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Blick nach vorn

Gnome 2.24 unter der Lupe

Mit dem traditionellen Herbst-Release erfuhr Gnome wieder viele kleine aber nützliche Neuerungen. Mit Gnome 2.24 visieren die Entwickler nun langsam aber sicher auch die nächste Major-Version 3.0 an.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – der aktuelle Gnome-Zweig [1] kommt langsam in die Jahre und es scheint an der Zeit zu sein, über einen größeren Versionssprung nachzudenken. Auf der Guadec [2], die dieses Jahr Anfang Juli in Istanbul stattfand, loteten die Entwickler die Möglichkeiten für Gnome 3.0 aus – das Ergebnis: Nach Version 2.28 wechselt die Ziffer vor dem Komma.

Damit gehen selbstverständlich notwendige Änderungen an den zugrundeliegenden Glib- und Gtk+-Bibliotheken einher. Jedoch wollen die Hacker in der ersten Major-Version nur Aufräumarbeiten in Form von API-Konsolidierungen vornehmen. Bereits in Glib 2.18 beziehungsweise Gtk+ 2.14, die den Unterbau für Gnome 2.24 darstellen, finden sich die ersten Anzeichen dafür.

Ob nun das neue Gnome wirklich in knapp zwei Jahren kommt, steht noch nicht endgültig fest. Dennoch gehen die Arbeiten an den derzeitigen Gnome-Komponenten zügig weiter. Die seit über sechs Jahren bewährte Architektur, die die Entwickler ständig um neue Komponenten ergänzen, hat noch lange nicht ausgedient. Unternehmen wie Sun, Novell oder Red Hat bauen auf API-stabile Bibliotheken, unter anderem um ältere Software damit zu betreiben.

In Gnome 2.24 konzentrierten sich die Entwickler wieder auf Details und Stabilität der im Frühjahr aufgenommenen Bibliotheken und Programme. Das heißt jedoch nicht, dass es nichts Neues zu sehen gibt – ganz im Gegenteil: Verbesserungen an Nautilus [3], die Aufnahme des Instant Messenger Clients Empathy [4] und eines Zeitverfolgungsapplets mit dem Namen Hamster [5] unterstreichen, dass der Desktop noch kein Moos angesetzt hat.

Dateimanager Nautilus

Die Entwickler rund um den Dateimanager Nautilus schufen in der aktuellen Version mehr sichtbare Änderungen als zuvor. Seit langer Zeit fordern viele Benutzer eine so genannte Splitview (siehe Kasten "Splitview") – die Entwickler und Usability-Experten lehnten das mehrfach ab. Mit dem neuen Reitermodus, der auch im Webbrowser Epiphany [6] und im Texteditor Gedit [7] zum Einsatz kommt, öffnen sich die Entwickler nun doch in gewisser Weise der Idee. Mit der Tastenkombination [Strg]+[T] öffnen Sie – wie zum Beispiel von Firefox gewohnt – einen neuen Reiter (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die neuen Reiter erleichtert das Arbeiten im Browser-Modus ungemein. Per Drag & Drop ziehen Sie Dateien und Ordner zwischen den einzelnen Tabs hin und her.

Splitview

Gewöhnlich zeigen Dateimanager pro Fenster den Inhalt eines Verzeichnisses an. Im Splitview-Modus, wie ihn unter anderem Gnome Commander [8] beherrscht, bereitet das Programm zwei Ordner nebeneinander in einem einzigen Fenster auf. Dateioperationen fallen in dieser Ansicht nach Meinung vieler Benutzer leichter. Einige Programme bieten die Möglichkeit, mehr als nur zwei Verzeichnisse in einem Fenster darzustellen. Das schränkt aber die Übersichtlichkeit deutlich ein.

