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Unvollkommen

Mediencenter Elisa

01.08.2008 Das junge Projekt Elisa möchte ein großes Mediencenter werden. Das aktuelle Release verspricht bereits viel, steckt aber funktional noch in den Kinderschuhen.

Elisa ist jung, recht groß und sieht gut aus. Sie schaut gern Filme, hört mit Vergnügen Musik und geht auch gern ins Internet. Sie verhält sich nicht zickig, der Umgang mit ihr ist einfach.

Nein, es handelt sich bei dieser Beschreibung nicht um die Annonce einer Partnervermittlung: Bei Elisa [1] handelt es sich um ein angehendes Mediencenter, also ein einfach zu bedienendes Programm zum Abspielen verschiedener Medienformate. Dazu gehören derzeit Musik, Videos, und Bilder. Das besondere an Elisa ist die grafisch ansprechende Bedienoberfläche, die sich klar von denen der "normalen" Video- oder Musikplayer abhebt. Allerdings fehlen der jungen Multimedia-Anwendung noch entscheidende Funktionen.

Hinter dem Community-Projekt Elisa steht das Unternehmen Fluendo [2], das auch andere Multimedia-Applikationen für Linux entwickelt. Vor zwei Jahren erblickte das Mediencenter das Licht der Welt und steckt damit noch in den Kinderschuhen, die Anwendung läuft aber durchaus stabil. Der größte Nachteil: Elisa beherrscht momentan nur die grundlegendsten Features dieser Programm-Gattung. So fehlen bislang die Möglichkeit, TV zu sehen, einer Rekorderfunktion und eine grafische Konfiguration.

Das in Python geschriebene Elisa setzt eine funktionierende OpenGL-Umgebung und Pigment voraus. Die von Fluendo entwickelte Pigment-Bibliothek bildet die Grundlage für das Interface. Desweiteren greift Elisa zum Abspielen von Medieninhalten auf das GStreamer-Framework zurück und beherrscht dadurch die gebräuchlichsten Musik- und Videoformate. Zudem lässt sich die Multimediafähigkeit des Mediacenters durch die Installation von kommerziellen und mit GStreamer kompatiblen Plugins von Fluendo erweitern.

Elisa spielt nicht nur lokal gespeicherte Musik, Videos und Bilder ab, sondern gibt auch Webinhalte wieder, wie etwa Clips aus YouTube, Bilder aus Flickr und Internetradio.

Elisa installieren

Aufgrund der vielen Abhängigkeiten von Elisa empfiehlt es sich, fertige Pakete zur Installation zu verwenden. Ubuntu 8.04, Debian "Sid" und Fedora ab Version 7 enthalten in den Standard-Repositories aktuelle Versionen. Für Ubuntu 7.10 stellen die Entwickler eine Extraquelle bereit: Erweitern Sie die Paketliste /etc/apt/sources.list in diesem Fall um die Zeile deb http://elisa.fluendo.com/packages gutsy main und aktualisieren die Liste. Unter OpenSuse 10.3 müssen Sie zunächst Packman als Paketquelle einbinden. Danach spielen Sie Elisa und alle Abhängigkeiten ein. Unter [5] finden Sie weitere Quellen für Pakete anderer Distributionen. Die Installation zieht eine Reihe von Abhängigkeiten mit sich, die Sie getrost durch den Paketmanager einspielen lassen.

Über die Elisa-Plugins erweitern Sie den Funktionsumfang des Programms. Seit der aktuellsten Version 0.3.5 schnüren die Entwickler für diese Extras eigene Pakete namens elisa-plugins-bad, elisa-plugins-good und elisa-plugins-ugly. In manchen Distributionen (etwa Fedora) finden sich die Plugins bereits im Hauptpaket elisa, bei anderen müssen Sie also die Plugin-Pakete zusätzlich installieren.

