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Linux im Gepäck

Internet-Tablet Nokia N810 im Test

01.09.2008
Mit dem N770 überraschte Nokia die Fachwelt. Das N810 – die dritte Generation des Internet-Tablets – kommt weniger aufsehenerregend, aber dafür um so ausgereifter daher.

Wer viel surft und einerseits nicht auf ein unhandliches Notebook zurückgreifen, aber sich andererseits auch nicht die Augen mit kleinen Handy-Displays verderben möchte, der landet früher oder später bei den so genannten Internet-Tablets. Einen auf Linux basierenden Vertreter dieser Art mobiler Geräte hat Nokia mit dem N810 im Angebot.

Das N810 kommt mit Nokia-typischen Beigaben daher: In der Schachtel liegen neben dem eigentlichen Gerät und dem Akku ein Micro-USB-Kabel, ein Headset, das Ladegerät und zwei Eingabestifte sowie ein Gerätehalter für die Frontscheibe im Auto. Auch eine Tasche aus echtem Leder gehört zum Lieferumfang. Das Gerät erscheint sehr gut verarbeitet, die verbauten Materialien hochwertig. Das Gehäuse besteht beispielsweise aus Metall – das schützt ausgezeichnet bei einem Sturz auf harten Untergrund.

Zum Aufstellen verfügt das N810 wie sein Vorgänger über einen stabilen Metallbügel (Abbildung 1). So haben Sie, wenn das Gerät auf dem Tisch steht, beispielsweise eingehende Nachrichten immer im Blick haben. Ebenfalls von den Vorgängern übernommen hat Nokia die Displaygröße von 800 x 480 Pixel.

Abbildung 1: Auf der Geräteoberseite des N810 befinden sich neben An/Aus-Schalter und dem Schieber für die Tastensperre drei weitere Tasten für Lautstärke und Ansichtsmodus.

Damit finden die Gemeinsamkeiten aber auch schon ein Ende. Der Hersteller ordnete die Tasten auf der Oberseite neu an und spendierte dem Internet-Tablet eine aufschiebbare Tastatur (Abbildung 2). Sie leistet gute Dienste, bedarf allerdings einer kurzen Eingewöhnungszeit, da die Tastenpositionen nicht der auf einer herkömmlichen Tastatur entsprechen.

Abbildung 2: Das kleine Loch über der Kamera-Linse ist der Helligkeitssensor. Er regelt in Abhängigkeit vom Umgebungslicht automatisch die Helligkeit des Displays.

Zudem hat Nokia die Tasten zum Teil mehrfach belegt, was den einen oder anderen Blick beim Schreiben nötig macht. Wem die Ausziehtastatur nicht zusagt, der greift auf die Bildschirmtastatur zurück: Die blendet das N810 automatisch ein, sobald Sie ein Eingabefeld auswählen, während das Gerät zusammengeschoben ist.

Schneller und stärker

Auch im Inneren des neuen Tablets von Nokia erinnert wenig an den Vorgänger (siehe Tabelle "Nokia N810"). Die OMAP-2420-CPU von Texas Instruments arbeitet mit 400 MHz, der Flashspeicher wuchs auf zwei GByte. Noch mehr Speicherplatz erlaubt der Mini-SD-Karteneinschub. Er unterstützt die jüngste Kartengeneration SDHC mit bis zu acht Gigabyte Kapazität. Zum den WLAN- und Bluetooth-Modulen gesellt sich nun ein GPS-Chip, der das Gerät in ein vollwertiges Navigationssystem verwandelt. Den Ton gibt das N810 über zwei integrierte Lautsprecher wieder, die für ihre Größe erstaunlich gut klingen.

Nokia N810

Prozessor: TI OMAP 2420, 400 MHz
RAM: 128 MByte, 128 MByte Virtual RAM (variabel)
Speicher: 2 GByte Flash
Größe: 72 x 128 x 14 mm
Gewicht: 226 g
Support/Garantie: 24 Monate/24 Monate
Preis: 409 Euro
Display (Technik): 4,13 Zoll (TFT)
Auflösung: 800 x 480 Pixel
Helligkeit einstellbar: ja
WLAN: 802.11 b/g
abschaltbar: ja
Bluetooth (Version): ja (2.0 + EDR)
USB: 1 x USB 2.0 (Micro-USB)
Sound: kombinierter Kopfhörer- und Mikrofon-Anschluss
Akku-Typ: Lithium-Ionen
Kapazität: 1050 mAh
Laufzeit: Betrieb ca. 270 min, Standby knapp 14 Tage
Besonderheiten Kamera, GPS-Empfänger, SD(HC)-Steckplatz, Umgebungslichtsensor, integrierte Stereo-Lautsprecher und Mikrofon, Schutztasche

Bezüglich des Betriebssystems überraschte Hersteller Nokia mit seinem Erstling N770: Damals war statt des bei Nokia üblichen Symbian-Systems ein Linux installiert. Auch beim N810 setzen die Finnen auf die Distribution Maemo. Das aktuelle Maemo OS2008 basiert auf Debian und enthält eine vollwertige Linux-Distribution, in der sich Debian-Benutzer schnell zurechtfinden. Hinsichtlich der Benutzeroberfläche setzt Nokia auf GTK (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit kleinen Widgets gestalten Sie einen individuellen Maemo-Desktop.

Das Maemo-OS bringt eine Vielzahl vorinstallierter Anwendungen mit. Darunter finden sich ein vollwertiger, auf Mozilla basierender Webbrowser mit Javascript- und Flash-9-Support (Abbildung 4), verschiedene Mediaplayer und eine Kartensoftware. Es fehlen jedoch einfache Office-Anwendungen sowie Möglichkeiten zum Bearbeiten von Dokumenten, Verwalten von Kontakten und auch ein Kalender.

Abbildung 4: Auch ohne Skalieren zeigt der installierte Browser Webseiten leserlich an.

Reichlich Software

Beim Nachinstallieren von Software zeigen sich die Vorteile eines Linux-Systems: Neue Anwendungen für das handliche Internet-Tablet steht allerorten im Internet bereit. Fehlt das gewünschte Tool in den vorinstallierten Paketquellen, finden Sie fast immer einen Ersatz samt Hinweisen zur Installation im Netz. Allein über die Maemo-Website [1] kommen Sie zu unzähligen Programmen, wie zum Beispiel zum Messenger Pidgin.

Eine besonders große Zahl von Paketen hat der bekennende Nokia-Internet-Tablet-Fan Jörg Gronmayer zusammengetragen. Auf seiner Webseite [2] listet er 50 verschiedene Repositories auf. Ein Besonderheit der Site: Per Maus klicken Sie sich Ihre ganz eigene Kollektion zusammen und spielen diese bequem über das Softwaremanagement (Abbildung 5) des N810 ein.

Abbildung 5: Das Paketmanagement auf dem N810 basiert auf Apt und funktioniert ganz ähnlich wie Aptitude.

Auch für die beiden Vorgängermodelle N800 und N770 bietet Gronmayer diesen Service an. Weitere Kataloge haben User im Community-Wiki [3] auf der Maemo-Seite zusammengetragen. Was absolut nicht zu finden ist, ließe sich unter Umständen mit etwas Aufwand auf das N810 portieren – die passenden Tools zum Entwickeln stellt der Hersteller über seine Website bereit [4].

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