Viererbande
Open Movie Editor, Scilab Aurora, Vivia, ZS4
Scilab Aurora
Im normalen Leben löst das Programmpaket Scilab Aufgaben aus der numerischen Mathematik. Ursprünglich als kostenfreie Alternative zum kommerziellen Matlab entwickelt, entdeckte es eine Studentengruppe an der Universität Xiamen in China als Unterbau für ihre Videobearbeitung. Deren grafische Oberfläche geht etwas in die Breite und beansprucht recht viel Platz auf dem Monitor (Abbildung 3).
Über +Video fügen Sie Filmmaterial der Liste auf der linken Seite hinzu, von wo Sie es wiederum auf die Zeitleiste ziehen. Überblendungen sind dort nur zwischen den Spuren VA und VB möglich. Immerhin stellt Scilab Aurora zahlreiche Überblendungen zur Auswahl, die sich schnell um eigene erweitern lassen – vorausgesetzt, Sie bringen etwas Programmiertalent mit.
Haben Sie sich für eine Überblendung entschieden, ziehen Sie sie auf die eigens für diese Zwecke reservierte Videospur VT zwischen die betroffenen Clips. Versuchen Sie die Dauer der entstandenen Überblendung über die entsprechende Funktion im Kontextmenü anzupassen, grüßt lediglich die Meldung Not supported now. Auf diesen Spielverderberdialog stoßen Sie an vielen weiteren Ecken in Scilab Aurora, wie beispielsweise beim Versuch, Audiomaterial einzubinden.
Filter ziehen Sie direkt aus der Liste am rechten Rand auf das gewünschte Video. Filtereinstellungen lässt die Videobearbeitung nicht zu, Sie sind auf die Vorgaben des Filters festgenagelt. Eine Ausnahme bilden drei spezielle Effekte: Während Motion das Filmmaterial über den Bildschirm bewegt, sorgen Transparency und Merge für Transparenz und so genannte Blue Box-Effekte. Ihre Einstellungen stecken in fummeligen kleinen Fenstern, eine Vorschau gibt es nicht.
Ebenfalls verzichten müssen Sie auf Werkzeuge zum Videoschnitt – also die eigentlichen Basisfunktionen einer jeden Videobearbeitung. Da tröstet es wenig, dass Scilab Aurora auch mühelos MPEG-Videos verdaut. Unter dem Strich bleibt nur noch ein kleiner Effektbaukasten übrig.
Vivia
Vivia ist sichtlich von Apples iMovie inspiriert. Mit seiner einfach strukturierten und klaren Benutzeroberfläche richtet es sich primär an Videoschnitteinsteiger (Abbildung 4). Diese finden alle benötigten Werkzeuge in Schubladen an der rechten Fensterseite.
Mit einem Klick auf den Reiter Files öffnet sich zum Beispiel der Dateibrowser (Abbildung 5). Aus ihm ziehen Sie das Videomaterial auf die Zeitleiste, der große Bereich direkt darüber präsentiert stets eine Vorschau. Genau wie beim Vorbild iMovie gibt es nur eine einzige Zeitleiste, auf der Sie die Videoschnipsel in die richtige Reihenfolge bringen. Auf Wunsch schaltet Vivia auf eine Multicam genannte Zeitleiste um, in der jeder Clip seine eigene Videospur erhält. Diese Ansicht ist beispielsweise zum Schnitt von Konzerten gedacht, wo mehrere Kameras gleichzeitig ein und dasselbe Geschehen aufgezeichnet haben.
Über kleine Symbole unterhalb des jeweils aktiven Filmschnipsels lässt sich dieser schnell und bildgenau trimmen. Als zusätzliche Navigationshilfe gibt es ein kleines Jog-Scheibchen unterhalb der Vorschau, das per Drag & Drop durch das Videomaterial steuert – ein Vorgang, der im Fachjargon "Scrubbing" heißt. Während das Schneiden im Vergleich zur Konkurrenz endlich einmal Spaß macht, beschränkt sich Vivia bei den Übergängen und Effekten auf jeweils zwei: Eine magere Auswahl, zumal die Anwendung nicht besonders intuitiv ist. Im Audiobereich offeriert Vivia sogar überhaupt keine Bearbeitungsmöglichkeiten.
Vivia verdaut ausschließlich DV-Material im PAL-Standard, was in unserem Teil der Welt kein Problem darstellen sollte. Schwerer wiegt da schon die Beschränkung auf DV-AVI-Dateien beim Export: Wer eine Video-DVD erstellen möchte, kommt daher um ein weiteres Programm nicht herum.



