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Spielesammlung Genesis für behinderte und nicht behinderte Menschen

Gemeinsam am Drücker

Menschen mit Behinderungen bleiben am Computer oft außen vor. Mit dem Spiel Genesis eröffnen sich für diese Zielgruppe neue Möglichkeiten.

Spiel- und Lernprogramme für Kinder und Jugendliche gibt es für Linux inzwischen in großer Zahl. Für die Kleinsten ab einem Alter von drei Jahren haben sich zudem zwei komplette Spielesammlungen, Childsplay und Gcompris, fest unter dem freien Betriebssystem etabliert. Junge Anwender mit Behinderungen allerdings schauten bislang unter Linux meist in die Röhre, weil das Spektrum an Beeinträchtigungen sehr komplex ausfällt und sich das Entwickeln dementsprechender Hilfen äußerst aufwändig gestaltet.

Um diesem Defizit abzuhelfen, haben sich die Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg und die Katholische Fachhochschule Freiburg zusammengetan, um in einem interdisziplinären Projekt eine Spiel- und Lernsoftware für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. In dieses Projekt brachte die Ohm-Fachhochschule einen reichhaltigen Fundus an Wissen und Erfahrungen ein: Die Nürnberger entwickeln bereits seit 1986 Lern- und Lebenshilfen für behinderte Menschen.

Seit 1994 gehört zudem die Frühförderung schwerstbehinderter Kinder zu den an der Hochschule fest institutionalisierten Aufgaben. Dabei legte das Institut von Anfang an großen Wert darauf, alle Disziplinen und Beteiligten miteinzubeziehen. So arbeiten hier Soft- und Hardware-Entwickler, Medientechniker, Pädagogen, Therapeuten und Eltern ganz selbstverständlich zusammen. Im Rahmen der Kooperation der beiden Hochschulen arbeiteten sechs Professoren und über 30 wissenschaftliche Mitarbeiter, studentische Hilfskräfte und Zivildienstleistende in dem Projekt zusammen.

Hochgesteckte Ziele

Mit dem Startschuss des Genesis-Projektes wollten die Beteiligten keineswegs nur neue Spiele für Behinderte aus der Taufe heben, sondern ein Medium entwickeln, das Beeinträchtigungen verschiedenster Art kompensiert und zusätzlich das Miteinander Behinderter und Nichtbehinderter fördert. Das Projekt hat darüber hinaus das Potenzial, einen Beitrag zur individuellen Entwicklung kleiner Kinder zu leisten, da es einen kindgerechten, spielerischen Lernansatz verfolgt.

Um diese anspruchsvollen Ziele zu erreichen, mussten die Projektteilnehmer neue Wege beschreiten: Zum einen galt es, eine Oberfläche zu konzipieren, die sich an den Bedürfnissen der Anwender orientiert. Besonders bei Software für Kinder und Jugendliche kommt dieser eine wichtige Rolle zu als Anreiz für den eigenständigen Umgang mit den Programm. Zum anderen galt es, speziell für die beeinträchtigten Nutzer vorhandene und neu zu entwickelnde Eingabegeräte in die Software zu integrieren.

Um ein einfaches Portieren zu erleichtern, gehörte zudem der Einsatz einer plattformunabhängigen Entwicklungsumgebung zum Pflichtprogramm. Darüber hinaus stand das Konzipieren passender Anwendungen, Spiele und Übungen unter pädagogischen Aspekten im Fokus. Heraus kam nach mehrjähriger Planungs-, Entwicklungs- und Testphase ein derzeit rund 240 MByte großes Programmpaket namens Genesis, das die Beteiligten unter der GPL veröffentlichten, und das nunmehr zum freien Download bereitsteht [1].

Installation

Nach dem Herunterladen des Paketarchivs öffnen Sie dieses über ein Schnellstart-Fenster, das Sie mit der Tastenkombination [Alt]+[F2] aktivieren; das Öffnen im Terminal schlägt fehl.

Innerhalb weniger Sekunden liegen die Daten im Dateisystem, und anschließend startet ohne weiteres Zutun der Genesis-eigene Installer. Er bietet zunächst eine Sprachauswahl an. Derzeit stehen Sprachpakete in Englisch und Deutsch bereit. Die Auswahl bezieht sich dabei nicht auf die Spiele selbst, sondern dient derzeit lediglich für den Installer. Nach der ersten Auswahl öffnet sich ein Fenster, in dem Sie sehr übersichtlich einige Einstellungen, wie Pfadangaben und Installationskomponenten festlegen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Dank des übersichtlichen Installers haben Sie Genesis schnell auf die Festplatte installiert.

Nach dem individuellen Anpassen der Optionen hebt der Installer die Daten auf die Platte und löscht nach getaner Arbeit die temporären Dateien. Je nach Hardware dauert das Setup einige Minuten. Im letzten Schritt stellt der Installer Sie vor die Wahl, ob Sie das Setup verlassen und zur Arbeitsoberfläche zurückkehren oder gleich Genesis starten möchten.

Für spätere Aufrufe des eigentlichen Programms legt die Routine automatisch eigene Einträge in den Menüs der aktuellen Bedienoberfläche an: So finden Sie beispielsweise unter Gnome insgesamt sechs neue Genesis-Einträge im Menü Anwendungen | Sonstige, unter XFCE im Menü Applikationen | Andere. Neben dem eigentlichen Player, der die Spiele enthält, dienen weitere Menüpunkte dem reibungslosen Update der Programme und der vollständigen Deinstallation.

Der Medientauscher dient dazu, menügeführt eigene Anpassungen vorzunehmen. So erlaubt es die Software beispielsweise, die für die vorhandenen Memory-Spiele vorgegebenen Kartensätze um weitere Bilder oder Fotos zu ergänzen und so das Spiel individuell anzupassen. Zwei weitere Menüpunkte führen zu den Handbüchern für den Player und den Medientauscher: Klicken Sie diese an, öffnen sich die entsprechenden Dokumente im PDF-Format.

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