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Dezentrale Software-Installation

Jeder darf mal

Ohne Root-Rechte ist das Installieren von Software meist ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen – mit Zero Install wird es zum Kinderspiel.

Die Werkzeugsammlung Zero Install (0install, [1]) setzt auf das Konzept eines dezentralisierten Installationssystems [2] und macht es jedem Anwender möglich, "seine" Software ohne Root-Rechte zu installieren. Das 0install-Toolkit wird von Dr. Thomas Leonard entwickelt, von dem auch der ROX-Desktop stammt.

Der Ausdruck "installieren" ist in diesem Fall allerdings etwas übertrieben, denn Zero Install führt die Programme direkt von einer Webseite aus, auf der sie liegen, wobei es sich gegebenenfalls auch um benötigte Abhängigkeiten kümmert. Für 0install konzipierte Programme liegen als so genanntes Application Directory vor und präsentieren sich dem Anwender als eine einzelne Datei. Ein ausgeklügeltes Caching soll dafür sorgen, dass diese Anwendungen genauso schnell laufen, als wären sie auf dem lokalen System installiert.

Um Anwender vor schädlicher Software zu schützen, setzt 0install auf diverse Sicherheitsmechanismen: Auf diesem Weg eingerichtete Programme haben nur auf Speicherbereiche des installierenden Anwenders Zugriff, sodass Mitbenutzer von eventueller Malware verschont bleiben, die ein User installiert hat. Bevor sich ein 0install-Programm von einem anderen Nutzer ausführen lässt, zeigt es die Webseite, von der es geladen wurde, sowie deren digitale Signatur an, die es vor dem Ausführen zu bestätigen gilt.

Sie finden 0install in den Repositories vieler Distributionen. Alternativ laden Sie es von der Projekthomepage [1] herunter und richten es manuell ein. Nach der Installation finden Sie in der Regel einen Eintrag für 0install im KDE- respektive Gnome-Programmmenü. Zwischen den einzelnen Distributionen klaffen erhebliche Versionsunterschiede – so bringt beispielsweise Debian "Etch" Version 0.34 mit, Ubuntu 8.04 liefert dagegen lediglich Release 0.31 von 0install. Wer also die neueste Version haben möchte, muss selbst Hand anlegen.

0install bietet mit Zero2Desktop an, für installierte Anwendungen Menüeinträge anzulegen. Dazu genügt es, wenn Sie Zero2Desktop starten (Anwendungen | Zubehör) und die URL der Anwendung in den Dialog eingeben oder aus der Navigationszeile des Browsers kopieren (Abbildung 1). Anschließend lädt Zero2Desktop die Anwendung gegebenenfalls herunter und fragt, in welcher Menükategorie der Eintrag erfolgen soll (Abbildung 2). (Mit Zero Install 0.31 funktionierte das allerdings nur von Fall zu Fall.)

Abbildung 1: Zero2Desktop fügt mit Zero Install heruntergeladene Programme dem Menü hinzu …
Abbildung 2: … und fragt dabei gleich nach der passenden Menükategorie für die Anwendung.

Sicherer läuft 0install auf der Kommandozeile, wo sie Anwendungen mittels des Befehls 0launch URL aufrufen. Startet eine Anwendung das erste Mal – sprich: ist sie im Cache noch nicht zu finden – lädt 0install sie herunter und führt sie dann aus. Da sich nur die Wenigsten ausufernde URLs merken können, liegt der Toolsammlung das Skript 0alias bei, das aus sperrigen URLs über den Aufruf 0alias AliasURL flugs leicht zu merkende Aliase erstellt und diese im Verzeichnis ~/bin/ des Aufrufers ablegt.

Zusätzlich zu den erwähnten Tools und Skripten rund um 0install gibt es noch eine Sammlung externer Tools, die beispielsweise Debian-Pakete zu 0install-Packages umarbeiten, Quelltexte kompilieren oder im Cache gespeicherte Programme anderen Nutzern zugänglich machen [3].

Fazit

Zwar erscheint die Idee hinter Zero Install sehr praktisch, hat sich aber bisher in der Praxis nicht durchgesetzt. Auf unserer Pirsch nach 0install-kompatiblen Paketen fanden wir zwar eine Sammlung [4] auf der Zero-Install-Webseite, doch die meisten Programme waren hier schon hoffnungslos veraltet. Wir konnten auch kein einziges Softwareprojekt ausfindig machen, das auf seiner Download-Seite 0install-Pakete anbietet – schade eigentlich.

Glossar

Application Directory

Eine lauffähige Zusammenstellung aus Software und weiteren Ressourcen, die sich als einzelne Datei darstellt. Solche Konzepte fanden und finden sich unter anderem in GNUstep, Mac OS X ("Bundles"), Nextstep und Risc OS.

Infos

[1] Zero Install: http://0install.net/

[2] Dezentrale Installationssysteme: http://osnews.com/story/16956/Decentralised-Installation-Systems

[3] 0install-Anwendungen teilen: http://0install.net/sharing.html

[4] Sammlung 0install-kompatibler Pakete: http://0install.net/injector-feeds.html

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