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Swiss Made

Paldo 1.15 aus der Schweiz

01.10.2008 Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, eine eigene Linux-Distribution auf die Beine zu stellen. Zwei schweizerische Studenten haben sich ein Herz gefasst – das Resultat heißt Paldo GNU/Linux.

Paldo steht für "Pure Adaptable Linux Distribution". Getreu diesem Motto bekommen Sie mit der schweizerische Distro eine zwar schlichte, aber sehr einfach erweiterbare Linux-Distribution – vergleichbar mit Gentoo. Das Paldo-Entwicklerteam führen zwei Studenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich: Jürg Billeter (Insidern auch als Entwickler von Vala bekannt) und Raffaele Sandrini.

Unterstützung bekommt das Duo von Nicolas Christener, der als Programmierer in Bern arbeitet, Hanns Philip Müller aus dem oberbayrischen Ebersberg und dem Niederländer Marc Broekhuis aus der Nähe von Rotterdam. Wer ein Programm in Paldo vermisst, wendet sich an einen der vier. Oft findet man das Wunschprogramm bereits ein paar Tage später im Haupt-Repository zur Installation. Seit dem ersten Release 2004 haben die Paldo-Entwickler 15 stabile Versionen veröffentlicht.

Steckbrief Paldo

Name Paldo GNU/Linux
Aktuelle Version/Codename 1.15/--
Land Schweiz
Basiert auf Eigenentwicklung
Medien 1 Live-CD
Paketmanager Upkg
Primärer Desktop Gnome
Alternative Desktops KDE, XFCE
Kernel 2.6.25.15
Entwicklerteam 5 Personen
Releasezyklus Vierteljährlich
Stärken Übersichtliche Quellcode/Binary-Pakete, einfach anpassbar, erstklassiger Support
Schwächen (Noch) keine grafische Oberfläche für den Paketmanager

Live ausprobieren

Ziel der Entwickler ist es, eine Distribution nach dem "Es-läuft"-Prinzip zu schaffen, die man mit einfachen Mitteln eigenen Wünschen anpassen kann. Funktioniert ein Feature mit der Live-CD, so steht es auch nach der Installation zur Verfügung. Die Paldo-Live-CD gibt es für die Architekturen x86 und x86_64 als ISO-Image auf der Projekt-Homepage [1] zum freien Download. Die aktuelle Version 1.15 finden Sie für beide Architekturen auch auf der Heft-DVD.

Nach dem Einlegen der CD wählen Sie im Grub-Menü die gewünschte Sprache aus. Einen grafischen Startbildschirm gibt es während des Bootvorgangs nicht (Abbildung 1), sodass man genau erkennt, welche Module und Treiber das System beim Startvorgang lädt. Auch eventuelle Fehler beim Booten lassen sich so leicht erkennen. Durch clevere Skripts erkennt das System beim Hochfahren die Hardware und wählt den besten Treiber für jede Komponente aus. Falls zum Beispiel für Nvidia-Karten der proprietäre Treiber des Herstellers funktioniert, setzt Paldo diesen ein – somit bietet Paldo auch schon im Live-Modus volle 3D-Unterstützung.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der traditionelle Bootscreen von Paldo im Framebuffer-Modus.

Paldo 1.15 verwendet den Vanilla-Kernel 2.5.25.15, den die Entwickler mit wenigen Patches für die Distribution angepasst haben [2]. Dazu gehört zum Beispiel WPA-Unterstützung für Ath5k sowie Support für Squashfs und Unionfs. Über den kompletten Quellcode lassen sich zusätzliche Treiber problemlos kompilieren. Die Kombination von freien und proprietären Treibern schafft ein solides Grundgerüst. Die meiste Hardware erkennt Paldo nach dem Plug-and-Play-Prinzip, selten muss der Benutzer selbst Hand anlegen – falls doch, ist dies leicht mit einfachen Konfigurationsdateien zu erledigen. Hilfe von den Entwicklern und der Paldo-Community bekommt man im Forum [3] oder im IRC [4].

Von der Stange

Paldo nutzt als Benutzeroberfläche den neuesten Gnome-Desktop in einem schlichten, in Hellblau gehaltenem Design (Abbildung 2). Ein spezielles Skript ermittelt die höchstmögliche Bildschirmauflösung des Monitors und verwendet diese automatisch. Über den Netzwerk-Manager meldet man sich leicht in jedes Netz an, ob per Kabel oder drahtlos via WLAN oder UMTS. Auch das Chatten mit Xchat, Ekiga und Pidgin ist möglich.

