nach Karte – über nur wenige Wesen und Gebäude, oder Sie starten praktisch bei Null und besitzen nur Ihr Basis-Vault (Haupthalle, Abbildung 3) und eine Handvoll Arbeiter und Ingenieure ("Engineers"). Diese müssen erst einmal nach natürlichen Rohstoffen suchen, um Energiepunkte zu sammeln.

Klicken Sie einen solchen Ingenieur an, so erscheint rechts eine Übersicht seiner Möglichkeiten. Fahren Sie mit der Maus über die einzelnen Elemente, dann erfahren Sie deren Funktion – jedoch nur auf Englisch: Seltsamerweise beschränkt sich die Lokalisation auf die Hauptmenüstruktur des Spiels. Schalter, Anmerkungen und die markigen Bestätigungsausrufe der ferngelenkten Wesen gibt es nur auf Englisch.

Abbildung 3: Die grafischen Darbietungen des Spiels erinnern an eher vergangene Zeiten des RTS-Genres.

Allerdings erschließt sich die Bedeutung von Begriffen wie Move, Stop, Patrol, Harvest und Repair auch Nicht-Angelsachsen relativ problemlos. Eine kleine Übersicht über grundlegende Befehle finden Sie in der Tabelle "Kommandos". Je nach Figurentyp – ob Engineer oder Warrior – stehen unterschiedliche Fähigkeiten zur Auswahl. Sie aktivieren mit einem Mausklick eine einzige Figur oder wählen mit [Strg]+Doppelklick den gesamten Verband aus. Dann drücken Sie einer der Aktionstasten und klicken auf ein Ziel. Stößt Ihr Befehl auf offene Ohren, so raunt der Arbeiter oder Krieger Ihnen ein militantes YES entgegen und setzt sich in Bewegung.

Kommandos

Kommando Tastenkürzel Bedeutung
Move M zu einem beliebigen Ort bewegen
Stop S stoppen der momentanen Bewegung
Patrol P lässt eine oder mehrere Figuren die Umgebung erkunden
Harvest Resource H Ressourcen abbauen
Repair Buildings/Vehicles R repariert kaputte Gebäude und Fahrzeuge
Build Basis Structures B erstellt grundlegende Gebäude
Build Unit Structures U erstellt Gebäude/Geräte für Einheiten
Build Defense Structures D erstellt Gebäude/Geräte für Verteidigungszwecke
Attack A attackiert gegnerische Gruppen (nur Assault Units/Bazzos etc.)

Sammeln und bauen

Sie sollten zuerst einiges an Rohstoffen einsammeln. Auf der Karte verteilt stehen allerhand Bäume herum, die gefällt werden wollen, und auch etliches schwarzes Gestein liegt herum. Ein Mausklick auf die Ressource verrät Ihnen, um was es sich dabei handelt. Haben Sie erst einmal hinreichend Ihre nähere Umgebung ausgebeutet und genug Energiepunkte gesammelt, stellen Sie einen oder mehrere Ingenieure zum Errichten eines neuen Bauwerkes ab.

Ihre Arbeiter errichten je nach Wunsch und Energie Basisstrukturen ([B]) wie Magmapumpen, Radars, Kameras und Kraftwerke oder auch Gebäude für Ihre Militäreinheiten ([U]), zu denen unter anderem Trainingslager, Krankenhäuser und sogar Flugzeugfabriken gehören. Zu reinen Verteidigungszwecken ([D]) errichten Ihre Truppen Selbstschussanlagen und Raketenstützpunkte (Abbildung 4 und 5).

Abbildung 4: Je nach Auswahl auf dem Spielfeld verändert sich das Menü für die Engineers …
Abbildung 5: … zum Tech-Tree der Gebäude und Waffen.

