Viererbande
Open Movie Editor, Scilab Aurora, Vivia, ZS4
ZS4
Der ursprünglich unter dem Namen Zweistein firmierende Videoeditor ZS4 (Abbildung 6) stammt vom Künstlerduo t@b. Nach den Aussagen der Projektwebsite wurden mit dem Schnittprogramm die eigenen Musikvideos nachbearbeitet. Unter Linux schluckt ZS4 ausschließlich AVI-Dateien, wobei das enthaltene Videomaterial entweder unkomprimiert oder im MJPEG-Format vorliegen sollte. Mit dem DV-Format oder gar hochauflösendem HDV-Material kann ZS4 nichts anfangen.
Auch die Benutzeroberfläche folgt ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Um beispielsweise Filmclips zu importieren, wählen Sie zunächst am oberen Rand den Reiter Datei und dann im File-Browser das gewünschte Video, das ZS4 wiederum unter dem Reiter Import öffnet. Dort dürfen Sie das Material zunächst trimmen, wobei das Programm Audio- und Videodaten in getrennten Reitern behandelt. Anschließend ziehen Sie das grüne, nach unten gerichtete Dreieck nach links unten in die Projektansicht.
Der Import-Reiter bietet übrigens auch die letzte Möglichkeit, das Videomaterial abzuspielen – später muss das Programm eine Vorschau erst langwierig berechnen. Ein derartiger Zwang war zuletzt vor der Jahrtausendwende üblich, als die Computerleistung selbst für einfache Effekte noch nicht ausreichte.
Sämtliche Video- und Audiospuren verwaltet der Mediamixer am linken unteren Rand. Er gestattet sogar eine Verschachtelung, wobei eine untergeordnete Spur immer nur ihre übergeordnete beeinflusst. Jeder der über 120 enthaltenen Effekte bekommt zudem eine eigene Spur spendiert, die Sie mit Keyframes spicken dürfen. Auf die so entstehenden, flexiblen Kombinationsmöglichkeiten wären sogar einige kommerzielle Videoprogramme unter Windows neidisch.
Bei einer derart geballten Konzentration auf Videoeffekte bleibt etwas unverständlich, warum ZS4 das Audiomaterial so stiefmütterlich behandelt: In der uns vorliegenden Version gab es keinen einzigen Audio-Effekt. Immerhin darf der Anwender das Material vor dem Import noch zurechtschneiden und in den Trackeinstellungen (Reiter vars) die Lautstärke mit Hilfe von Keyframes steuern.
Die Anordnung der Tracks und Videoclips zueinander erfolgt in der kanal/spur-ansicht auf der rechten Seite. Deren Bedienung ist jedoch alles andere als intuitiv. Einstellungen, die sich auf die gerade aktive Spur beziehen, verstecken sich zudem auf weiteren Reitern, beispielsweise track am oberen Rand, sowie aktuell. Die Reiter umringt häufig eine Batterie aus zunächst nichtssagenden Schaltflächen. Erst die aufpoppenden Tooltipps erklären in – teils gebrochenem – Deutsch deren Bedeutung. Immerhin helfen verschiedene Tutorials auf der ZS4-Homepage beim Einstieg.
Fazit
Bei allen Programmen sticht das frühe Entwicklungsstadium noch klar ins Auge. Als große Baustelle erweist sich insbesondere die Dokumentation: Vieles muss sich der lernwillige Anwender durch eigene Versuche zusammenreimen.
Sofern Sie schnell und unkompliziert ein paar Clips neu arrangieren möchten, bildet der Open Movie Editor einen interessanten Partner. Er ist zudem das einzige Videoschnittprogramm, das dessen Entwickler in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten vorantreibt: Erst kurz vor Redaktionsschluss trudelte eine neue Version ein. Für die Zukunft wünschenswert wären Keyframes, mehr Überblendungen und verbesserte Schnittwerkzeuge, die etwa ein bildgenaues Trimmen ermöglichen.
Scilab Aurora wäre ein netter kleiner Effektkasten, hinterließe das Programm nicht einen halbfertigen Eindruck. Nach zwei Jahren Stillstand in der Entwicklung wird sich an diesem Zustand vermutlich auch nichts mehr ändern. Unter dem Strich bleibt somit nur eine nette Technologiedemonstration für die Mathematiksoftware Scilab.