Die Ansicht, die allerdings nur im Browser-Modus bereitsteht, bietet das gewohnte Drag & Drop: Sobald Sie eine Datei oder einen Ordner in einen anderen Reiter ziehen, holt Nautilus diesen automatisch in den Vordergrund. So navigieren Sie nie im Blindflug. Selbstverständlich funktioniert die Aktion auch zwischen Fenstern. Die Entwickler spendierten dem Programm zudem eine platzsparende Kompaktansicht (Abbildung 2). Damit beherrscht der Dateimanager alle gängigen Ansichtsmodi, wie sie auch die Konkurrenz unterstützt.

Abbildung 2: In der Kompaktansicht bringt Nautilus wesentlich mehr in einem Fenster unter.

Dateien beziehungsweise Ordner mit langen Namen brachten früher regelmäßig das Raster der Symbole durcheinander. Wie Abbildung 3 zeigt, gehört dieses Phänomen der Vergangenheit an, da Nautilus lediglich die ersten drei Zeilen vom Namen einer Datei oder eines Ordners darstellt. Fahren Sie mit der Maus darüber, fördert das einen Tooltip mit dem vollständigen Namen zutage. Mittels GConf verändern erfahrene Benutzer unter dem Schlüssel /apps/nautilus/icon_view den Standardwert für die Zeilenanzahl. Zu den Neuheiten gehört auch das Auswurfsymbol bei entfernbaren Medien – zum Beispiel USB-Sticks oder iPods – in der Seitenleiste. Ein Klick darauf genügt, und der Computer hängt das Medium aus.

Abbildung 3: Lange Datei- beziehungsweise Ordnernamen stören nicht mehr das Raster in der Symbolansicht. Zum bequemen Aushängen von Medien stehen darüber hinaus Auswurfsymbole in der Seitenleiste bereit.

In der Vergangenheit sorgte das Kopieren von Daten, die auf FAT32-Partitionen lagen, immer für Ärger, sobald in den Dateinamen spezielle Zeichen vorkamen. Nautilus verschluckte sich dabei und war nicht in der Lage, solche Files zu kopieren. Die neue Version behebt diesen Fehler. Sie setzt außerdem die Freedesktop-Spezifikation für den Papierkorb um: Versehentlich gelöschte Dateien finden bei einer Rettungsaktion wieder ihren alten Platz. Nautilus merkt sich den ursprünglichen Ort im Dateisystem für jede Datei beziehungsweise jeden Ordner.

Zu den weiteren heiß ersehnten Features gehört der vereinfachte Umgang mit Archiven innerhalb des Dateimanagers. Möchten Sie beispielsweise zu einem Archiv namens test.tgz weitere Dateien hinzufügen, genügt es, diese per Drag & Drop auf das entsprechende Icon zu ziehen. Nautilus ruft dazu intern Fileroller [9] auf, der alles weitere für Sie erledigt.

Natürlich korrigierten die Entwickler auch Fehler innerhalb von Nautilus. Das Gespann Gio und GVFS, das im Frühjahr das alte GnomeVFS ablöste, funktioniert nun zuverlässiger als zuvor. Aktuell bauen etwa 90 Prozent der Programme auf die neue virtuelle Dateisystem-Bibliothek auf – beste Voraussetzungen also, GnomeVFS bald endgültig zu Grabe zu tragen.

Multimedialer Genuss

Viele Korrekturen spendierten das Projekt dem Multimediaplayer Totem [10], der neben Filmen und Audiodateien nun auch Youtube-Videos zeigt und Support für das digitale Fernsehen (DVB) bietet. Youtube-Videos spielt Totem nun in hoher Auflösung ab und öffnet auf Nachfrage auch die Webseite zu öffnen, die das aktuelle Video enthält.

Fans von Wohnzimmer-PCs benötigen zukünftig keine komplizierte Konfiguration der Fernbedienung (LIRC) mehr. Der LIRC-Support funktioniert ab sofort für einen Großteil der Fernbedienungen out-of-the-box. Der Thumbnailer des Mediaplayers verwendet das Coverart – so er dieses findet – auch bei Filmen.

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Infos zum Autor

Christian Meyer

Linux-Nutzer seit 1996, aktiv bei Gnome zwischen 2000 und 2006.


Infos zur Publikation

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift LinuxUser.

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