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Alternativer Dateimanager für Gnome

01.08.2008
Peter Norton schuf vor über 20 Jahren einen einfach zu bedienenden Dateimanager mit Zweifenster-Modus. Der Gnome Commander tritt an, um den Veteran zu beerben.

Zu den am meisten kritisierten Features von Gnome zählt die "Spatial View" des Dateimanagers Nautilus. Sie zeigt den Verzeichnisinhalt eines Ordners in jeweils einem neuen Fenster an, was zu einer wahren Fensterflut auf dem Desktop führt. Gerade beim häufigen Kopieren und Verschieben von Ordnern und Dateien erweist sich ein Dateimanager mit geteiltem Hauptfenster als praktisch, wie etwa der Gnome Commander [1]. Die gleichzeitige Ansicht von Quell- und Zielverzeichnis reduziert die Anzahl der Fenster auf dem Desktop. Auch die Gnome-Entwickler diskutieren regelmäßig darüber, Nautilus ein solches Feature (siehe Kasten "Splitview") zu spendieren – bislang jedoch stets ohne endgültiges Ergebnis [2].

Ansichtssache

Beim ersten Start von Gnome Commander präsentiert sich das Programm aufgeräumt (Abbildung 1). In der Werkzeugleiste unter anderem Navigationsknöpfe zum schnellen Vor- und Rückwärtsgehen, zum Auslösen vom Dateioperationen (zum Beispiel Kopieren, Verschieben beziehungsweise Löschen) sowie zum Editieren und Verschicken von Dateien per Mail. Darunter finden Sie einen Schnellzugriff auf das persönliche Verzeichnis und Windows-Netzwerke.

Abbildung 1: Das Hauptfenster des Gnome Commanders ist sehr übersichtlich aufgebaut und bietet direkten Zugriff auf die notwendigsten Funktionen.

Splitview

Gewöhnlich stellen Dateimanager pro Fenster den Inhalt nur eines Verzeichnisses an. Im Splitview-Modus, wie ihn unter anderem Gnome Commander beherrscht, bereitet das Programm zwei Ordner in einem einzigen Fenster auf. Dateioperationen fallen in dieser Ansicht nach Meinung vieler Benutzer deutlich einfacher, als in den gängigen Varianten. Einige Programme – darunter auch der KDE-3-Dateimanager Konqueror – bieten zusätzlich die Möglichkeit, mehr als nur zwei Verzeichnisse in ein Fenster darzustellen, was aber unter Umständen die Übersichtlichkeit deutlich reduziert.

Den größten Teil des Fensters nehmen die zwei vertikal angeordneten Unterfenster ein. Bei Bedarf richten Sie die Ansicht alternativ auch horizontal aus. Dazu gehen Sie in das Menü Ansicht und wählen dort Wechsle zu horizontaler Anordnung. Im unteren Teil des Programmfensters haben Sie Zugriff auf wichtige Befehle, wie die Ansicht von Dateien, Kopieren, Verschieben oder Erstellen von Verzeichnissen. Außerdem geben Sie dort Kommandozeilen-Befehle direkt wie in einem Terminal ein.

Konfiguration

Entspricht das Aussehen der Oberfläche nicht Ihren Vorstellungen, ändern Sie es einfach unter Einstellungen | Optionen | Layout. Angefangen bei der Art und Größe der Schrift über Zeilenhöhe und Icon-Größe bis hin zum Thema nehmen Sie hier alle Änderungen vor. Dateitypen, die Sie gar nicht erst sehen möchten, definieren Sie im Reiter Filter. Die Möglichkeit, aus Gnome Commander die Passwörter im Gnome-Schlüsselbund abzuspeichern (Reiter Netzwerk), vereinfacht das Handhaben dieser sensiblen Daten. Externe Anwendungen, die der Dateimanager zum Beispiel beim Anzeigen eines Dokumentes verwendet, geben Sie im Reiter Programme an. Um Zugriff auf zusätzliche Laufwerke zu erhalten, gibt es die Möglichkeit, diese unter Laufwerke zu definieren.

Tastenkürzel

Ein Großteil der Navigationseigenschaften haben die Entwickler vom Norton Commander beziehungsweise vom textbasierten Midnight Commander [3] übernommen: So wechseln Sie zum Beispiel per [Tab] zwischen den beiden Verzeichnisfenstern. Das Konzept tritt auch an den Tastenkürzeln hervor, wie etwa [F3] zur Ansicht von Dateien oder [F5] zum Kopieren.