Vivia legt Wert auf Bedienungsfreundlichkeit und Basiswerkzeuge: Hier klappen Schnitt und Trimmen bildgenau und ohne große Saltos bei der Bedienung, wie bei der Konkurrenz. Der Funktionsumfang reicht für kleine Urlaubsfilme allemal aus, was Vivia zu einem interessanten Werkzeug für alle Einsteiger in den Videoschnitt macht. Einzig die Effektabteilung und die unterstützten Dateiformate bedürfen dringend eines Ausbaus.
ZS4 ist noch vollständig auf Analogvideo auslegt und hat eine sehr verzwickte Benutzerführung. Wer sich damit einmal abfindet, wird mit einer breiten Effektpalette und flexiblen Compositingfunktionen belohnt, die insbesondere bei der Produktion von Musikvideos auf Interesse stoßen dürften.
Die Viererbande
| Name | Open Movie Editor | Scilab Aurora | Vivia | ZS4 |
| Homepage | http://www.openmovieeditor.org | http://scilab-aurora.sourceforge.net | http://vivia-video.org | http://www.zs4.net |
| Version | 0.0.20080523 | 1.0 | 0.1.1 | 0.958 |
| Veröffentlicht am | 21.05.2008 | 25.09.2006 | 10.01.2007 | 19.02.2007 |
| Paketabhängigkeiten | 14 | 5 | 5 | keine |
| Lizenz | GNU GPL | GNU GPL | GNU GPL | t@b Free License (Closed Source, kostenloser Einsatz bei privater Nutzung) |
| Anzahl Videospuren | unbegrenzt | 5 (davon 2 Hauptspuren) | 1 (in Multicam-Ansicht pro Clip eine Spur) | unbegrenzt |
| Anzahl Audiospuren | unbegrenzt | keine | keine | unbegrenzt |
| Eingabeformate (Import) | von FFmpeg und libquicktime unterstützte | von Ffmpeg unterstützte | PAL DV | MJPEG, unkomprimiert |
| Ausgabeformate (Export) | von FFmpeg und Libquicktime unterstützte | AVI, MPEG, Flash | PAL DV | MJPEG, unkomprimiert |
| Video-Effekte/Filter | 3 (Integration von frei0r möglich)
|
17 | 2 | mehr als 120 |
| Audio-Effekte | 1 | keine | keine | keine |
| Überblendungen | 1 | 34 (selbst erweiterbar) | 2 | über Effekte |
| Transparenzen | nur eingeschränkt, von Haus aus keine Bluebox | ja, Blue Box möglich | keine (nur im Rahmen von Überblendungen) | ja, Blue Box möglich |
| Titelmodul | einfache Texteinblendung | keines | keines | keines |
| Bildgenaues Trimmen | nein | nein | ja | ja |
| Oberfläche orientiert sich an | Premiere, Kdenlive | Premiere, Kdenlive | frühere iMovie-Versionen | eigener Aufbau |
| Oberfläche anpassbar | ja (Bereiche lassen sich in Größe verändern) | nein | ja (Bereiche lassen sich in Größe verändern) | ja (Bereiche lassen sich in Größe verändern) |
| Fazit | Interessantes Programm, ähnlich zu Kdenlive | Im aktuellen Zustand nur als Effektbox zu gebrauchen | Interessante Alternative für Videoschnitteinsteiger | Effektmeister für veraltete Videoformate mit komplexer Oberfläche |
[1] Cinelerra: http://heroinewarrior.com/cinelerra.php3
[2] Lumiera: http://lumiera.org/
[3] Kdenlive: http://www.kdenlive.org/
[4] Open Movie Editor: http://www.openmovieeditor.org/
[5] Scilab Aurora: http://scilab-aurora.sourceforge.net/
[6] Vivia: http://vivia-video.org/
[7] ZS4: http://www.zs4.net/
[8] OpenCV: http://opencvlibrary.sourceforge.net
[9] Scilab: http://www.scilab.org/download



