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Ganz nett

Das Acer-Netbook Aspire One 110L

01.10.2008 Das One 110L sieht toll aus, bootet unglaublich schnell und fühlt sich überhaupt sehr gut an. Das perfekte Linux-Netbook – wären da nicht ein paar kleine Schönheitsfehler.

Mit einem Preis von 330 Euro, dem 9-Zoll-Display und einer 8-GByte-SSD bietet sich das Aspire One für alle an, denen der Eee-PC 701 zu klein und das Aldi/Medion-Netbook [1] zu teuer ist. Der Rechner bringt einen auf 1,6 GHz getakteten Atom-Prozessor und 512 MByte Hauptspeicher mit, als Festplatte kommt eine 8 GByte große Solid State Disk zum Einsatz. Das spiegelnde, aber brillante 8,9-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1024x600 Bildpunkten steuert ein GMA945-Chip von Intel an.

Das WLAN-Modul stammt von Atheros (AR5006EG). Es beherrscht die Modi 802.11b/g und WPA2-Verschlüsselung. Die Fast-Ethernet-Karte und der Soundchip sind von Realtek. Die Webcam mit 1,3 Megapixeln listet lsusb als Acer Crystal Eye Webcam. Die nächste Serie der Aspire-One-Geräte will Acer mit einem SIM-Kartenslot und einem GSM-Modul ausstatten, so dass Sie damit auch ohne WLAN im Internet surfen können. Der entsprechende Schacht befindet sich bereits auf der Geräterückseite, auch die Systeminformationen führen auf dem Reiter Netzwerk den Menüpunkt 3G/WiMax auf.

Acer liefert das Gerät mit einer speziell auf den Aspire One angepassten Version von Linpus Linux Lite [2] aus, die mit Bootzeiten von unter 20 Sekunden überzeugt. Die auf XFCE basierende und mit diversen KDE- und Gtk-Programmen gespickte grafische Oberfläche lässt sich einfach bedienen, die Programmauswahl hat Acer allerdings stark beschränkt. Auch ein Wechsel zu einem kompletten XFCE-Desktop mit Dock ist nicht möglich, der Nutzer bleibt auf die vereinfachte Oberfläche beschränkt. Linpus Lite unterstützt sämtliche Hardwarekomponenten sowie Suspend-Modi des Aspire One inklusive Hotkeys perfekt, Nacharbeiten sind nicht notwendig.

Gut gemacht

Dank KPowersave unterstützt das Notebook auch die Autosuspend-Funktion. Nehmen Sie über 30 Minuten keine Arbeiten vor, versetzt das Tool den Aspire One automatisch in den Suspend-to-RAM-Modus. Das sehr einfach gehaltene Menü (Abbildung 1) zeigt für jeden Themenbereich drei Einträge an. Per Klick auf das Pfeilsymbol sehen Sie weitere Programme der gleichen Kategorie und die Favoriteneinträge. In dieser Ansicht ziehen Sie einfach das gewünschte Symbol per Drag & Drop auf die Favoriten, das dritte Symbol fällt dann automatisch aus dem Favoritenmenü heraus.

Abbildung 1: Die Linpus-Lite-Version des Aspire One unterscheidet sich im Design und in der Programmauswahl grundlegend von der freien Variante.

Die Programme hat Acer bunt gemischt und eine durchaus gute Auswahl aus KDE, Gtk. XFCE und kommerziellen Anwendungen getroffen. Unter den Spielen finden sich so neben den Klassikern Frozen-Bubble und LTris auch einige sehr hübsche, aber kommerzielle Tools. Hinter Einstellungen | Power Center steckt einfach KPowersave, ein Klick auf Eingabesprachen das SCIM-Tool von Gnome.

Der Rechner braucht im Normalbetrieb rund 13 Watt, unter Last steigt der Stromverbraucht auf 20 Watt an. Die Akkulaufzeit liegt zwischen zwei und drei Stunden, je nachdem wie hell das Display eingestellt ist und ob Sie WLAN nutzen. Acer hat dem Aspire One zwei Kartenleser spendiert. Der SD-Slot auf der linken Seite dient als Zusatz zur Festplatte. Das per ATA over USB integrierte Gerät bindet Linpus per Posix-Overlay ein [3]. Dabei handelt es sich um ein von Jan Engelhardt entwickeltes Dateisystem für FAT- und NTFS-Datenträger. Die Speicherkarte wird dabei transparent in den Linux-Dateisystembaum eingehängt und die zusätzlichen MByte stehen unter /home/user zur Verfügung. Der Kartenleser auf der linken Seite unterstützt Medien im SD-, MMC-, SDHC- und Memory-Stick-Format.

Kritikpunkte

Der eine oder andere Nutzer dürfte sich über die teilweise haarsträubenden Übersetzungsfehler oder schlicht fehlenden Übersetzungen aufregen (Abbildung 2), den insgesamt guten Eindruck der Linpus-Oberfläche kann dieser Umstand jedoch nicht zunichte machen. Mit einem Update ist hier schnell aufgeräumt. Anders sieht es mit den proprietären Programmen aus: One Mail (Abbildung 3) und One IM erfüllen ihren Zweck gut, aber es gibt zu den Programmen weder eine Produktseite noch den Quellcode. Auch war unsere Freude über die vielen tollen Spiele bald dahin, als wir bemerkten, dass es sich dabei nur um Demoversionen handelt.

Auf unsere Anfrage bezüglich der Lizenz von One Mail und Instant Messenger erhielten wir bis zum Redaktionsschluss keine Antwort von der Acer-Pressestelle. Auch an die Quellen von Linpus Lite zu gelangen, ist nicht ganz trivial. Sie finden Sie als Source-RPM auf dem FTP-Server von Linpus [4], allerdings nur die offiziellen Pakete, nicht die für den Aspire One angepassten, zudem fehlt just das passende Paket des Kernels. Updates für das Aspire One bietet der Update-Server von Linpus [5].

Abbildung 2: Die schlimmsten Übersetzungsfehler sind nach einem Update behoben. Die Abbildung zeigt den Zustand davor.

Abbildung 3: Das von Acer eigens für den Aspire One entwickelte Mail-Programm mit Kalender, Adressbuch und Newsreader.

Der Instant Messenger von Acer versteht sich zwar mit MSN, Yahoo, AIM und Google Talk, mangels Video-Support stellt er aber keinen kompletten Skype-Ersatz dar. Immerhin lässt sich das Fedora-6-Paket von der Skype-Homepage nach einem yum install qt4-x11 problemlos installieren und nutzen. Damit funktioniert auch der Videochat.

Ebenfalls nicht zu überzeugen vermögen Mediaplayer und Bildbetrachter: beides Eigenentwicklungen von Acer. Der Media Master spielt trotz MPlayer-Engine sehr viele Videoformate nicht ab. Zudem gelang es uns nicht, die Filme im Vollbildmodus zu betrachten. Unser Tipp: Starten Sie besser gleich gmplayer auf der Kommandozeile. Der Fotobetrachter bringt ebenfalls nur rudimentäre Funktionen mit, TIF-Bilder wollte er nicht darstellen, weil er das Dateiformat nicht kennt. Das Slideshow-Modul, welches als Bildschirmschoner automatisch die unter Photoframe gespeicherten Bilder anzeigt, hatte damit aber kein Problem.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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