Abbildung 2

Abbildung 2: Der Gnome-Desktop von Paldo bringt keine speziellen Änderungen mit.

Mit einer recht ausgewogene Mischung an Anwendungen für jeden Zweck will Paldo ein möglichst breites Publikum ansprechen. Für den E-Mailverkehr bringt es Evolution mit, für die tägliche Büroarbeit OpenOffice 2.4.1. Als Medienplayer kommen Totem und Rhythmbox zum Einsatz. Neben Ogg-Vorbis, Ogg-Theora und Xvid spielen sie sämtliche von Gstreamer unterstützten Medienformate ab. Dazu richtet Paldo die Pakete gstreamer-plugins-base, gstreamer-plugins-good und gstreamer-plugins-ugly ein.

Obwohl in der Schweiz nicht verboten, gehört die umstrittene Libdvdcss nicht zur Standardinstallation. Das Paket lässt sich aber aus dem Paldo-Repository problemlos nachrüsten. Neu ab Version 1.15 bringt Paldo zudem das MPlayer Frontend SMPlayer mit. Mit Anjuta codet man schnell ein Programm, VNC-Viewer erlaubt den einfachen Zugriff auf entfernte Rechner.

Paketmanagement

Paldo nutzt den eigens für die Distribution entwickelten Paketmanager Upkg. Dieser wurde von Jürg Billeter und Raffaele Sandrini in der Sprache Mono programmiert. Eine grafische Oberfläche befindet sich noch in Planung, doch durch das einfache Konzept der einzelnen Befehle ist sie auch nicht unbedingt vonnöten.

Um ein Paket zu installieren, surft man zuerst auf die Paldo-Homepage an und ermittelt über die Suchfunktion der Seite das gewünschte Paket. Meist findet sich nur ein Programm pro Einsatzzweck, da die Entwickler das Repository schlicht und übersichtlich halten möchten. Der Befehl

$ sudo upkg-install Paketname

installiert dann das gewünschte Programm. Upkg löst benötigte Abhängigkeiten automatisch auf und installiert diese Pakete falls notwendig gleich mit. Bei Bedarf kann man ein Paket auch aus dem Quellcode erstellen. Dazu dient der Befehl

$ sudo upkg-build --disable-binary Paketname

Das Kommando sudo upkg-remove Paketname schließlich entfernt das fragliche Programm sowie alle nicht mehr gebrauchte Abhängigkeiten wieder.

Paldo verwendet einfache XML-Skripte, die Upkg anweisen, wie der Paketmanager das jeweilige Programm kompilieren soll. Das geschieht meist über ./configure, make und make install. Alle Pakete liegen im Original-Tarball vor, wobei Upkg als Eingabe die Dateiformate TAR.BZ2, TAR.GZ und TGZ unterstützt. Einfache Diff-Dateien halten alle Änderungen fest.

Pakete dürfen im gleichen Repository liegen wie die XML-Spec-Datei oder auch auf einem anderen Server lagern. Auf diese Weise lassen sich auch Programme in die Repositories einbinden, die man eigentlich nicht verbreiten darf – zum Beispiel Realbasic. Hilfe zur Erstellung eigener Pakete für Paldo GNU/Linux bekommen Sie im Wiki der Distribution [5]. Details zum Paketmanager listet die Tabelle "Der Mono-Paketmanager".

