Zwei in einem

OpenSuse bezieht eine neutrale Haltung zwischen Gnome und KDE: Statt die Unterschiede hervorzuheben, glichen die OpenSuse-Entwickler beide Desktop-Umgebungen so sehr aneinander an, dass die optischen Unterschiede beinahe verschwinden. Im Fall von KDE 4 stechen die Änderungen nicht so sehr ins Auge, der Gnome-Desktop erinnert unter OpenSuse allerdings nur noch entfernt an den Gnome-Standard.

Entgegen der Vorgaben liefert Gnome unter OpenSuse nur ein Panel, das sich am unteren Bildrand befindet und das Startmenü beherbergt (Abbildung 2). Hier ließen die Programmierer von Novell ihre Kreativität spielen, sodass es dem OpenSuse-KDE-Menü ähnelt. Auch dort legten die OpenSuse-Entwickler Hand an und ersetzten wie schon in den letzten OpenSuse-Versionen den KDE-Standard durch die Eigenentwicklung Kickoff (Abbildung 3).

Abbildung 2: Der Gnome-Desktop weicht unter OpenSuse deutlich von den Gnome-Standards ab, das Menü am unteren Bildrand ist eine Eigenkreation der Novell-Programmierer.
Abbildung 3: Auch unter KDE unterscheidet sich der Desktop vom Standard. Das OpenSuse-Menü Kickoff liefert per Suchfunktion schnellen Zugriff auf Anwendungen.

Version 4 des KDE-Desktops stellt die größte Innovation der aktuellen OpenSuse-Ausgabe dar und liefert im Vergleich zur 3er-Serie eine runderneuerte Arbeitsumgebung. Das neu entwickelte Plasma sorgt dafür, dass der Desktop-Hintergrund nicht mehr nur die Rolle eines Hintergrundbilds mit anklickbaren Icons spielt, sondern zum Leben erwacht. Plasmoids genannte Miniprogramme (Abbildung 4) laufen stets sichtbar im Hintergrund und eignen sich beispielsweise, um Log-Dateien, Downloads oder Notizen stets im Blick zu behalten.

Abbildung 4: KDE 4 nutzt auch den Desktop-Hintergrund. Mittels Plasma residieren dort frei wählbare Hilfsprogramme.

Viele der bereits verfügbaren Plasmoids setzen auf 3D-Effekte wie Transparenz. KDE 4 unterstützt diese von Haus aus, benötigt aber dazu entsprechende Grafikkartentreiber. Da die beiden großen Hardware-Hersteller NVidia und ATI die Linux-Treiber für ihre Geräte nicht freigeben, kann OpenSuse diese nicht standardmäßig mit einrichten. Immerhin unterstützen beide Firmen OpenSuse-Nutzer, indem sie eigene Repositories unterhalten, die sich per Mausklick in die Softwareverwaltung einbinden lassen ([5],[6]). Anschließend erfolgt die Installation über das Konfigurationswerkzeug YaST und ermöglicht daraufhin neben dem Einsatz von Plasmoids auch den eines vollständigen 3D-Desktops.

Das Projekt Compiz Fusion vereinigt die einst parallel entwickelten 3D-Desktop-Manager Compiz und Beryl und gehört zum Standardumfang von OpenSuse 11.0. Funktioniert die 3D-Unterstützung für die Grafikkarte, wertet Compiz Fusion sowohl die KDE- als auch die Gnome-Oberfläche mit zahlreichen Effekten auf. Das spektakuläre Highlight bildet (wenn auch mit wenig praktischem Nutzen) der zur Kugel mutierte ehemalige Würfel, mit dem man zwischen den verschiedenen Arbeitsflächen umschaltet (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der 3D-Desktop gilt als der letzte Schrei unter Linux. Dank entsprechender Grafikkartentreiber wartet Suse mit Spezialeffekten auf, wie einem kugelförmigen Arbeitsflächenumschalter.

YaST

Schon seit der ersten Suse-Versionen in den 90er-Jahren bildet YaST den distributionseigenen Mittelpunkt der Systemkonfiguration. Das Akronym steht für "Yet another Setup Tool" (zu deutsch: noch ein weiteres Einrichtungswerkzeug) und zeichnet für alle grundlegenden Einstellungen verantwortlich. Inzwischen steht YaST sowohl in einer GTK-basierten Version für Gnome als auch in einer Qt-Ausgabe für KDE zur Verfügung (Abbildung 6).

Abbildung 6: YaST bildet seit über 10 Jahren das Alleinstellungsmerkmal aller Suse-Distributionen. Es ermöglicht die Konfiguration des System per Mausklick.

Mit KDE 4 hat auch Qt-Version 4 in OpenSuse Einzug erhalten. Diese Gelegenheit nutzten die Entwickler, um auch die Qt-Oberfläche von YaST auf Basis der neuen Version der Grafikbibliothek zu erneuern. Das führt zu einer neuen Optik, die das übersichtlicher gestaltete neue YaST abrundet.

Unter der Haube hat sich allerdings wenig verändert, so dass der Suse-Alleskönner weiter polarisiert: YaST-Befürworter sehen darin ein Werkzeug, mit dem selbst Anfänger ihr System mit wenigen Mausklicks bis ins Detail konfigurieren. Andererseits nervt selbst bei kleinen Veränderungen, dass das Programm bei jedem Beenden diverse Konfigurations-Skripts durchläuft und damit unverhältnismäßig viel Zeit frisst. An YaST führt unter Suse kaum ein Weg vorbei – wer den Texteditor zum schnellen Bearbeiten von Konfigurationsdateien bevorzugt, wird sich weiterhin kaum mit Suse anfreunden.

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