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Enterprise-Klon

RHEL-Derivat CentOS 5.2

15.01.2009
Beim Stichwort "Enterprise Linux" denkt man an einen biederen, veralteten KDE- oder Gnome-Destop – genau so sieht auch CentOS aus. Die Distribution ist aber alles andere als bieder.

Wer auf dem heimischen Rechner Red Hat benutzen möchte, wird in der Regel an das Fedora-Projekt verwiesen. Es gibt jedoch auch einen freien und kompletten Ersatz für das kommerzielle Red Hat Enterprise Linux: CentOS. Die Distribution hat es sich zum Ziel gesetzt, das Enterprise-System von Red Hat perfekt zu klonen. Dazu benutzt CentOS die SRPM-Pakete der jeweiligen RHEL-Version und baut daraus eine komplette Distribution – allerdings ohne Red-Hat-Logos.

SRPM: Die Source-RPM-Pakete enthalten den Quellcode und sämtliche Informationen zu distributionsspezifischen Änderungen. Aus einem SRPM lässt sich relativ einfach ein binäres RPM erstellen.

Server und Desktop

CentOS gibt es auf der Projekt-Homepage [1] und zahlreichen Spiegelservern für i386- und x86_64-Systeme als Installations-DVD, Live-CD und Netinstall-CD. Die Live-CD-Version finden Sie auch auf der Heft-DVD. Spezielle Versionen unter anderem für PowerPC und Sparc sind in Planung. Während Red Hat Server- und Desktop-Versionen seines Enterprise Linux vertreibt, gibt es von CentOS nur eine Variante sowie ein Repository.

Die Live-CD eignet sich aber eher als Installationsmedium für Desktops, die DVD dagegen mehr für Server. So bringt die Live-CD zum Beispiel auch Scribus, Gimp und K3b mit. Die RPM-Pakete sind aber auf beiden Datenträgern identisch. Eine kurze Übersicht über die Hauptkomponenten gibt die Tabelle "Versionsnummern". Eine Installation aus dem laufenden System heraus oder im grafischen Modus bietet die Live-CD nicht an – im Bootmenü finden Sie aber auch einen Eintrag für die Netzwerkinstallation.

Als Installationsprogramm auf der DVD setzt CentOS Anaconda ein. Den grafischen Installer zu verwenden, macht erst ab 512 MByte Hauptspeicher Sinn. Unter 256 MByte RAM startet die Installation automatisch im Textmodus und aktiviert je nach Bedarf den Swap-Bereich. Auch für den Einsatz der Live-CD sollte Ihr Rechner mindestens 512 MByte Hauptspeicher mitbringen.

Versionsnummern

Kernel 2.6.18
Gnome 2.16
X.org 7.1
GCC 4.1
Samba 3.0.28
NFS 1.0.9 (NFSv4)

Benutzer von CentOS 5.0 oder 5.1 spielen das neue System einfach über yum upgrade ein, sofern die Repository-Datei CentOS-Base.repo unverändert ist. Bei älteren CentOS-Versionen empfehlen die Entwickler eine Neuinstallation. Die Release-Notes zur aktuellen Version [2] decken sich weitgehend mit den Versionshinweisen von RHEL 5.2, die Dokumentation zu den neu hinzugekommenen und aufgefrischten Paketen [3] stammt direkt von Red Hat.

Stabil und cool

Obwohl der Gnome-Desktop von CentOS im direkten Vergleich zu Fedora 9 etwas bieder aussieht und leicht veraltet wirkt, bringt die Enterprise-Distribution auch aktuelle Software mit – darunter Firefox 3.0, Thunderbird 2.0, OpenOffice 2.3 und Evolution 2.12. Einer der Hauptentwickler von CentOS, der Niederländer Dag Wieërs, dürfte Fedora-Nutzern ein Begriff sein: Er stellt ein Repository mit sämtlichen Programmen bereit, die Red Hat aus juristischen Gründen nicht verbreiten darf oder will. Die RHEL-Pakete aus seinem Repository passen perfekt zu CentOS, so dass sich die Distribution auch im Multimedia-Bereich nicht vor der Konkurrenz zu verstecken braucht.

CentOS richtet sich aber in erster Linie an Benutzer, die viel Wert auf ein stabiles und langfristig unterstütztes System legen. Da die Entwickler auch sämtliche Updates von Red Hat Enterprise Linux zum freien Download anbieten, kommen Sie so mit dem eben erschienenen Release 5.2 bis ins Jahr 2014 an Sicherheitsupdates: Da können selbst "Long-Term-Support"-Distributionen nicht mithalten.

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://www.centos.org

[2] Hinweise zur aktuellen Version: http://wiki.centos.org/Manuals/ReleaseNotes/CentOS5.2/

[3] Änderungen an den Paketen: http://www.centos.org/docs/5/html/5.2/Package_Manifest/index.html

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