Der Mono-Paketmanager

Befehl Funktion Beispiel
Installieren/entfernen
upkg-add Installiert ein Paket und aktualisiert das System. upkg-add jre
upkg-build Installiert ein Paket aus einem Source-Tarball. upkg-build jre
upkg-buildd Der Build-Daemon für das automatische Paketieren.
upkg-install Installiert ein Paket aus einem Binary-Tarball und aktualisiert gegebenenfalls das Paket selbst und dessen Abhängigkeiten. upkg-install jre
upkg-reinstall Spielt ein Paket aus einem Binary-Tarball erneut ein. upkg-reinstall jre
upkg-remove Entfernt ein Binary-Tarball-Paket, falls die Abhängigkeiten das zulassen, und aktualisiert das System. upkg-remove jre
Paketverwaltung
upkg-check Überprüft alle Dateien des installierten Paketes mit Hilfe von md5sums. upkg-check jre
upkg-list Listet alle installierten Pakete auf dem lokalen PC auf. upkg-list
upkg-search Sucht nach Dateinamen, die den Suchbegriff enthalten – eine Erweiterung von Grep. upkg-search java
upkg-show Zeigt alle installierten Dateien eines Pakets an.. upkg-show jre
Systeminstallation
upkg-bootstrap Installiert die Distribution, erstellt ein ISO-Image oder generiert den Binary-Tarball. upkg-bootstrap --branch=stable paldo-desktop
upkg-chroot Wechselt in das Root-Verzeichnis des zuvor mit upkg-bootstrap installiertem Systems. upkg-chroot /upkg
upkg-repair-index Repariert den Upkg-Paketindex. upkg-repair-index
upkg-upgrade Aktualisiert alle lokal installierten Pakete. upkg-upgrade
Repository-Verwaltung
upkg-repo Listet alle Pakete eines lokalen Repositorys auf. upkg-repo /home/amnon/localPaldoRepo
upkg-sync Synchronisiert Upkg-Repositories. upkg-sync
upkg-xref Listet alle installierten Dateien auf und ordnet sie den entsprechenden Paketen zu. upkg-xref

Installation

Möchten Sie Paldo permanent auf der Festplatte einrichten, klicken Sie nach dem Start der Live-CD auf dem Gnome-Desktop das Symbol install paldo an. Im ersten Dialog des Installationsprogramms wählen Sie die gewünschte Sprache aus und stellen das Tastaturlayout sowie die Zeitzone ein. Im zweiten Schritt teilen Sie die Festplatte ein – Paldo nutzt dazu Gparted und schlägt neben der obligaten Root-Partition auch eine separate /home und /boot-Partition vor (Abbildung 3). Der Swap-Bereich sollte für ein funktionierendes Powermanagement (Suspend-to-RAM) mindestens so groß wie der Hauptspeicher sein. Im Partitionierungsdialog finden Sie auch eine Checkbox für die Bootloader-Installation.

Abbildung 3

Abbildung 3: Paldos Partitionierungsdialog bietet auch separate Einträge für eine /home und eine /boot-Partition an.

Im dritten Schritt legen Sie den Rechnernamen, den Domainnamen und das Root-Passwort fest, danach folgt ein Dialog für die Nutzerverwaltung. In einem letzten Dialog zeigt das Installationsprogramm nochmals sämtliche Änderungen an (Abbildung 4). Ein Klick auf Anwenden befördert Paldo auf Ihre Festplatte. Die Installation dauert nur wenige Minuten, das Standardsystem beansprucht rund 2,5 GByte Plattenplatz. Nach der Installation können Sie entweder die Live-CD weiter benutzen oder per Neustart das frisch installierte System booten.

Abbildung 4

Abbildung 4: Vor der eigentlichen Installation zeigt Paldo nochmals eine Zusammenfassung an.

Fazit

Trotz des "hohen Alters" von vier Jahren ist Paldo noch eine relativ unbekannte Distribution. Nach zwei Ankündigungen der Entwickler auf Distrowatch stieg das Interesse für die junge schweizerische Distro jedoch stark an – und sorgte im Frühjahr 2008 sogar für Serverausfälle, da das Team hinter Paldo den damaligen Ansturm nicht erwartet hatte.

Die schlichten Repositories und der mächtige Paketmanager Upkg sprechen für Paldo. Das Paketmanagement stellt gleichzeitig aber auch den Schwachpunkt der Distribution dar: Eine grafische Oberfläche ist hier für viele Nutzer ein Muss. Auch die Dokumentation der einzelnen verwendeten Programme steckt noch in den Kinderschuhen, hier besteht deutlicher Nachholbedarf. Trotz kleinem Entwicklerteam bietet die Distribution aber einen vorbildlichen Support, und die gut zusammengestellte Live-CD ermöglicht auch weniger versierten Nutzern den Einstieg in Paldo.

Glossar

Vala

Die Programmiersprache Vala und der Vala-Compiler erleichtern die Entwicklung von GTK+- und Gnome-Programmen.

Mono

Zu Microsofts .NET kompatible Entwicklungs- und Laufzeitumgebung für plattformunabhängige Software.

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