Das 30-Euro-Wunder
Multimedia-Center im Eigenbau
Endspurt: der Systemstart
Damit ist die Konfiguration fast komplett, als letztes führen Sie nun alle Komponenten zusammen. Damit das System schneller startet und der Speicherbedarf der laufenden Programme gering bleibt, installieren Sie keinen Display-Manager wie GDM oder XDM, sondern starten nach dem Booten den X-Server und MMS direkt über ein Xinit-Skript. Das legen Sie in /etc/X11/xinit/xinitrc.mms ab.
# stop blinking /bin/stty 38400 cs8 -parenb -cstopb < /dev/ttyS1 > /dev/ttyS1 echo -e '\xa2\xb2\xa2\xb2\xa2\xb2' > /dev/ttyS1 userresources=$HOME/.Xresources usermodmap=$HOME/.Xmodmap sysresources=/etc/X11/xinit/.Xresources sysmodmap=/etc/X11/xinit/.Xmodmap # merge in defaults and keymaps if [ -f $sysresources ]; then xrdb -merge $sysresources fi if [ -f $sysmodmap ]; then xmodmap $sysmodmap fi if [ -f $userresources ]; then xrdb -merge $userresources fi if [ -f $usermodmap ]; then xmodmap $usermodmap fi # irexec starten um spezielle Tasten auf Funktionen zu legen /usr/bin/irexec -d /etc/lirc.conf # MMS aus einem Terminal starten, um Probleme mit dem Focus zu vermeiden xterm -font 12x24 -bg black -fg green -geometry 800x600+0+0 -e /etc/mms/runmms.sh
Wie Listing 5 zeigt, kann das Skript auch das Blinken des Frontpanels abschalten. Hier ist auch der richtige Ort, um den Irexec-Prozess für den Wechsel zwischen MMS und VDR zu starten. Am Ende öffnet das Skript ein Terminal, in dem dann ein weiteres Skript den eigentlichen Start von MMS übernimmt. Das (eigentlich nicht unbedingt nötige) Terminal reduziert Probleme mit einem verlorenen Fenster-Fokus beim Wechsel zwischen MMS und VDR. Ohne diesen Trick kann es dazu kommen, dass sich MMS nach dem Beenden des VDR-Clients nicht mehr steuern lässt, weil das MMS-Fenster den Fokus verloren hat.
Schlussendlich übernimmt /etc/mms/runmms.sh den Start von MMS und sorgt dafür, dass dieses sich beim Beenden (oder einem unfreiwilligen Crash) selbstständig wieder neu startet (Listing 6).
#!/bin/sh
function respawn()
{
while /bin/true
do
$*
done
}
export LANG="de_DE.UTF-8"
respawn /usr/bin/mms
Jetzt müssen Sie nur noch dafür sorgen, dass xinitrc beim Booten automatisch anläuft. Das erledigt ein Eintrag in /etc/inittab:
MMS:23:respawn:xinit /etc/X11/xinit/xinitrc.mms – -ignoreABI
Er sorgt auch dafür, dass nach einem etwaigen Crash des X-Servers dieser wieder neu anläuft. Die Option --ignoreABI benötigt der (veraltete) Intel-Treiber für die X.org-Version in Debian "Etch". Damit ist die Installation komplett.
Fazit
Mit der für 30 Euro oder weniger bei Ebay erworbenen S100 steht Ihnen jetzt ein für den Preis unschlagbares Wohnzimmer-Multimediagerät zur Verfügung. Damit muss das Bastelprojekt aber noch nicht am Ende sein: Es gibt noch unzählige weitere Möglichkeiten, die S100 zu erweitern und funktional aufzurüsten.
So könnten Sie etwa versuchen, OpenGL-Hardwareunterstützung zum Laufen zu bekommen und dann die Linux-Version des verbreiteten Xbox Media Centers auf der S100 laufen zu lassen – sicherlich eine Killerapplikation und weit leistungsfähiger (und schicker) als MMS. Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viel Spaß mit Ihrer neuen Multimedia-Zentrale und weiterhin viel Erfolg bei der Erweiterung.
[1] S100 mit Debian: Michael Kleinhenz, "Der Home-Server", LinuxUser 10/2008, S. 71, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/10/071/
[2] My Media System: http://mymediasystem.org
[3] Video Disk Recorder: http://www.cadsoft.de/vdr/
[4] VDR bedienen: Mirko Dölle, "Von der Rolle", LinuxUser 02/2006, S. 34, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/02/034-vdr/
[5] Zenega-Forum: http://forum.zenega-user.de
[6] Zenegalircd-Quellpaket: http://zen.htpc-forum.de/page5/page5.html
[7] Zenega-Wiki: http://wiki.zenega-user.de