Den gesamten Technik- and Figuren-Baum des Spiels aufzuzeigen, würde nicht nur den Platz des Artikels sprengen, sondern Ihnen auch die Freude nehmen, im Fortlauf des Spiels auf immer neue bauliche und strategische Möglichkeiten zu stoßen. Doch Vorsicht: Echtzeit-Strategie-Spiele gelten auch als ungemeine Zeitfresser mit Suchtpotential – Sie werden kaum merken, wie über dem Errichten von Neubauten und dem Kommandieren der Einheiten die Stunden vergehen.

TIPP

Es genügt, den Mauszeiger an den Bildschirmrand zu bewegen, um automatisch über die gesamte Karte zu scrollen. Lange Wege durch die Spielewelt legen Sie aber lieber mit Hilfe des Übersichtsfelds im oberen Teil der Navigationsleiste zurück.

Goodies

Boswars 2.5 wartet für alle, die der zahlreichen Karten müde sind, mit einigen zusätzlichen, langzeitmotivierenden Goodies auf. Das kleinste und noch ausbaufähigste fanden wir in den Kampagnen (Taste [C] im Hauptmenü), deren zwei auf den spielenden Strategen warten. Das Ziel Ihrer Mission erläutert auf Englisch eine computergenerierte Stimme, doch Sie können die Anweisungen auch mitlesen. Allerdings beschränkt sich die Grundaussage des Befehls im Wesentlichen darauf, eine gegnerische Einheit zu zerschlagen.

Viel mehr Spaß bietet da schon der integrierte Karteneditor, mit dem Sie die Ausgangssituation Ihres Spielfelds selbst bestimmen. Sie erreichen im Hauptmenü den Editor über den Editor starten oder die Tastenkombination [Umschalt]+[E]. Bestimmen Sie zuerst die Größe der Map und klicken Sie dann auf Editor starten. Der nach Erdboden aussehende Schalter in der rechten Navigationsleiste öffnet das Menü zur Oberflächengestaltung. Bei den darunter liegenden Feldern 1x1, 2x2 etc. handelt es sich nicht etwa um Rechenaufgaben: Diese bestimmen, wie groß das Feld der ausgewählten Oberfläche (Wald, Feld, Wasser) werden soll (Abbildung 6).

Abbildung 6: Mit dem eingebauten Karteneditor erstellen Sie Landschaften und platzieren eine erste Grundausstattung für Ihre Streitkräfte.

Der Engineer-Button gibt den Blick auf das gesamte Boswars-Repertoire an Figuren, Maschinen und Gebäuden frei, die Sie nach Belieben auf der Karte verteilen. Mit [F10] gelangen Sie zum Editormenü und bestimmen über die Schalter Karteneigenschaften[F5] und Spielereigenschaften[F6], wie sich die rechnergestützten Gegner verhalten und wieviel Energiepunkte sie bereits besitzen sollen. Ein Druck auf [F11] speichert Ihr Vorhaben, und Sie wählen die neue Karte über Spiel starten in der Kartenauswahlliste aus.

Die Entwicklergemeinschaft spendierte Boswars auch bereits eine rudimentäre Mehrspielerunterstützung. Eine Partei bestimmt dabei über Multiplayer | Spiel erstellen die Grunddaten der Karte, die anderen Gegner geben im Menü Multiplayer | Spiel beitreten die entsprechende IP-Adresse des Rechners oder localhost für den eigenen Computer ein und geben sich ihrer Leidenschaft hin.

Fazit

Auch wenn Boswars in seiner gesamten Umsetzung sicher nicht mit aktuellen kommerziellen Produktionen mithalten kann und eher an die Optik der vergangenen Command&Conquer-Dekaden erinnert, macht das Spiel Spaß. Die Benutzerführung ist eingängig und der Spielablauf offenbart sich dem Hobbystrategen auch ohne Handbuchwälzen. Die Programmierer dürfen aber gern noch an der deutschen Lokalisierung arbeiten und der Community ein paar knifflige und komplexere Kampagnen bieten.

Infos

[1] Boswars-Website: http://www.boswars.org

[2] Packman-Projekt: http://packman.links2linux.de

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