Linux-Telefone gibt es inzwischen viele, aber als das Linux-Telefon schlechthin gilt weiterhin das Neo1973 von FIC [1]. Während die Entwicklerversion zum Telefonieren noch denkbar ungeeignet war, kann man mit der aktuellen Soft- und Hardware immerhin schon Anrufe tätigen und Kurznachrichten verfassen.
Die Hardware
Wie geplant hat FIC die 266-MHz-CPU durch ein maximal 500 MHz schnelles Modell (Samsung SC32442B) ersetzt. Der Samsung-Prozessor sitzt auf einem ARM920T als Kern, diese Informationen erhalten Sie auch über die Ausgabe von cat /proc/pcuinfo. Das Handy bootet gegenüber dem Vorgänger etwas schneller und reagiert deutlich besser auf Eingaben. Der Hauptspeicher blieb bei 128 MByte SDRAM, für die Daten stehen neu 265 MByte NAND-Flash zur Verfügung.
Neben dem GSM-Modem und Bluetooth steht für die Kommunikation nun auch ein WLAN-Modul von Atheros bereit. Den GPS-Empfänger hat FIC durch ein Atmel-Gerät ersetzt. Das hochauflösende Display zeigt weiterhin 480 x 640 Bildpunkte auf 45 x 52 Millimetern an. Wie der Vorgänger ist das Freerunner 120 x 62 x 18 Millimeter groß, wiegt aber inklusive Akku rund 40 Gramm weniger (145 Gramm).
Das neue Modell bringt neben dem Einschalter oben links auch einen Aux-Knopf mit. Der auf den ersten Blick nicht als solcher erkennbare Schalter sieht eher wie ein Infrarot-Sensor aus. Dahinter verbirgt sich aber eine mehrfarbige LED für Statusanzeigen. Den Aux-Button benötigen Sie unter anderem, um ein Firmware-Update vorzunehmen. Absolut positiv überraschte im Tests die Tonqualität der eingebauten Stereolautsprecher.
Neben dem eigentlichen Mobiltelefon erhalten Sie in der schwarzen Kartonbox ein Netzteil mit drei Adaptersteckern, eine 512 MByte große MicroSD-Karte inklusive Adapter, ein USB-Link-Kabel sowie einen Stift für die Bedienung des Touchpads. In Deutschland vertreibt der Leimener PDA-Spezialist Pulster [2] den Freerunner seit Anfang Juli für rund 299 Euro. Ein Video mit einer kurzen Produktvorstellung finden Sie bei Linux-Magazin Online [3].
Der erste Start
Das Linux-System mit Kernel 2.6.24 braucht rund drei Minuten für einen Kaltstart (Abbildung 1) – allein diese Tatsache dürfte Otto Normalverbraucher von einem Kauf zurückschrecken lassen. Für Linux-Fans stellt das jedoch kein K.O.-Kriterium dar, da man das System – einmal gebootet – kaum mehr neu starten muss. Befindet sich im Gerät eine per PIN-Code geschützte SIM-Karte, erscheint ein Dialog zur PIN-Abfrage. Klicken Sie hier auf Cancel oder fehlt die SIM-Karte, lassen sich die übrigen Funktionen auch ohne SIM-Karte nutzen. Bei einem Anruf klingelt das Handy und es vibriert.
An der Geschwindigkeit der Benutzeroberfläche gibt es nichts auszusetzen, in diesem Punkt braucht sich das OpenMoko-Handy vor der Konkurrenz nicht zu verstecken. In der Grundeinstellung zeigt das Display in der Mitte eine digitale Uhr an, darüber vier Schnellstarter für Anrufe, Kontakte, Kurznachrichten und den Kalender.
Die Statusleiste ganz zuoberst zeigt das GSM-Netz sowie Informationen zum Akkuzustand an. Über das Haus-Symbol am unteren Bildschirmrand kommen Sie jederzeit zu diesem Startbildschirm zurück, alternativ bringt Sie ein Druck auf den Power- oder den Aux-Schalter zum Hauptmenü. Über das Plus-Symbol erreichen Sie die Anwendungen, hinter den Zahnrädern verbirgt sich eine Art Favoriten-Menü.



