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Organisationstalent

Bildverwaltung Picasa 2.7

01.10.2008 Im Zeitalter der Digitalkamera steigt die Bilderflut beinahe inflationär. Picasa hilft Ihnen nicht nur, die Fotos zu verwalten, sondern bessert sie auch mit wenigen Mausklicks nach.

Seit Digitalkameras das Knipsen beliebig vieler Bilder ohne zusätzliche Kosten ermöglichen, nutzen viele Fotografen diesen Vorzug exzessiv. Das Resultat: Eine schier unüberschaubare Bilderflut auf dem heimischen Rechner, die es zu bewältigen gilt. Das Programm Picasa [1] von Google verwaltet die Fotos nicht nur, sondern ermöglicht auch deren unkompliziertes Nachbearbeiten.

Diverse Zusatzfunktionen erlauben darüber hinaus den Upload zum Webalbum oder Fotolabor sowie eine inkrementelle Datensicherung der Bilder. Auf Knopfdruck erstellt Picasa Collagen, Kontaktabzüge oder exportiert ausgewählte Fotos oder Ordner als HTML-Seite zum Upload auf den eigenen Webspace.

Derzeit stellt Google noch keine native Linux-Portierung von Picasa zur Verfügung. Jedoch enthält der Installer eine bereits angepasste Wine-Umgebung, um das Programm problemlos unter Linux zu starten. Wir haben Version 2.7 der Software getestet.

Installieren und konfigurieren

Zur Installation laden Sie das für Ihre Distribution passende Paket im RPM- oder DEB-Format herunter [2] und installieren es. Alternativ binden Sie wie in [3] beschrieben das Google-Repository in Ihren Paketmanager ein und installieren die Software mit diesem.

Die grundlegenden Einstellungen des Programms finden Sie unter Tools | Optionen.... Hier legen Sie unter anderem die Lokalisierung (Grundeinstellung ist der Systemstandard) und die zu indizierenden Dateitypen fest, etwa PNG oder RAW-Formate. Im Reiter Allgemein stellen Sie im Abschnitt Importierte Bilder speichern in ein, wo das Programm neue Fotodateien ablegen soll.

Danach bestimmen Sie, in welchen Verzeichnissen das Programm nach Foto-Dateien suchen darf. Öffnen Sie dafür den Ordner-Manager (Abbildung 1) über den gleichnamigen Eintrag im Menü Tools. Klicken Sie auf ein Verzeichnis und wählen Sie aus den Optionen im rechten Fensterfeld, ob Picasa es nie, einmal oder immer scannen darf. In letzterem Fall fügt das Programm neue Bilder automatisch dem Bildarchiv hinzu.

Abbildung 1

Abbildung 1: Über den Ordner-Manager legen Sie fest, welche Verzeichnisse Picasa in welchem Rhythmus indizieren darf.

Um Bilder aus Ihrer Digitalkamera auf den Rechner zu kopieren, klicken Sie im Hauptfenster links oben auf den Schalter Importieren. Nach der Wahl der Importquelle kopiert Picasa die Dateien in den zuvor definierten Import-Ordner. Es berücksichtigt dabei automatisch bereits vorhandene Bilder, und schließt in der Grundeinstellung deren neuerlichen Import aus. Wünschen Sie diesen dennoch, entfernen Sie das Häkchen neben Duplikate ausschließen.

Verwalten und anzeigen

Picasa verwendet zum Verwalten von Bildern die drei Kategorien Sammlung, Ordner und Alben. Bei der Sammlung handelt es sich um eine Oberkategorie, die sowohl Alben als auch Ordner enthalten darf. Möchten Sie eine Sammlung mit einem Passwort versehen, klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen Sie aus dem Kontextmenü Passwort hinzufügen/ändern....

Als Ordner definiert Picasa real existierende Verzeichnisse des Rechners. Alben hingegen sind virtuelle Verzeichnisse, die Bilder aus beliebigen Ordnern enthalten können. So ermöglicht diese Aufteilung beispielsweise, die Ordner nach Datum zu benennen, während Sie Bilder daraus in Alben bestimmten Themen zuordnen.

Auf der linken Seite des Hauptfensters listet das Programm in der so genannten Bibliothek die gescannten Ordner nach Datum sortiert auf. Ein Klick auf das dritte Icon von links neben Bibliothek wechselt die Ansicht in eine Baumstruktur. Sie zeigt die Verzeichnisse hierarchisch angeordnet an, so wie sie sich auf der Festplatte befinden. Ein Klick auf ein Verzeichnis öffnet im rechten Fensterabschnitt die Thumbnail-Vorschau der enthaltenen Bilddateien.

