Jeder Linux-Anwender weiß mit Gnome und KDE umzugehen, viele kennen auch noch XFCE – doch andere Desktop-Umgebungen und Fenstermanager fristen ein Schattendasein. LXDE [1] möchte das ändern und will eine Umgebung für all jene schaffen, die einen schlanken und schnellen Desktop suchen. Myah OS [2] zählt zu den wenigen Distributionen, die LXDE zu ihrer bevorzugten Benutzeroberfläche machen (Abbildung 1). Myah OS versucht dabei nicht, ein weiteres Damn Small Linux oder Puppy für extrem altersschwache PCs zu sein: Es stellt ein vollständiges System mit populären Anwendungen wie Gimp, Blender und Firefox zur Verfügung, wie man sie von einer aktuellen Linux-Distributionen erwartet.

Abbildung 1: Myah OS baut einen kompletten Desktop auf einem LXDE-System auf.

Installation

Die Installation erfolgt über eine Live-CD, die den interessierten Anwender aber gleich nach dem Booten vor ein größeres Problem stellt: Das System fragt nach Benutzernamen und Passwort, doch die finden sich nirgends in der Dokumentation. Erst ein Eintrag im Forum von Myah OS bringt Klarheit. Mit root als Login und myah als Passwort melden Sie sich bei der Live-CD an. Die Systemeinrichtung nehmen Sie dann über den Myah-OS-eigenen Installer vor, das anhand weniger Vorgaben die Festplatte partitioniert, den Bootloader einrichtet und das Grundsystem aufspielt.

Als Benutzeroberfläche stehen neben LXDE mit Openbox als Fenstermanager auch Gnome sowie KDE 3 und 4 zur Auswahl. Besteht während der Installation eine Internet-Verbindung, lädt der Installer gleich aktuelle Pakete aus dem Netz. Nach dem abschließenden Neustart steht man wieder vor dem selben Problem wie nach dem Booten der Live-CD: Die Login-Informationen fehlen. Des Rätsels Lösung: Der Installer legt automatisch den User myah mit einem leeren Passwort an.

Freud und Leid

LXDE begrüßt den Anwender mit einem aufgeräumten Desktop, an dessen unterem Rand es ein Panel festpinnt. Als Dateimanager nutzt Myah OS 3.0 "Box" den PCMan-Filemanager [3], der seine Sache sehr gut macht: Er organisiert mehrere Verzeichnisse übersichtlich in Tabs, erstellt Vorschaubilder, erstellt oder entpackt Archive und vieles mehr. Allerdings lässt LXDE als Desktop-Umgebung einigen Komfort vermissen, den man von Gnome oder KDE kennt. So bindet es etwa Multimedia-Sondertasten nicht automatisch ein, und es mangelt an Werkzeugen zur Systemverwaltung.

Bei den Anwendungen gibt sich Myah OS 3.0 "Box" keine Blöße. Hier finden sich etwa Firefox 3 als Browser, Exaile zum Abspielen und Organisieren der Musiksammlung, Gimp zur Bildverarbeitung, Graveman zum Brennen von CDs, Pidgin als Instant Messenger sowie Abiword und Gnumeric fürs Büro. Manchmal erscheint die Auswahl aber etwas eigenartig: So sind neben Gimp auch Mtpaint und Tux Paint zur Bildbearbeitung installiert – eines sollte eigentlich reichen.

Mit dem Myah OS Package Manager bringt die Distribution eine eigene Paketverwaltung mit, über die sich Software mit wenigen Klicks installieren respektive aktualisieren lässt. Auf diesem Weg rüsten Sie bei Bedarf nachträglich auch Anwendungen wie OpenOffice 2.4.0 nach. Allerdings erweist sich die Paketauswahl als sehr beschränkt, selbst wichtige Programme wie Server und Client für NFS fehlen. Andererseits lassen aber durchaus proprietäre Grafiktreiber nachinstallieren, ebenso wie Treiber für WLAN-Karten mit Atheros- oder Realtek-Chipsätzen.

Fazit

Den größten Schwachpunkt von Myah OS stellt sicherlich die mangelnde Dokumentation dar. Das Myah-OS-Wiki [4] ist praktisch leer, selbst essenzielle Hinweise wie die Logindaten lassen sich nur mit Mühe entdecken. Dazu kommen die mageren Distributions-Repositories und eine nicht vorhandene deutsche Lokalisierung. Damit eignet sich Myah OS für Anwender, die LXDE als Desktopumgebung einmal kennenlernen möchten, taugt aber noch nicht für den Alltag.

Infos

[1] LXDE: http://lxde.org/

[2] Myah OS: http://myah.org/

[3] PCManFM: Rüdiger Arp, "Schlanker Datei-Jongleur", LinuxUser 04/2007, S. 70, http://www.linux-user.de/ausgabe/2007/04/070-pcmanfm/

[4] Myah-OS-Wiki: http://wiki.myah.org

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