Lust auf etwas Süßes? Mit Sabayon 3.5 bekommen Sie Linux vom Feinsten mit einer frischen Programmauswahl auf einer spritzigen Gentoo-Basis. Sie finden Release 3.5 vom 1. Juli 2008 auf der Heft-DVD. Die Distribution lässt sich als Live-Medium testen oder gleich installieren.
Forza Azurra!
Sabayon [1] kommt aus Italien. Das merkt man spätestens, wenn man das mittelmeerblaue Theme des Installers sieht. Der Sabayon-Installer führt Sie über rund zehn Dialoge im klassischen Stil durch die Installation: Sie wählen die Zeitzone aus, richten den Benutzer- und Root-Account ein und legen die Partitionierung fest. Im Unterschied zu den Mainstream-Distributionen bietet Sabayon neben der Systemauswahl (KDE, XFCE, Gnome, EeePC) zwei weitere Paketauswahl-Dialoge an. Der ersten ordnet die Pakete nach Gruppen (Abbildung 1): Hier müssen Sie Gnome, XFCE und weitere Fenstermanager explizit abwählen, falls Sie diese nicht installieren möchten. Scrollen Sie ganz nach unten, finden Sie auch einen Eintrag, um ein schlankes Serversystem einzurichten. Der zweite Dialog (Abbildung 2) listet nochmals sämtliche Pakete auf.
Leider kommt der Kontrast bei den Blau-in-Blau-Dialogen manchmal etwas zu kurz, die einzelnen Schritte lassen sich aber trotzdem bewältigen. Als Bootloader setzt Sabayon auf Grub: Weitere Linux-Distributionen auf dem Rechner müssen Sie allerdings von Hand einbinden. Dies gilt auch für bestehende Swap-Partitionen.
Neben den üblichen Installationsvarianten per Live-DVD, im Text- oder Grafikmodus bringt das Bootmenü von Sabayon zwei zusätzliche Einträge mit. Über EeePC Boot startet das System mit der auf den EeePC zugeschnittenen Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten eine besonderen Installer. Dieses Feature gilt aber noch als experimentell, und in den Tests gelang es uns nicht, Sabayon auf diese Weise auf dem EeePC zu installieren. Anonymous Internet Browsing startet ein minimales grafisches Live-System für den Internetzugang. Es bringt den Anonymisierungsdienst Tor mit. Um mehr oder minder unerkannt im Internet zu surfen, starten Sie Konqueror hier über den Befehl torify konqueror. Die Geschwindigkeit des Netzanschlusses über Tor lässt allerdings zu wünschen übrig.
Je nach Umfang und Rechnerausstattung dauert das Einspielen der Pakete zwischen 20 Minuten und einer Stunde. Danach erscheint der Login-Bildschirm der ausgewählten Desktop-Oberfläche. Auch er präsentiert sich in einem sehr angenehm gehaltenen Blau (Abbildung 3).
Fette Platte
Wie viele Programme tatsächlich auf eine DVD passen, zeigt Sabayon mit einer normalen Installation. Selbst wenn Sie den KDE-Desktop als primäre Arbeitsumgebung auswählen, richtet das Installationsprogramm auch Gnome und XFCE ein. Ändern Sie die Einstellungen während der Installation nicht, belegt die italienische Distribution rund 10 GByte Plattenplatz mit Beschlag; markieren Sie zusätzlich die 3D-Spiele, steigt die Zahl auf 14 GByte. Nehmen Sie deshalb den Warnhinweis des Installers bezüglich des freien Plattenplatzes ernst (Abbildung 4).
Obwohl es zur Strategie von Sabayon gehört, so viele Programme wie möglich zu installieren, lässt sich nicht ganz nachvollziehen, warum die Distribution auch sämtliche Sprachpakete einrichtet. Kaum ein Benutzer benötigt Manpages, OpenOffice, KDE, Gnome und Firefox in 52 Sprachen. Damit ließen sich auf einem Standardsystem rund ein bis zwei GByte sparen. Die Deinstallation der Pakete über den Sabayon-Paketmanager Spritz verlangt hingegen sehr viel Fleißarbeit, da Sie sämtliche Pakete einzeln abwählen müssen. Für Rechner mit kleinerer Festplatte und weniger Leistung gibt es die Version Sabayon Pod (ehemals "Mini Edition") [2]. Sie passt auf eine 700-MByte-CD und setzt auf XFCE als Desktop.



