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Das 30-Euro-Wunder

Multimedia-Center im Eigenbau

Media-Desktop

Bevor Sie nun die erste Applikation tatsächlich an die Signale der Fernbedienung koppeln, installieren Sie zunächst die benötigten Sooftwarekomponenten. Im einzelnen benötigen Sie MMS als Oberfläche des Systems, VDR als DVB-Applikation und MPlayer als Multimedia-Abspieler. MMS lässt sich nach Aufnahme der APT-Quelle

deb http://www.prodeia.de/mms/etch binary/

durch das Einrichten der Pakete mms und mms-input-lirc installieren. Alle Konfigurationsdateien von MMS lagern im /etc/mms, die Datei Config enthält die zentralen Parameter. Die fallen schon im Auslieferungsstand recht vollständig aus; damit aber Fernbedienung und Ausgabe auf dem X-Server problemlos funktionieren, sollten Sie trotzdem sicherstellen, dass sich die Einstellungen aus Listing 2 finden. Diese definieren SDL als Kanal für die Bildschirmausgabe und stellen die Auflösung im Vollbildmodus auf 800 mal 600 Pixel ein. Als Eingabegerät dient der LIRC-Daemon.

Listing 2
outdev = sdl
fullscreen = true
h_res = 800
v_res = 600
input = lirc

Prinzipiell funktioniert MMS nun bereits, allerdings müssen Sie für eine vernünftige Benutzung die einzelnen Funktionsgruppen noch weiter konfigurieren. Dazu gibt es für jede Funktion eine eigene Konfigurationsdatei. Beispielsweise steuert MovieConfig das Abspielen von Filmen über einen externen Player. Die wichtigste Angabe ist dort die des Pfads zu den Medien:

mov_dir = /mnt/network/video/

Als Quelle für Mediendateien kann hier ein eingebundenes Netzwerklaufwerk ebenso dienen wie angeschlossene USB-Festplatten (Abbildung 2).

Abbildung 2: MMS hält nicht nur Audio- und Videodateien vor, sondern besorgt auch das Cover-Art und die Beschreibungen aus den einschlägigen Internet-Datenbanken.

Videoplayer

Standardmäßig verwendet MMS als Abspieler für Videodateien MPlayer. Der im Debian-Repository vorhandene MPlayer reicht für die meisten Einsatzzwecke aus, allerdings müssen Sie auch ihn über eine eigene MMS-Konfigurationsdatei MplayerConfig für MMS einrichten. Die Möglichkeit, MPlayer hier beim Start eigene Kommandozeilenparameter mitzugeben, nutzen Sie, um ihn mit der S100-Fernbedienung zu verbinden:

mplayer_opts = -cache 8192 -vo xv -lircconf /etc/mms/lirc-mplayer.conf

Als Ausgabetreiber für MPlayer dient hier Xv. Die Datei /etc/mms/lirc-mplayer.conf enthält die LIRC-Konfiguration für MPlayer und beschreibt, welche Tasten der Fernbedienung welchen Funktionen des MPlayers steuern. Diese neu zu erstellende Datei enthält Definitionen nach folgendem Muster:

begin
   button = MENU
   prog = mplayer
   config = osd
   repeat = 0
end

Unter button nennen Sie die Taste der Fernbedienung, die Sie der Funktion unter config (hier ist es osd) des MPlayers zuordnen. Eine vollständige Liste der verfügbaren MPlayer-Kommandos erhalten Sie mit mplayer -input cmdlist. Zum Ermitteln der Tastencodes, die Sie für button eintragen müssen, nutzen Sie wieder irw: Es gibt ja bei einem Tastendruck auf der Fernbedienung den entsprechende Code auf der Konsole aus.

Haben Sie die Konfiguration vom MPlayer abgeschlossen, können Sie per MMS bequem durch ein Filmarchiv browsen und Videos im MPlayer abspielen. Durch Beenden von MPlayer gelangen Sie wieder in den MMS-Desktop zurück.

Die Konfiguration für die anderen MMS-Komponenten erfolgt analog. Mit einem vollständig konfigurierten MMS spielen Sie auch Audiodateien ab, empfangen Internet-Radiosender und betrachten Bilder. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, aus MMS heraus direkt Emulatoren für Videospielkonsolen wie SNES oder Sega Mega Drive zu starten (Abbildung 3). Möchten Sie dies nutzen, sehen Sie sich sich nach drahtlosen USB-Gamecontrollern umsehen: Mit aktuellen Kernels lassen sich etwa die günstigen Controller der XBox 1 für diesen Zweck nutzen. Weitere Informationen dazu und zur Konfiguration der anderen MMS-Module finden sich im Zenega-Wiki [7].

Abbildung 3: Aus MMS heraus starten Sie via Emulator auch Videospiele für SNES, Sega Mega Drive oder andere Konsolen.

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LinuxUser 06/2012

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