Während die großen Arbeitsoberflächen Gnome, KDE und XFCE bereits von Haus aus für den Alltagsbetrieb geeignete grafische Dateimanager mitbringen, gibt es speziell bei schlanken Linux-Distributionen, die auf schnelle und ressourcenschonende Windowmanager wie JWM oder Fluxbox setzen, in Sachen Dateiverwaltung für manche Aufgaben noch nicht das optimale Werkzeug. Hier setzt der Dateiverwalter Endeavour Mark II ([1],[2]) an, der bei niedrigen Anforderungen an die Hardware den Anwender wunschlos glücklich machen möchte.

Das Programm präsentiert nach sehr schnellem Start ein übersichtliches, zweigeteilten Fenster, an dessen oberen Rand ein Menü sowie eine Schalterleiste residieren (Abbildung 1). Aufgrund der von Endeavour verwendeten veralteten Gtk-1.2-Bibliotheken wirkt das optische Erscheinungsbild etwas rustikal, was jedoch der Funktionalität keinen Abbruch tut.

Abbildung 1: Die Oberfläche von Endeavour präsentiert sich übersichtlich und ohne Schnickschnack.

Die Schalterleiste ermöglicht einen schnellen Aufruf der wichtigsten Funktionen. Bei Bedarf passen Sie diese individuell an. Geht Ihnen das Arbeiten mit der Maus innerhalb der Dateiverwaltung nicht flott genug, helfen die vielen Tastenkombinationen weiter, die fast alle Funktionen abdecken. Eine ausführliche Hilfefunktion ebenso wie entsprechende Anmerkungen bei den einzelnen Menübefehlen erleichtern das Einarbeiten ungemein.

Endeavour installieren

Endeavour liegt bereits in den Repositories vieler Distributionen vor. Arbeiten Sie mit einer etwas exotischeren Distribution, laden Sie von der Webseite der Entwickler fertige Binärarchive unter anderem für das altehrwürdige Slackware wie auch dessen Abkömmling Puppy Linux herunter. Finden Sie dort immer noch nichts Passendes, bieten die Programmierer auch die Quellen in verschiedenen Archivformaten zum Download und anschließenden Selbstkompilieren an.

Die Abhängigkeiten des Programms halten sich in engen Grenzen: So benötigt Endeavour die Gtk-Bibliotheken in der Version 1.2.10 oder höher und die programmspezifische Bibliothek Libendeavour. Nach erfolgreicher Installation rufen Sie die Programm-Suite einfach über den Befehl endeavour2 auf.

Dateimanager

Schon auf den ersten Blick stechen in der Buttonleiste die rechts angeordneten Schaltflächen File Browser, Image Browser und Recycle Bin ins Auge. Das deutet bereits an, dass die Fähigkeiten von Endeavour weit über die Möglichkeiten eines normalen Dateiverwalters hinausgehen. Der voreingestellte Dateibrowser ermöglicht die Arbeit mit Dateien im herkömmlichen Sinne: Er bietet alle Möglichkeiten vom Anlegen über das Verschieben bis zum Löschen von Dateien und Ordnern.

Besonders gefällt hier jedoch die differenzierte Löschfunktion: Sie stellen einmal ein, ob zu löschende Dateien tatsächlich sofort von der Platte verschwinden (Purge) oder ob die Software sie für den Fall, dass sie diese später möglicherweise doch noch benötigen, zunächst in einem Abfalleimer zwischenspeichert. Der ganz rechts in der Menüleiste befindliche Button Recycle Bin öffnet – sofern Sie nicht das endgültige Löschen von Dateien voreingestellt haben – ein Fenster mit dem Inhalt des Abfalleimers. Hierin befinden sich die zum Löschen freigegebenen Dateien und Verzeichnisse. Sie haben nun die Möglichkeit, diese entweder endgültig zu entsorgen oder anderweitig weiterzuverwenden. Das Programm stellt Dateien und Ordner auch dann intelligent wieder her, wenn Sie zwischenzeitlich eine andere Datei gleichen Namens angelegt haben (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Mülleimer erlaubt endgültiges Löschen oder das Wiederherstellen.

Eine weitere Schutzfunktion bietet der so genannte Write-Protect-Indicator: Ein kleines Vorhängeschloss unten links im Programmfenster signalisiert dem Anwender den (in der Vorgabe aktivierten) Schreibschutz. Erst ein expliziter Mausklick auf das Symbol öffnet das Schloss und erlaubt so die gewünschten Operationen.