Um die Beschreibung von Ordnern und Alben zu ändern, klicken Sie mit der linken Maustaste auf die Einträge und wählen aus dem Kontextmenü Beschreibung ändern.... Das Fenster ermöglicht das Eingeben von Datum und Ort der Aufnahme sowie zusätzlicher Informationen. Picasa erlaubt das Setzen von Schlagwörtern auch für mehrere Bilder gleichzeitig: Markieren Sie diese zunächst, indem Sie die gewünschten bei gedrückter [Strg]-Taste anklicken. Danach öffnen Sie Ansicht | Stichwörter und geben die passenden Schlagwörter ein.

Um die Bilder mit Unterschriften zu versehen, doppelklicken Sie auf das gewünschte Foto und öffnen es damit in der Bearbeitungsansicht. Klicken Sie danach auf den grauen Balken unter dem Bild und geben Sie die Bildunterschrift ein. Diese indiziert Picasa ebenso wie die Schlagwörter und die Ordnerbeschreibung über seine integrierte Suchmaschine.

Zur normalen Suche genügt es, in die Eingabezeile einen Begriff einzutippen. Noch währenddessen erscheinen darunter die Treffer. Gut versteckt unter Tools | Sonstiges | Suchen nach... bietet Picasa die Suche nach farbdominanten Bildern. So fördert die Anwahl von Blau alle Aufnahmen mit einem hohen Blauanteil zutage (Abbildung 2). Einfacher gestaltet sich die Farbsuche mit der Eingabe von color:"Farbe". Mögliche Farbwerte sind unter anderem red, green, blue, white und black. Mit dem Operanden iso: suchen Sie nach Bildern mit einer definierten Filmempfindlichkeit; focal: erlaubt die Suche nach Bildern, die mit einer bestimmten Brennweite aufgenommen wurden. Dieser Operand funktionierte im Test allerdings nicht.

Abbildung 2

Abbildung 2: Neben Dateinamen und Stichwörtern sucht Picasa nach Bildern mit dominanten Farbwerten oder einer bestimmten ISO-Empfindlichkeit.

Um die Bildreihenfolge in der Übersichtsansicht zu ändern, genügt es, sie via Drag & Drop an die gewünschte Stelle zu ziehen. Um erweiterte Informationen über das Bild anzuzeigen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Aufnahme und wählen aus dem Kontextmenü Eigenschaften. Sofern das Bild EXIF-Daten enthält, zeigt Picasa sie an. Die Timeline-Funktion ermöglicht es, die Bilder in einer animierten Zeitleiste anzuzeigen. Ein Klick auf das gewünschte Album öffnet die Diaschau, die Sie auch beim Klick auf den gleichnamigen Schalter im Hauptfenster starten.

Bearbeiten

Mit einem Doppelklick auf das gewünschte Bild in der Übersicht schaltet Picasa in die Vollfenster- und Editieransicht (Abbildung 3). Links neben dem Bild finden Sie diverse Schalter und Regler, mit dem Sie unter anderem die Helligkeit einstellen, Farbkorrekturen vornehmen und das Bild ausrichten. Hinter dem Reiter Effekte verbergen sich diverse Funktionen, mit dem Sie das Bild künstlerisch nachbearbeiten. So fügen Sie ihm beispielsweise einen Farbverlauf hinzu oder verändern die Farbe nach Sepia oder Schwarz-Weiß.

Die vergleichsweise mager ausgestatteten Editierfunktionen stellen allerdings allenfalls ambitionierte Hobby-Knipser zufrieden. So erlaubt beispielsweise die Helligkeitskorrektur lediglich das Aufhellen, nicht jedoch das Abdunkeln von Aufnahmen. Den Kontrast stellt ausschließlich eine Automatikfunktion ein, eine manuelle Korrektur ist nicht möglich.

Abbildung 3

Abbildung 3: Der Bearbeitungsmodus von Picasa bietet zwar verhältnismäßig wenige Eingriffsmöglichkeiten, ist dafür aber sehr einfach zu bedienen.

Um unteren Bildrand finden Sie einen Schieberegler, mit dem Sie die Ansicht der Aufnahme vergrößern oder verkleinern. Alternativ klicken Sie in das Bild und bewegen den Cursor ein Stück, um die Aufnahme auf 100 Prozent zu vergrößern. Ein Klick auf den Schalter mit der Propellerkappe rechts neben den Größeneinstellungen blendet neben Aufnahmeinformationen ein Histogramm ein, das die Helligkeits- und Farbverteilung im Bild anzeigt.

