HDR-Bilder erstellen

Je mehr helle und dunkle Passagen ein Motiv enthält, desto besser eignet es sich als HDR-Bild. Gut eignen sich etwa Motive mit kontrastreichem Himmel, Innenaufnahmen von Kirchen oder Kathedralen und architektonische Details anderer Gebäude. Verwenden Sie eine möglichst niedrige ISO-Empfindlichkeit, da viele Kameras bei höheren Werten zum Rauschen neigen – das nachträgliche Bearbeiten verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich. Auch sollten Sie einen eventuell vorhandenen automatischen Verwacklungsschutz deaktivieren: Dessen Funktionsweise führt dazu leichten Verschiebungen des Motivs. Um eine hohe Tiefenschärfe zu erzielen, wählen Sie eine kleine Blende – am besten 8 oder niedriger.

Um die Bilder zusammenzuführen, erweist sich Qtpfsgui ([2],[3]) als relativ gutes und eingängiges Programm. Eine Alternative bietet das Programm Cinepaint [4], ehemals bekannt als "Film Gimp". Es erzeugt Bilder mit einer Farbtiefe von 32 Bit, also dem doppelten Farbumfang von Adobes Photoshop. Damit eignet es sich auch gut zum Erstellen und Bearbeiten von HDR-Bildern. Das HDR-Tutorial von Cinepaint [5] erklärt sehr ausführlich die Theorie von DRI.

Cinepaint einrichten

Unter Ubuntu 7.10 installieren Sie Cinepaint über die Paketverwaltung. Für Ubuntu 8.04 stehen derzeit keine Pakete in den offiziellen Repositories bereit. Verwenden Sie deshalb die Software-Quelle des Autors, die Sie mit sudo deb http://www.selador.de/apt/ hardy main in Ihre Paketverwaltung einbinden. Alternativ benutzen Sie das auf der Heft-DVD enthaltene Paket. Anwender von OpenSuse finden das fertige RPM-Paket unter [6].

Derzeit enthält die deutsche Version von Cinepaint einen gravierenden Fehler. Daher eignet sich ausschließlich die englische Cinepaint-Version zum Gebrauch. Läuft Ihre Distribution mit einer deutschen Sprachumgebung, starten Sie Ihr Cinepaint aus der Konsole mit der Eingabe von LANG=en_US.UTF-8 LC_CTYPE=en_US.UTF-8 cinepaint.

Cinepaint benutzen

Nach dem Start von Cinepaint öffnen Sie im Hauptfenster File | New From | Bracketing to HDR. Im Dateibrowser wählen Sie danach die für das HDR-Bild benötigte Belichtungsreihe aus, worauf sich drei Bearbeitungsfenster öffnen. Im Hauptfenster fügen Sie über File | Open Image bei Bedarf noch weitere Bilder hinzu. Das Fenster mit der Bezeichnung Bracketing to HDR listet nun alle Aufnahmen, sortiert von hell nach dunkel, auf. Dazu greift Cinepaint auf die EXIF-Metadaten der Bilder zu und liest die Verschlusszeiten aus.

Das Fenster mit der Beschriftung Response Curves gibt nach einem Klick auf Compute Response Auskunft über die Qualität der Ausgangsbilder. Weist eine der eingefärbten Kurven zu viel Streuung aufweist, heißt das, dass die einzelnen Bilder nicht genau aufeinander passen – etwa, weil sich die Kamera während der Aufnahme bewegt hat (Abbildung 2). Um gegeneinander verschobene Bilder zurechtzurücken, benutzen Sie compute offsets. Diese Funktion kann jedoch nur kleinere Fehler ausgleichen.

Abbildung 2: Das linke Bild zeigt, wie eine Folgekurve aussehen sollte. Im rechten Bild ist die Streuung der roten und blauen Kurve relativ hoch, was bedeutet, das das rote und vor allem das blaue Foto gegenüber dem Referenzbild verschoben sind.

Ein Klick auf HDR erzeugt das HDR-Bild, das Cinepaint in einem neuen Fenster öffnet. Erscheinen Teile des Bildes in einem grellen Pink, kann der Bildschirm sie nicht darstellen. Oft springen die Unterschiede zwischen HDR-Bild und dem durchschnittlich belichteten Ausgangsbild nicht sofort ins Auge. Wählen Sie im Menü Tools | Color Picker und klicken auf eine beliebige Stelle im Bild, so sehen Sie die Farbwerte als Zahlen. Auch die Titelleiste des Fensters verrät, dass es sich um ein 32-Bit-Bild handelt. Das Ergebnis zeigt nun insgesamt mehr Details als jedes der Ausgangsbilder für sich.

Normale Monitore können den Dynamikumfang von 32-Bit-Bildern nicht darzustellen. Die Teile des Bildes, die über den Farbraum des Bildschirms hinausgehen, werden auf die höchste darstellbare Farbe gesetzt. Als Ergebnis erscheint ein verfälschtes Bild, das es nun mittels Tone Mapping auf einen darstellbaren Bereich einzugrenzen gilt, um ein farbkräftiges, allerdings etwas künstlich aussehendes Tone-Mapping-Bild zu erhalten.

Dazu klicken Sie auf Image | Colors | Gamma-Expose (Abbildung 3). Im Menü markieren Sie Clamp, um die eventuell vorhandenen pink eingefärbten Flächen zu verstecken. Mit dem Regler expose simulieren Sie verschiedene Belichtungsstufen, gamma steuert die Helligkeitskurve. Ein hoher Gamma-Wert führt zu gräulichen Bildern, ein niedriger zu sehr dunklen. Ein Klick auf OK konvertiert die Aufnahme in einen bildschirmkompatiblen Dynamikbereich, sodass Sie sie anschließend als normale JPEG- oder TIFF-Datei speichern. Mit den in Image | Layers oder in Filters befindlichen Menüpunkten bearbeiten Sie das Bild nach Belieben nach, ohne die Farbtiefe und Dynamik zu verlieren.

Abbildung 3: Mit dem Werkzeug "Expose Image" von Cinepaint steuern Sie die Helligkeitsverteilung im HDR-Bild.

Eine andere Möglichkeit, das generierte und gespeicherte 32-Bit-Bild nachzubearbeiten, bieten spezielle Tone-Mapping-Anwendungen. Um die Aufnahme für diese vorzubereiten, klicken Sie auf File | Save as... und speichern die Datei mit der Endung .HDR. Das in [3] vorgestellte Programm Qtpfsgui bietet eine Vielzahl von Tone-Mapping-Algorithmen an, mit denen Sie spektakuläre Effekte erzielen.

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