Da Elisa auf GStreamer aufsetzt, benötigt es zum Abspielen von Musik- und Videoformaten die entsprechenden GStreamer-Plugins. Möchten Sie MP3-Dateien hören, benötigen Sie das Ugly-Plugin. Wollen Sie Elisas YouTube-Erweiterung genießen, installieren Sie zusätzlich das Ffmpeg-Plugin von GStreamer.

Elisa kompilieren

Die aktuelle Programmversion setzt stets den neuesten Pigment-Code voraus. Möchten Sie Elisa selbst kompilieren, müssen Sie also zunächst Pigment und die Elisa-Plugins übersetzen. Hinzu kommen Python, Python-Module, GStreamer und weitere Entwicklerpakete, die Sie aber aus den Repositories aktueller Distributionen installieren. Einen detaillierten Überblick über die Voraussetzungen zum Bau von eigenen Binaries des Mediencenters bietet die Webseite der Entwickler [6]. Dort finden Sie die ellenlange Abhängigkeitsliste von Elisa und zusätzliche Tipps.

Im Test funktionierte das Kompilieren zwar, Elisa startete aber aufgrund eines Fehlers nicht. Selbst das Forum [7] wusste darauf keinen Rat. Nicht selten liegt es einfach an einem Bug des aktuellen Codes oder einer Unverträglichkeit mit den auf dem System installierten Paketen. Nicht vergessen darf man, dass sich Elisa noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet.

Look and Feel

Elisa präsentiert sich als wahre Augenweide. Nach dem Start erscheinen fünf Icons auf schwarzem Hintergrund, die stellvertretend für die Hauptkategorien stehen (Abbildung 1):

  • Musikplayer (CD)
  • Videoplayer (Regieklappe)
  • Bildbetrachter (Fotoapparat)
  • Plugin-Verwaltung (Zahnrad)
  • Einstellungen/Themes (Maulschlüssel)

Mit den Pfeiltasten rotieren Sie das Programmmenü und wählen mit [Eingabe] das zuvorderst stehende Feature aus. Die ganze Benutzeroberfläche besteht aus Grafikelementen, die in ihrem Design die dahinterliegende Funktion in der Regel eindeutig widerspiegeln. Eine Beschriftung der Bedienkomponenten ist daher meist nicht notwendig. Die intuitive Bedienung von Elisa klappt bis auf wenige Ausnahmen auf Anhieb.

Dass sich Elisa noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befindet, zeigt die fehlende Funktion hinter dem Zahnrad-Icon. Der Grund: Das Plugin-Feature überarbeiten die Entwickler gerade vollständig und haben damit noch viel vor, wie sich im Forum nachlesen lässt.

Abbildung 1: Die Bedienoberfläche des angehenden Mediencenters Elisa.

Zur Handhabung des jungen Mediacenters reichen wenige Tasten aus. Die Pfeiltasten übernehmen größtenteils die Navigation, sei es im Startmenü oder in der Playerfunktion. Mit [Pfeil-auf] und [Pfeil-ab] bewegen Sie sich durch die Liste der Dateien und Ordner (Abbildung 2). Bei hunderten von Songs und Clips geht es mit den Zifferntasten von 0 bis 9 schneller. Diese stehen stellvertretend für den Anfang, die Mitte und das Ende einer Dateiliste.

Abbildung 2: Mit den Pfeiltasten navigieren Sie durch die Dateiliste von Elisa.

Mit [Pfeil-rechts] wechselt der Fokus darüberhinaus in die obere Fensterleiste. Hier halten Sie ein gerade abgespieltes Lied oder Video an beziehungsweise starten es erneut (grünes Quadrat in Abbildung 2). Mit der Play-Taste gelangen Sie zudem jederzeit zurück zum gerade abgespielten Titel – beispielsweise, falls Sie während des Musiklauschens in den Bildbetrachter gewechselt sind. Daneben übernehmen Sie hier die Kontrolle über ein grafisches Highlight: Musiktitel, Alben und Bilder stellt die Anwendung entweder in einer Dateiliste, tabellarisch oder wie in einem Schaufenster dar (grünes Quadrat in Abbildung 3). Albencover besorgt die Anwendung von Amazon. Problem dabei. Holt Elisa allerdings ein falsches Cover, können Sie diesen Fehler nicht händisch beheben: Die Anwendung stellt dafür keine Funktion bereit.

