Eine klare Nacht unter dem funkelnden Sternenzelt, dazu das leuchtende Band der Milchstraße: Ein wunderschöner Anblick, dennoch nur ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit. Zwar sind wir uns heutzutage bewusst, dass wir nicht mehr auf einer Scheibe unter der Himmelskuppel leben, doch die Perspektive des Beobachters beschränkt sich bei herkömmlicher Astronomiesoftware auf die nächste Umgebung von Erde und Sonne. Während viele Programme sich auf das Erkunden des Sonnensystems beschränken, geht "Where is M13?" (kurz: M13, [1] ) noch einen großen Schritt weiter: Es erweitert den Radius von unserem Sonnensystem auf die gesamte Milchstraße[2].
M13 installieren
M13 ist in der plattformunabhängigen Programmiersprache Java [3] geschrieben und benötigt als Basis das Sun-Java-Paket der von Ihnen verwendeten Distribution (für Debian beispielsweise sun-java5-jre). Auf der Heft-DVD finden Sie eine 7,7 MByte große ZIP-Datei, die den Code von M13 enthält. Sie kopieren dieses Archiv in Ihr Home-Verzeichnis, entpacken es, und dann steht dem extragalaktischen Ausflug nichts mehr im Wege.
Öffnet sich nach einem Klick auf WhereIsM13.jar lediglich ein Java-Archiv-Fenster, weisen Sie der Anwendung die Java-Laufzeitumgebung über den Öffnen-mit-Dialog im Kontextmenü zu. Alternativ rufen Sie eine Konsole auf und geben java -jar WhereIsM13.jar ein.
TIPP
Stoßen Sie im Text auf einen astronomischen Begriff, den Sie nicht kennen, schafft das gut gestaltete Astronomie-Portal der Wikipedia [4] Klarheit.
Galaktische Ansichten
Nach dem Programmstart öffnet sich ein Fenster mit drei Spalten (Abbildung 1). Es besteht aus einer Draufsicht und einer Seitenansicht unserer Milchstraße sowie einer Tabelle, die Deep-Sky-Objekte mitsamt den zugehörigen Informationen auflistet. Das orangefarbene Scheibchen in den oberen Ansichten ist unsere Sonne. Sie können beliebig viele Objekte in der Tabelle anklicken, wodurch M13 diese dann in den beiden Ansichten markiert und bezeichnet (Abbildung 1). Dazu füllen Sie die entsprechenden Kästchen in der Spalte Show jeweils mit einem Häkchen. Befindet sich ein Objekt außerhalb der Ansicht, beispielsweise in einer weit entfernten Galaxie, weist eine Linie in seine Richtung, wie etwa beim Objekt M31, der Andromeda Galaxie.
Die Spalten der Tabelle führen neben dem Katalogeintrag und der Bezeichnung eine ganze Reihe weiterer Angaben auf:
- den Type (OC = Open Cluster = Offener Sternhaufen, GC = Globular Cluster = Kugelsternhaufen, Glx = Galaxy etc.),
- das Sternbild (Constellation),
- die galaktische Länge und Breite (Gal Lon/Gal Lat),
- die Leuchtkraft (Luminosity),
- die Größe und die Entfernung in Lichtjahren (Size, Distance)
- und – soweit bekannt – das Alter in Jahrmillionen (Age).
Alternativ schalten Sie mit Show Apparent Data auf Sichtbarkeitsdaten um. Das Kästchen finden Sie unter der Tabelle. Dadurch ändern sich bestimmte Spalten: Die Koordinaten gibt M13 dann in Rektaszension und Deklination, die Helligkeit in Mag und die Größe in Bogensekunden an.
Der Button Show All zeigt sämtliche Objekte der Tabelle in den beiden oberen Ansichten, Hide All entfernt sie wieder. Sie können zudem auf eine invertierte Schwarzweiß-Darstellung umschalten (Black on White) und die Objekte verschieben und heranzoomen. Letzteres funktioniert über die Plus/Minus-Symbole neben Zoom oder über das Scrollen mit dem Mausrad. Auch das Suchen in der Tabelle ist möglich (Find). Kommentare zu einzelnen Objekten und vorhandenen Presets blenden Sie unten über Show Notes ein. Gibt es noch keinen Kommentar, schreiben Sie einfach einen eigenen und speichern ihn über ein Häkchen bei Make editable.
Bisher kamen die Sterne noch nicht zur Sprache, aber auch die sind an Bord: Sie müssen nur im Menü Filters den entsprechenden Katalog aktivieren, zum Beispiel Bayer Stars. Die Namen der Spiralarme (Abbildung 2) fehlen ebensowenig wie die Möglichkeit, die Sektoren der – natürlich nur von der Erde aus sichtbaren – Sternbilder einzublenden (Abbildung 3). Es handelt sich um die 16 größeren, bekannteren Sternbilder, die in Richtung der Milchstraßenebene liegen.
Das Menü Presets hingegen bietet zahlreiche vorgefertigte Ansichten: Alle 88 Sternbilder (Constellations), offene und andere Sternhaufen (Open Clusters), unsere Nachbarsterne (Stars | Nearby Stars), die Lokale Gruppe (GalaxiesLocal Group) und einige mehr können Sie auswählen. M13 stellt sie in einem separaten Fenster dar. Sehr interessant – und lehrreich – ist dies bei den Sternbildern.
Abbildung 4 zeigt, wie sich die Sterne des Sternbildes Schwan (Cygnus) in unserer Milchstraße verteilen – von oben und von der Seite betrachtet (Galaxy View). Wechseln Sie zur Sky-View-Ansicht (über den Reiter Sky View), zentriert M13 das Sternbild und färbt dessen Sterne blau (Abbildung 5). Beim Klick auf einen Stern kreist die Software ihn ein, bezeichnet ihn und markiert den Eintrag in der Tabelle. Dies funktioniert aber nur bei den blau markierten Sternen in den Presets.
Noch ein Wort zum Datenumfang: Das Java-Archiv enthält insgesamt 1639 Objekte, davon 134 Galaxien, 381 Sternhaufen, 165 Gas- und Staubnebel sowie 857 Sterne.
Irdische Ansichten
Bei der Karte unseres irdischen Sternenhimmels, Sky View, handelt es sich um eine einfache Kartenprojektion im galaktischen Koordinatensystem – leider ohne Bezeichnungen der Sternbilder, aber mit den Sternbildlinien. Die roten Linien repräsentieren die Milchstraßenebene (horizontal) und 0° galaktische Länge (vertikal), sie kreuzen sich im Milchstraßenzentrum.
Beim Klick auf einen Stern in der Tabelle markiert M13 ihn in der Karte und bezeichnet (Abbildung 6). Sehr realistisch erscheint auch der wolkenartige Anblick der Milchstraße. Ansonsten bietet diese Karte keine weiteren Möglichkeiten. Mit einem Rechtsklick können Sie lediglich die Kartenansicht in die Zwischenablage kopieren.



