Los geht's

Das Anklicken des Player-Menüpunktes lenkt Sie auf eine übersichtlich gestaltete Spieloberfläche (Abbildung 2). Da die Software automatisch in den Vollbildmodus wechselt, brauchen Sie nicht erst umständliche Größeneinstellungen des Programmfensters vorzunehmen. Unter XFCE kommt es allerdings in einigen Fällen vor, dass die obere Panelleiste nicht verschwindet. Das führt dazu, dass am unteren Rand einige Symbole dahinter versteckt liegen.

Abbildung 2: Nach dem Start wechselt das Spiel Genesis gleich in den Vollbildmodus.

Die Oberfläche von Genesis gibt sich selbsterklärend, allerdings deuten in allen Fenstern vorhandene quadratische Kästchen mit farblich hervorgehobenen würfelähnlichen Symbolen bereits an, dass es sich bei Genesis um kein normales Spiel handelt. Die Zeichen dienen als optischen Hilfe beim Steuern mittels Tastatur.

Wie bereits erwähnt, erlaubt Genesis die Interaktion mit verschiedenen Eingabemedien: Neben der Maus und einem Touchscreen unterstützt die Software die Tastatur als alleiniges Eingabegerät. Dabei benötigen Sie maximal fünf Tasten: Für den ersten Spieler sind dies die Tasten [ 1] bis [ 5], für den zweiten die Buchstaben [Q] bis [T], für den dritten Spieler die Buchstaben [A] bis [G] und für den vierten Spieler [Y] bis [B].

Doch diese Flexibilität und Bedienen über Tasten oder Maus überfordert viele schwerst körperbehinderte Menschen. Daher unterstützt Genesis zusätzlich noch Hardware mit speziellen Tastern für Behinderte, wie sie beispielsweise unter [2] erhältlich sind.

Der Einsatz solcher Taster ermöglicht es, die Spiele sogar nur mit einer einzigen Taste zu bedienen: Genesis wechselt dazu durch Betätigen des Tasters in den so genannten Scan-Modus, der im Rahmen eines vorgegebenen Zeitintervalls hintereinander durch die möglichen Spielaktionen läuft. Betätigen Sie den Taster während dieses Durchlaufs erneut, so führt die Software die momentan angebotene Spielaktion aus. Das Programm unterstützt auch mehrere an einem System angeschlossene und aktivierte Taster.

Sobald Sie nun über den Menüpunkt Spiel aussuchen in das entsprechende Untermenü gelangt sind, stehen Ihnen in verschiedenen Kategorien derzeit über 20 Konstruktions-, Rollen-, Regel- und sensomotorische Spiele zur Verfügung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Schnell findet sich bei Genesis das passende Spiel.

Ein Klick auf den Auswahlpunkt Spielen oder ein entsprechender Tastendruck leitet zunächst zu einem Bildschirm mit einem kurzen Text zum Spielziel. Klicken Sie hier auf Spieleinstellungen, bietet das Programm die Möglichkeit, einige Optionen zu eventuell angeschlossenen Tastern (als Persönliche Kommunikatoren bezeichnet) oder zum Steuern durch Tastatur und Maus anpassen. Zudem legen Sie hier die Anzahl der Spieler fest. Ein weiterer Klick auf Spiel starten öffnet das gewählte Spiel. Die Spielfläche befindet sich dabei in den Default-Einstellungen stets links im Bild, während die Software rechts Ergebnis- und Bediensymbole anzeigt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Oberfläche ist unabhängig vom Spiel einheitlich gestaltet.

Um bei länger andauernden Spielen nach einer Spielpause nicht jedesmal wieder von vorn zu beginnen, bietet Genesis zwei Spielmodi: den aktiven sowie den angehaltenen Modus. Im angehaltenen Modus erlaubt es die Software, Einstellungen zu modifizieren. Ein erneuter Wechsel in den aktiven Modus setzt das unterbrochene Spiel fort. Das ermöglicht es Menschen mit kognitiven Defiziten, am Spielgeschehen teilnehmen, obwohl sie es nicht schaffen, sich über einen längeren Zeitraum hinweg zu konzentrieren.

Derzeit befinden sich noch zwei weitere Module im Entwicklungsstadium: der Builder, der es Ihnen ermöglicht, Spiele ohne Programmierkenntnisse selbst zu generieren, und der Layouter, mit dem Sie die Oberfläche an Ihre Bedürfnisse und Wünsche angepassen. Mit diesen Elementen bietet Genesis eine Flexibilität, die sich selbst bei kommerziellen Produkten nur selten findet.

Fazit

Genesis geht mit seinem Modulkonzept weit über den Umfang von herkömmlichen Spielesets hinaus. Durch das Einbinden spezieller Eingabemedien ermöglicht es erstmals schwerstkörperbehinderte Menschen, aktiv zusammen mit Nichtbehinderten am Spielgeschehen teilzuhaben. Dieses gemeinsame Spiel fördert Sozialkompetenz und Toleranz bei nicht behinderten Spielern.

Zudem bietet Genesis durch seine Flexibilität beim individuellen Gestalten und Anpassen der Spielflächen einen Anreiz zum kreativen Betätigen. Im Test überzeugte zudem, dass die Software trotz des erheblichen Funktionsumfangs sehr schonend mit den Hardwareressourcen umgeht und auf älteren Systemen ein flottes Tempo zeigt.

Auch für die Zukunft des anspruchsvollen Projektes haben sich die Teilnehmer gekümmert: Die Auerbach-Stiftung [3] honorierte kürzlich mit einem Betrag in Höhe von 88 000 Euro die Arbeit des Genesis-Teams, so dass Mittel bereitstehen, um die Software weiter zu pflegen.

Infos

[1] Infos und Download von Genesis: http://www.world-of-genesis.de

[2] Eingabegeräte für Schwerstbehinderte: http://www.rehavista.de

[3] Auerbach-Stiftung: http://www.auerbachstiftung.de.

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