Wer lieber mit der Maus steuert, dem steht auch diese Möglichkeit offen. Ein Doppelklick auf ein Verzeichnis befördert den Benutzer in den gewünschten Ordner. Als sehr praktisch hat sich auch eine an Nautilus angelehnte Adressleiste über den Verzeichnisinhalten (Abbildung 2) erwiesen: Damit fällt es leichter, direkt ein paar Ebenen höher zu springen. Das erledigen Sie einfach mit einem Klick auf den entsprechenden Verzeichnisnamen.

Abbildung 2: Die Adressleiste des Gnome Commander ermöglicht wie diejenige von Nautilus eine "Brotkrumen"-Navigation.

Entfernte Server

In der Zeit der weltweiten Netze bieten moderne Dateimanager Zugriff auf allerhand entfernte Ressourcen, wie WebDAV, FTP, SSH und SMB. Die getestete Version 1.2.6 von Anfang Juni bietet Unterstützung für FTP und SMB. SSH und DAV folgen laut der Entwickler in späteren Versionen.

SMB-Shares durchforsten Sie ganz bequem per Klick auf den entsprechenden Schalter (Abbildung 3) – Gnome Commander zeigt dann alle auffindbaren Orte an. Zum Zugriff via FTP wählen Sie im Menü Verbindungen eine Neue Verbindung aus und geben den Server (etwa ftp.gnome.org) sowie optional ein Verzeichnis an.

Abbildung 3: SMB-Shares öffnen Sie durch einen Klick auf den entsprechenden Schalter, woraufhin Gnome Commander alle gefundenen Samba-Netze anzeigt.

Für FTP-Server, die ein Anmelden erfordern, wählen Sie aus der Combobox Servicetyp den Punkt FTP (mit Login). Zusätzlich geben Sie den Benutzernamen und das Passwort an. Möchten Sie den FTP-Server dauerhaft im Programm speichern, klicken Sie auf Entfernter Server im selben Menü. Hat alles funktioniert, erscheint ein Symbol mit dem Aliasnamen (Abbildung 4) unter der Werkzeugleiste und Sie haben von nun ab direkten Zugriff auf die Ressource.

Abbildung 4: Gespeicherte Verbindungen zu FTP-Servern zeigt das Programm für den schnellen Zugriff direkt im Hauptfenster an.

Wie fast alle aktuellen Webbrowser und Dateimanager kann auch der Gnome Commander Bookmarks verwalten. Neue Adressen tragen Sie entweder im Menü Lesezeichen über Zu Lesezeichen hinzufügen ... ein oder klicken einfach auf das Lesezeichen-Symbol über dem Verzeichnisfenster. Vorhandene Verweise bearbeiten und gruppieren Sie mit Lesezeichen bearbeiten ....

Fazit

Gnome Commander bietet weit mehr Features, als in diesem Artikel zur Sprache kamen. So verfügt das Programm über die Möglichkeit, die Tastenkürzel individuell zu konfigurieren oder die Funktionalität über Plugins zu erweitern. Derzeit gibt es allerdings nur zwei Plugins – hier besteht also noch Aufholbedarf.

Für die nächste große Major-Version, deren genauer Erscheinungstermin noch nicht feststeht, planen die Entwickler einen Schwenk auf die neue Bibliothek für virtuelle Dateisysteme, Gio/GVFS, die in Nautilus bereits ausgiebig zum Einsatz kommt. Dann klappt vielleicht auch die Interaktion zum Beispiel mit dem virtuellen Ordner zum Brennen von Datenträgern besser. Auch das Interface verdient noch ein wenig Pflege: Darstellungfehler bei einem schmalen Fenster, wie in Abbildung 5, mindern den Nutzen der ansonsten recht klaren Oberfläche.

Abbildung 5: Bei einem etwas schlankeren Fenster treten derzeit noch kleine Bugs beim Darstellen der Oberflächenelemente auf.

Suchen Sie nach einer guten Alternative zu Nautilus und haben bereits einschlägige Erfahrungen – etwa mit Midnight Commander – gesammelt, fällt Ihnen der Einstieg in den Gnome Commander leicht.

Glossar

WebDAV

Web-based Distributed Authoring and Versioning erweitert das HTTP/1.1-Protokoll und erlaubt den Zugriff von Daten über den Webserver. Das GMX Mediacenter funktioniert nach diesem Prinzip.

SMB

Das Kommunikationsprotokoll Server Message Block findet sich vor allem in der Windows-Welt. Mit Samba liegt hierfür eine freie Implementation für Linux und andere Unix-Betriebssysteme vor.

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