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Gib Gummi

Kostenlose Rennspiele mit Streckeneditor

01.08.2008 Einmal selbst eine fordernde Rennstrecke mit Korkenzieher-Loopings oder Sprungschanzen entwerfen: Dieser Traum vieler Motorsportfreunde geht mit vier kostenlosen Spielen in Erfüllung.

Anfang der 90er Jahre erschien Stunts. Das recht mäßige Rennspiel erlangte hierzulande dennoch rasend schnell Kultstatus, denn über den integrierten Streckeneditor durften die Spieler eigene Kurse basteln und diese an gleichgesinnte Freunde verteilen. Noch heute besitzt Stunts treue Fans, die fleißig Strecken tauschen und regelmäßig ein "World Stunts Meeting" veranstalten [1].

Eine Dekade später ließ der französische Spielehersteller Nadeo die Grundidee mit TrackMania in verfeinerter Form wieder aufleben [2]. Hier kam es nun darauf an, die möglichst kürzeste Route zum nächsten Checkpoint zu finden. Trickreiche Abkürzungen waren erlaubt oder gar explizit gefordert, bald florierte der Streckentausch via Internet. Die Franzosen spendierten den Nachfolgern daher unter anderem eine globale Highscore-Liste, über die sich Rennfahrer mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt maßen.

Rennspielbegeisterte Linux-Nutzer blieben jedoch auf der Strecke: Stunts lief nur auf dem antiken MS-DOS, TrackMania blieb Windows-Benutzern vorbehalten. Einige Fans schufen daher kurzerhand eigene, kostenlose Varianten.

Stunts 2005

Stunts 2005 liegt schon etwas länger auf Eis. Dennoch lässt es sich nach wie vor spielen – vorausgesetzt, die extrem karge Dokumentation und der halbfertige Zustand schrecken Sie nicht ab. Letzteren offenbart nicht nur die grobschlächtige Grafik (Abbildung 1, Abbildung 2), sondern auch die Fahrphysik: Schon bei niedrigen Geschwindigkeiten fährt der Jeep-Verschnitt wie auf Schmierseife. Zwar schleudert der Wagen mit einer realistischen Physik, bricht aber schon bei kleinen Unebenheiten aus.

Abbildung 1: Das höchste der Gefühle in der Landschaftsdekoration bei Stunts 2005 bilden Windmühlen und Betonbunker.

Abbildung 2: Die Perspektive täuscht: Je schneller der Wagen in Stunts 2005 fährt, desto weiter entfernt sich die Kamera.

Das Rennspiel finden Sie unter [3] in den Stunts 2005 Packages als Binärpaket. Entpacken Sie das Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl, öffnen Sie ein Terminalfenster und rufen Sie Stunts 2005 über das Skript ./stunts.sh auf. Beschwert sich Stunts 2005 über fehlende Bibliotheken, prüfen Sie, ob Sie libzzip-0 (unter Opensuse 10.3 libzziplib13) und die alte libstdc++ 5 (meist im Paket compat-libstdc++) installiert haben. Bei OpenSuse steckt erstere im Packman-Repository.

Sobald das Stunts-2005-Fenster erscheint, klicken Sie mit der Maus hinein, wodurch der Zeiger ins Fenster wandert. Über Choose Level wählen Sie eine Strecke, auf der Sie per Start landen. Ein Druck auf [R] setzt den Wagen auf die Strecke, mit [I] geben Sie Gas, [K] bremst, [J] und [L] lenken den Boliden. Die Gänge schalten Sie in unglaublicher Geschwindigkeit über [Z] und [T].

Obwohl Sie Stunts 2005 ausschließlich für Linux erhalten, verlangt der Streckeneditor unverständlicherweise nach Windows. Immerhin hinterließen die Entwickler dessen C++-Quellcode gut versteckt in der Datei TrackEditor.rar innerhalb des Streckeneditor-Archivs TrackEditor-win32.zip, sodass Eingeweihte hier Abhilfe schaffen könnten.

Tile Racer

Wie es besser geht, zeigt der Konkurrent Tile Racer. Er bringt nicht nur einen integrierten, extrem einfach zu bedienenden Streckeneditor mit, sondern macht auch optisch wesentlich mehr her (Abbildung 3). Die Pixelpracht mit ihren vielen Effekten fordert allerdings die Grafikkarte. Erstickt ein Ruckeln die Fahrfreude, schalten Sie über den Graphics-Reiter in den Optionen einzelne Effekte ab.

Abbildung 3: Tile Racer bietet weite Landschaften. Links im Hintergrund wartet eine Sprungschanze.

Unter [4] laden Sie Tile Racer in zwei Geschmacksrichtungen herunter: Der Installer enthält einen grafischen Installationsassistenten, der das Spiel auf Wunsch in Ihr Startmenü schreibt. Das Tar-Archiv entpacken Sie nur und rufen dann in einem Terminalfenster das Skript ./TileRacer.sh auf.

Im Hauptmenü führt Play zur Streckenauswahl. Den Flitzer steuern Sie über die Pfeiltasten, mit [C] wechseln Sie die Kameraperspektive. Lenkbewegungen setzt Tile Racer nur langsam um, Ihr Wagen besitzt folglich einen recht großen Wendekreis. Der Pfeil am oberen Rand verrät, wo der nächste Checkpoint auf eine Durchfahrt wartet. Links oben in der Ecke lesen Sie grau unterlegt die momentan gültige Bestzeit ab. Der Rekordhalter jagt als Geisterauto über die Strecke, das Sie schlagen müssen. Bäume stellen für die glänzende Metallkarosse übrigens keine Gefahrenquelle dar. Geht doch mal etwas schief, startet [R] das Rennen neu.

Der Streckeneditor (Abbildung 4) erklärt sich weitestgehend selbst: Zunächst wählen Sie per Select Terrain zwischen grünem Rasen oder Sanduntergrund. Anschließend markieren Sie ein Bauteil in der Palette, das ein Mausklick auf eines der Quadrate in die Landschaft setzt. Unterschiedliche Höhenstufen bietet Tile Racer leider nicht, ein Parkhochhaus wie in TrackMania bleibt somit ein Wunschtraum.

Abbildung 4: Der Streckeneditor aus Tile Racer lässt sich recht intuitiv bedienen.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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