Endeavour bietet zusätzlich Linux-spezifische Dateiverwaltungsfunktionen: Neben der Eigentümer- und Gruppenzugehörigkeit modifizieren Sie unter anderem auch Zugriffsrechte an Dateien und Ordnern komplett und bequem in der grafischen Oberfläche. Zudem blenden Sie über das Menü View verschiedene Leisten ein, mit deren Hilfe Sie Laufwerke einhängen sowie nach Dateien und sogar deren Inhalt suchen.

Bildbetrachter

Um im gewählten Unterverzeichnis lagernde Bilddateien näher in Augenschein zu nehmen, rufen Sie mittels eines Klicks auf den Schalter Image Browser ein Bildbetrachtungsfenster auf. Auch der Image Browser gibt sich zweigeteilt, wobei er im linken Fenster verkleinerte Abbildungen der im Verzeichnis befindlichen Bilder anzeigt, im rechten großen Fenster dagegen das jeweils aktuelle Bild in voller Größe (Abbildung 3). Der Bildbetrachter kommt dabei mit allen gängigen Bitmap-Dateiformaten von BMP über PNG bis zu JPG zurecht.

Abbildung 3: Der Bildbetrachter von Endeavour liefert in einer zweigeteilten Ansicht einen Überblick über alle Dateien sowie eine größere Ansicht des ausgewählten Bildes.

Ein Klick in der Menüleiste auf View | Presentation Mode startet zudem eine Slideshow-Funktion, mit der das Tool die Bilder der Reihe nach anzeigt. Dabei garniert es die Abbildungen mit zugehörigen Informationen wie Dateigröße, belegten Speicherplatz und Farbtiefe.

Archivar

Doch damit nicht genug: Endeavour fungiert bei Bedarf auch als komplettes Archivwerkzeug. Dabei bietet das grafische Frontend neben den üblichen Funktionen eine zusätzliche Anzeige zu bestehenden Dateisammlungen, die den Komprimierungsgrad visualisiert und einige weitere nützliche Angaben liefert (Abbildung 4).

Abbildung 4: Genaue Statistiken zu gepackten Archiven gehören bei Endeavour zum Lieferumfang.

Das Archivierungsmodul von Endeavour greift auf vorhandene Programme und Bibliotheken zur Komprimierung zurück und bietet gute bis sehr gute Unterstützung vor allem für die die verschiedenen Linux-typischen Tarball-Archive, aber auch für die Formate ARJ, LHA, ZIP, RAR und XAR (Tabelle "Archivformate"). Somit ersetzt Endeavour im Alltag ein externes Archivierungsprogramm und erleichtert den oft etwas hakeligen Umgang mit den Kommandozeilentools erheblich.

Die extrem detaillierten Konfigurationsmöglichkeiten der Software erlauben ein Anpassen bis ins Detail: Gefällt Ihnen die vorgegebene Schalterleiste nicht, ändern Sie diese einfach ab. Möchten Sie andere Archivierungsprogramm einsetzen als die voreingestellten – kein Problem für Endeavour. Sogar bei den akustischen Effekten für Aktionen steht Ihrer Kreativität nichts im Wege.

Archivformate

Format Zeigen Entpacken Erzeugen
ARJ + + +
LHA + + +
RAR + + +
RPM +
TAR.BZ2 + + +
TAR.GZ + + +
XAR + + +
ZIP + + +

Fazit

Endeavour bietet neben der umfangreichen Dateiverwaltung auch ein Archivierungsprogramm und funktioniert zusätzlich als einfacher Bildbetrachter. Dabei glänzt die Suite nicht nur mit großer Schnelligkeit und ordentlicher Stabilität, sondern zudem mit der Möglichkeit, die Oberfläche individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Ein durchdachtes und über alle Module stringentes Bedienkonzept erspart zudem lange Einarbeitungszeiten. Sehr gute Hilfen und Manpages ergänzen die Vielzahl an Funktionen. Wünschenswert wäre neben einem integrierten Brennprogramm für optische Medien noch eine deutsche Lokalisierung.

Infos

[1] Endeavour: http://www.battlefieldlinux.com/wolfpack/Endeavour2

[2] Endeavour 2.4.4 im Test: Hagen Höpfner, "Multitalent", LinuxUser 10/2004, S. 42, http://www.linux-user.de/ausgabe/2004/10/042-endeavour/

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