Abbildung 3: Grafisch sehr ansprechend erledigt Elisa die Anzeige und Auswahl von Medien (hier: der Schaufenstermodus).

Mit [Rückschritt] gelangen Sie jeweils einen Menüpunkt zurück oder bewegen sich in der Verzeichnishierarchie einen Schritt nach oben. Mit [Eingabe] wählen Sie einen Menüpunkt aus, öffnen einen markierten Ordner oder starten das Abspielen von Musik und Videos. Im Wiedergabemodus stellt Elisa nur zu eine rudimentäre Mediensteuerung bereit (siehe Tabelle "Tastenbelegung"). Die Doppelbelegung von Tasten – abhängig vom gerade gewählten Funktionsbereich des Mediacenters – dürfte viele Anwender anfänglich irritieren.

Tastenbelegung

Tastenkürzel

Funktion

[Pfeil-rechts] / [B] Vorspulen
[Pfeil-links] / [V] Zurückspulen
[C] Nächster Titel
[X] Vorheriger Titel

Weitere Features

Neben den Sound- und Video-Playern bietet Elisa einen einfachen Bildbetrachter (Abbildung 4). Die Vorschaubilder können Sie in der Größe skalieren. Wählen Sie eine Grafikdatei und drücken [Eingabe], so sehen Sie das Bild formatfüllend. Die eingebaute Diashow überzeugt zwar mit einem gut umgesetzten Überblendeffekt, lässt aber keine Kontrolle der Anzeigezeit eines Bildes zu. Außerdem fehlt dem Feature die Möglichkeit, mehrere Ordner einzubeziehen und Bilder zuvor von der Anzeige auszuschließen. Haben Sie keine lokal gespeicherten Bilder, nutzen Sie einfach das Flickr-Plugin: Es erlaubt Ihnen, Bilder des eigenen Flickr-Zugangs über eine Internetverbindung anzusehen. Auch öffentlich eingestellte Grafiken anderer Nutzer dieser Bilddatenbank betrachten Sie auf diese Weise.

Abbildung 4: Der Bildbetrachter von Elisa erlaubt, die Vorschaugröße der Bilder zu variieren.

Zu den weiteren Eigenschaften gehört die Unterstützung von Fernbedienungen – allerdings nur von jenen, die auch das LIRC-Projekt [8] beherrscht. Externe Player und USB-Festplatten bindet Elisa als Musik- und Videoquellen ein, das funktioniert aber nicht mit allen Abspielgeräten. Das Aussehen der Oberfläche passen Sie mit Themes an, von denen es momentan drei verschiedene gibt.

Hinter den Icons im Hauptmenü zum Abspielen von Musik und Videos verbirgt sich nicht nur ein einfacher Player für lokal gespeicherte Titel Ihrer Sammlung: Durch Plugins gelingt es Elisa, auch die Webinhalte von Shoutcast und YouTube übersichtlich aufzubereiten und abzuspielen (Abbildung 5). Dadurch erhalten Sie einfachen Zugriff auf hunderte von Internetradio-Streams und Videoclips weltweit. Eigene Radiosender können Sie aber in der aktuellen Version 0.3.5 nicht hinzufügen. Darüber hinaus sucht Elisa auf von Ihnen angegebenen Netzwerkverzeichnissen nach abspielbaren Medien. Solche Verzeichnisse geben Sie in der Konfigurationsdatei an.

Abbildung 5: Über ein Plugin spielt Elisa auch YouTube-Clips aus dem Internet ab.

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LinuxUser 06/2012

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