Möchten Sie mehrere Bilder mit den gleichen Einstellungen bearbeiten, markieren Sie diese und öffnen im Menü Bild | Satz-Bearbeitung. Zur Auswahl stehen eine Auswahl an Werkzeugen aus dem Bearbeitungsfenster, etwa Kontrast (automatisch) oder Scharf stellen. Als weitere Möglichkeit, mehrere Bilder gleichzeitig zu bearbeiten, editieren Sie referenziell eines davon und klicken danach auf Bearbeiten | Alle Effekte kopieren. Nun wählen Sie die Bilder, die Sie auf die gleiche Weise verändern möchten, und gehen danach auf Bearbeiten | Alle Effekte einfügen. Anders als die Namensgebung vermuten lässt, überträgt dieses Werkzeug nicht nur Effekte, sondern sämtliche Bildmodifikationen auf andere Aufnahmen.

Nach jedem Bearbeiten eines Bildes speichert Picasa zunächst nur die Einstellungen und übernimmt sie noch nicht ins Bild. Erst ein Klick auf den Schalter Änderungen speichern in der Thumbnail-Ansicht wendet sie auf das Bild an. Dabei erstellt die Software eine Kopie der Aufnahme und verschiebt das unveränderte Original in das Unterverzeichnis Originals/, das Picasa nicht indiziert.

Transfer

Picasa agiert nicht nur lokal, sondern verfügt vielfältige Möglichkeiten, die Dateien zu versenden. Möchten Sie Ihre Fotos der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, bietet Ihnen Google einen kostenfreien Account von Picasaweb [4]. Um die Bilder hochzuladen, genügt es, die gewünschten auszuwählen und danach den Schalter Webalbum am unteren Fensterrand anzuklicken (Abbildung 4). Besitzen Sie bereits ein Konto, wählen nur noch die gewünschte Auflösung und das Verzeichnis aus, in dem die Bilder auf dem Webservice gespeichert werden.

Abbildung 4

Abbildung 4: Der Uploadmanager von Picasa transferiert auf Knopfdruck Bilder zum Onlinedienst Picasaweb.

Auch Bloggern hilft Picasa beim Hochladen der Bilder. Allerdings unterstützt Picasa wie beim Webalbum lediglich die Hausmarke Blogspot [5]. Möchten Sie die Bilder lieber auf Ihrem eigenen Webspace hosten, klicken Sie im Menü Ordner | Als HTML-Seite exportieren. Die Software bettet dann die gewählten Bilder samt Thumbnails in eine Webseite ein.

Um Ihre Bild an ein Fotolabor zu senden, klicken Sie auf den Schalter Abzüge. Die Software zeigt danach eine Auswahl an Anbietern, aus denen Sie den passenden wählen.

Sonstiges

Möchten Sie Ihre Bilder an Freunde und Bekannte weitergeben, erstellen Sie aus den Fotos eine Geschenk-CD, indem Sie auf die entsprechende Schaltfläche unter der Menüleiste klicken. Picasa erstellt dann ein ISO-Image, das neben den Bildern auch die Präsentationssoftware PicasaCD.exe enthält und auf Windows-Rechnern automatisch die enthaltenen Ordner als Collage darstellt. Ein Klick darauf öffnet die Bilder in der Slideshow. Linux-Anwender starten die Software mit Wine.

Einen deutlich höheren Nutzwert hat allerdings die Backup-Funktion, die Sie im Menü unter Tools | Bilder sichern... aufrufen. Neben den Ordnern erscheint dann eine Checkbox, über die Sie festlegen, welche Sie sichern möchten. Zur Auswahl stehen neben dem Voll- auch das inkrementelle Backup, das nur solche Daten berücksichtigt, die bisher noch nicht gesichert wurden. Allerdings erstellt Picasa auch hier lediglich eine ISO-Datei und brennt die Informationen nicht direkt auf CD oder DVD, wie der Schalter Brennen suggeriert.

Fazit

Die Google-Software Picasa bietet nicht nur reichlich Features, um Bilder zu verwalten sondern auch eine Menge Zusatzfunktionen, etwa den integrierten Uploader, um die Bilder direkt zum Entwickeln zu schicken oder im Webalbum zu veröffentlichen. Die integrierte Bildbearbeitung deckt zwar nur die notwendigsten Funktionen ab, lässt sich dafür allerdings leicht bedienen und unterstützt eine Stapelverarbeitung.

Glossar

EXIF

Exchangeable Image File Format. Technische Informationen, welche die Kamera bei der Aufnahme in das Metadatenfeld des Bildes schreibt. Sie enthalten unter anderem Angaben zum Kameratyp, Brennweite, Blende und Belichtungszeit.

Infos

[1] Picasa: http://picasa.google.de

[2] Picasa Download: http://picasa.google.com/linux/download.html

[3] Google-Repository einbinden: http://www.google.com/linuxrepositories/

[4] Picasaweb: http://picasaweb.google.de

[5] Blogspot: http://blogspot.com

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